The day before the day AfDer.

Morgen ist Superwahlsonntag, ein Tag, der bestimmt alles wird, nur nicht super. Aber wenigstens ist es dann vorbei. Ein Anfang mit Schrecken. So würde ich das ganze bezeichnen. Denn dann ist endlich Schluss mit der wochenlangen Weltuntergangsstimmung im Netz und den Medien, nach jeder Umfrage, bei der die AfD immer stärker wurde. Die AfD wird jetzt mit einer Stimmung in die Parlamente geführt, die vom Zeitgeist dauernder Krisen befeuert wurde und wird. Sie ist nichts weiter, als ein Krisen-Gewinnler.

Denn die AfD ist ein Kind der Finanz- und Griechenlandkrise Ende der 00er Jahre. Und sie veränderte sich von der Euro-skeptischen Professoren-Partei zu einer rechts-populistischen Partei, die Rechtsextreme anzieht, mit der Flüchtlingskrise. Deren Anhänger wähnen unser Land am Abgrund, während es Deutschland wirtschaftlich so gut geht wie nie. Aber Emotionen haben niemals etwas mit Fakten zu tun. Meistens im Gegenteil.

Morgen wir die AfD wahrscheinlich einen großen Triumph feiern, aber im Grunde wird dies der Anfang vom Ende des Hypes sein. Mit etwas Glück (oder eher Pech) wird sie vielleicht noch von der Flüchtlingspolitik profitieren. Das wird auch vom weiteren Zustrom von Flüchtlingen abhängen. Machen andere Staaten die Grenzen dicht, profitiert davon eben auch die Mutter aller Willkommenskultur, Angela Merkel.

Die AfD wird sich aller Wahrscheinlichkeit im parlamentarischen Betrieb schnell entzaubern. Sie wird feststellen, dass kleine Verwaltungsvorschriften größere Hindernisse darstellen, als ein Grenzzaun mit Schießbefehl. Letztlich ist die Flüchtlingskrise für die AfD das, was für die Grünen vor 5 Jahren Fukushima war: ein unglaublicher Push für das jeweilige Kernthema. Und ehrlich gesagt: ich sehe keinen Politiker mit Format, wie der Grüne Kretschmann, der es in der AfD schafft, von dieser günstigen aktuellen Stimmungslage langfristig zu profitieren.

Eher wird es darauf hinauslaufen, dass sich die AfD-Fraktionen über kurz oder lang zerlegen. Dies geschah u.a. schon in Bremen oder Brandenburg, Fällt das gemeinsame Ziel weg, hier die Begrenzung des Zustroms von Flüchtlingen, werden die Zentrifugral-Kräfte bei neuen Parteien schnell sichtbar. Das konnte man in den letzten Jahren bei der Piraten-Partei erleben. Auch hier wurde relativ schnell sichtbar, wie unterschiedlich die Interessen innerhalb dieser Netz-Bewegung waren. Nicht anders wird dies bei der AfD sein.

Die AfD wird nicht gewählt, weil sie für etwas ist, sondern nur, weil sie gegen die Politik Merkels steht und die Ängste vieler Bürger für sich nutzt. Die meisten werden Protestwähler sein oder vorher eben gar nicht gewählt haben. Da heute die Wählerbindung sowieso immer stärker abnimmt, gelingt es zwar Parteien wie der AfD in bestimmten Situationen wie jetzt, viele Anhänger zu mobilisieren, aber eben nicht nachhaltig. Gelingt es in den nächsten 2 Jahren die Flüchtlingsfrage in den Griff zu bekommen, werden viele wieder CDU, SPD oder Linkspartei wählen. Oder eben eine neue Protest-Partei, die dann von der nächsten Krise profitiert.

Politik ist kein 100 Meter Lauf, sondern ein Marathon, heißt es. Und Politik ist etwas anderes, als Forderungen zu stellen, die man nicht durchsetzen kann. Das erleben die meisten Protest-Parteien spätestens, wenn sie im Parlament sitzen. Freuen wir uns also, wenn die AfD endlich in die Landtage einzieht. Sie wird sich dort selbst demaskieren, zeigen wie handlungsunfähig sie ist und sich in ihre parlamentarischen Einzelteile auflösen. Sie wird verdeutlichen, welche Dummköpfe und Laien plötzlich Politiker sind. Und sie wird erfahren, dass man auf dem Rücken von Nazis nachhaltig nicht erfolgreich sein kann. Der morgige Wahlsieg wird die größte Niederlage sein und der Anfang vom Ende des Schreckens der Populisten.

Darum: es gibt keinen Grund morgen frustriert zu sein. Im Gegenteil. In jedem Anfang liegt ein Zauber inne: dieser Zauber ist hier das Ende der Hype-AfD.

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Was ich vom Internet gelernt habe.

Herzlichen Glückwunsch! Mit dem Text auf dieser Seite hat Alf Frommer den jetzt.de-Schreibwett­bewerb gewonnen. Die Preisfrage an die jetzt.de-User lautete: Was hast du vom Internet gelernt?

Ich bin mit drei Fernsehprogrammen und einer Gewissheit aufgewachsen: Zum Überleben braucht man Bild, BamS und die Glotze. Die Erkenntnis ist nicht von mir, sondern von einem Menschen, der sehr reale Macht in diesem Lande hatte: Altbundeskanzler Helmut äh Gerhard Schröder.
Dann. Mitte der 90er-Jahre. In grauer Vorzeit. Da gab es wie aus dem Nichts etwas anderes. Nicht Techno. Aber durchaus etwas Technologisches: die Datenautobahn. Den Cyberspace. Das Weltnetz. Man war so überrascht von diesem neuen Medium, dass man ganz vergessen hatte, einen passenden Namen auszusuchen, bevor das Riesenbaby das Licht der Computerscreens erblickte.
Datenautobahn kam mir persönlich etwas daneben vor. Das lag an meiner ersten Begegnung mit dem Internet. Es war abends in einer Werbeagentur in Hamburg. Damals hatten genau drei Leute einen Internetanschluss. Die Sonne wanderte schnell gen Horizont, während zwei Kollegen und ich seit einer Viertelstunde darauf warteten, dass mal endlich die gewünschte Seite geladen würde. Damals bot das Internet viele Möglichkeiten zum Zeitvertreib: Man konnte mit Freunden telefonieren, Sex haben oder (totaler Wahnsinn) ARBEITEN. Denn in der Zwischenzeit passierte meistens nicht viel (tut es heute oft auch nicht, nur viel, viel schneller). Heutzutage bietet die digitale Welt auch ungeahnte Möglichkeiten des Zeitvertreibs. Aber statt zu vögeln, widmet man sich eher Angry Birds.
Jedenfalls hatten wir gerade Dostojewskis Der Idiot ausgelesen, als wir voller Bewunderung die AOL-Homepage betrachteten. Hammer! Ich gab der Sache damals noch etwa ein halbes Jahr. Spätestens dann würden wir wieder alle am Faxgerät stehen und unsere hübschen Kolleginnen dafür bewundern, dass bei ihnen selbst Faxen eine irgendwie faszinierende Tätigkeit war.

Zum Glück bin ich nicht Visionär geworden (wofür ich mich selbstredend halte), sondern leitender Mitarbeiter einer gut gehenden Werbeagentur. Diese zeichnen sich gemeinhin dadurch aus, dass sie keine Trends setzen, sondern Trends nutzen. In diesem Falle den Trend: Internet. Meine erste Community (die damals natürlich noch nicht so hießen) war: Thema1. Ein Boulevard-Trashmassaker, wie man es nur in den Anfangszeiten des Internets wagen konnte, online zu stellen. Alles war neu. Es war ein endloser Raum voller Möglichkeiten. Digitalluft macht frei. Tief einatmen und ausatmen. Das tat gut.

Mein erster Avatar nannte sich: siegstyle. Den nutze ich nun seit elf Jahren. Mit dem Namen habe ich mir jede Menge Freunde gemacht. Bis heute. Dabei war siegstyle ein diesmal wirklich visionärer Blick in die Zukunft. Den Modediktatoren, die heute durch die Urbanität ziehen, würde man nur zu gern ein fröhliches: „Sieg Style!” entgegenbrüllen. Und gleichzeitig denken: Das Internet hat die Urbanität der Hipster gleichförmiger gemacht, bei größerer Individualität. Wie immer: Der Segen kommt immer mit seinem bösen kleinen Bruder Fluch.
siegstyle war für mich wie das Internet: Freiheit und Möglichkeit in einem. Aber ohne die Angst, die man vor der Freiheit hat. Er war und ist mein Mr. Hyde. Aber ich entscheide, wann er zum Vorschein kommt. Er tut und sagt Dinge, die ich als reale Person niemals sage oder getan hätte. Gutes und Schlechtes, Schlaues und Dummes, Wahres und Falsches. Das binäre System Internet: einmal die 0 im wahren Leben und einmal die Nummer 1 im virtuellen. Aus diesen Spannungsfeldern speiste sich meine Begeisterung für das digitale Leben.
Ohne es zu merken, entwickelte sich meine zweite Persönlichkeit. Es kam zu Treffen mit Menschen, mit denen ich online Kontakt hatte. Aber die sahen nicht mich als Person, sondern mich als siegstyle. Ich war nicht ich. Ich und ich. Das war keine Band, sondern zweierlei. Irgendwann habe ich diese Treffen eingestellt. Denn siegstyle war 100 Prozent online. Er hatte in der realen Welt nichts zu suchen. Ich kam mir vor wie ein verirrter spanischer Conquistador auf der vergeblichen Suche nach dem Eldorado. Immer voller Hoffnung und vielleicht auch Gier. Doch immer begleitet von der Vergeblichkeit.
Ich war nie ein Netzwerker. Trotzdem liebten andere User siegstyle. Seinen Wahnsinn. Seinen Blödsinn. Seinen Unsinn. Denn das Leben gaukelt uns immer mehr Sinn vor. Da tut es gut, den Unsinn bewusst zu suchen. Ich lebte mich aus. Es war wie freie Liebe. Der Sex war der Post, und der Orgasmus kam mit den positiven Kommentaren. Im Grund ist dies auch die Droge, die bis heute die sozialen Netzwerke am Laufen hält: die stete Sucht des Menschen nach Anerkennung. Die Währung ist Aufmerksamkeit. Gezählt wird in virtuellen Freunden, Followern oder Likes. Was das angeht, unterscheidet sich das digitale Leben nicht sehr vom echten. Denn sind wir nicht alle ständig auf der Suche nach ein bisschen Liebe?
Nach 14 Jahren Internet lebe ich heute mit vier Medien­welten und einer Gewissheit: Zum Überleben braucht man bild.de, mindestens ein soziales Netzwerk und eine riesengroße DVD-Sammlung. Und vor allem braucht man: Persönlichkeit. Im wahren Leben wie im wahren Leben im Internet.
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Nicht noch ein schnelleres Pferd.

Henry Ford – der große Autobauer der USA – soll mal gesagt haben: wenn er seine Kunden gefragt hätte, was sie sich wünschen hätten sie gesagt „ein schnelleres Pferd“. Heute fragt man im Internet permanent seine Kunden: per Tracking und diversen anderen Analyse-Tools erfahren Webseiten-Betreiber genau, was ihre Kunden oder Leser, anklicken oder eben nicht. Das Ergebnis sind im Grunde immer neue „schnellere Pferde“, aber keine Webseite, die den Mut hat, Dinge mal anders zu machen, als alle anderen. Denn auch dort machen die Leser alle das gleiche und jeder kommt auf die selben Schlussfolgerungen.

Warum ich das schreibe? Die Jugend-Webseite der Süddeutschen Zeitung, jetzt.de, startet einen umfassenden Relaunch. Dieser war wohl dringend nötig, denn seit der letzten großen Überarbeitung der Seite verlor jetzt.de dramatisch an Mitgliedern in der Community, was man unter http://mehrjetzt.tumblr.com/ nachlesen kann. Ich möchte es gleich vorausschicken: ich bin nicht objektiv. Für mich gehörte das jetzt-Magazin und auch die Webseite jetzt.de zu meiner digitalen Seite im Leben. So wie Dick zu Doof gehört. Oder zu einem Zwerg eben noch sechs weitere. Jetzt.de hat mich im Internet sozialisiert, zum  10-jährigen Bestehen der Seite durfte ich dazu auch eine Kolumne schreiben, die im dem dazu erschienenen Magazin gedruckt wurde. Den Text dazu kann man hier noch einmal nachlesen https://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/528914/Was-ich-vom-Internet-gelernt-habe – diese Seite hat mich viele Jahre begleitet, war Facebook und Twitter in einem für mich. Und mein größter Viral-Erfolg im Netz hängt auch mit jetzt.de zusammen. Als Anfang 2011 die Werbe-Agentur Jung von Matt, Judith Holofernes für die BILD-Kampagne verpflichten wollte, veröffentlichte ich dort einen satirischen Text. Es war eine fiktive Antwort der Werbeagentur auf die Absage der Sängerin. Ich veröffentlichte einen Link auf Twitter und danach explodierte das Netz. Hunderte Kommentare unter dem Beitrag, die Webseite an der Belastungsgrenze und der Chefredakteur musste eine Klarstellung veröffentlichen: dieser Text ist nicht von der Redaktion. Hier noch mal zum Nachlesen:

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/520439/3/Die-Antwort-der-Werbeagentur-Jung-von-Matt-auf-Judith-Holofernes

In seinen besten Zeiten war der sogenannte Kosmos von jetzt.de die inspirierendste Community, die ich je erlebt habe. Tolle, intelligente Menschen. Autoren mit einem Sprachwitz und einer -gewalt, die mich immer auch ein bisschen neidisch machte. Aber ist Neid nicht auch ein wenig das größte Lob, was man jemandem geben kann? Ich denke schon. Einige von denen sind später Schriftsteller oder Journalisten geworden. Alles, was ich an dummen Sprüchen jetzt auf Twitter mache, übte ich jahrelang auf jetzt.de. Ich wurde daher nicht Autor, sondern Werbetexter. Nach vielen Jahren konnte ich daraus dann endlich mal eine nationale Werbe-Kampagne machen. Für Lieferando. Auch das habe ich dieser Seite zu verdanken. Vielen satirischen Texten, die ich geschrieben habe, gab die Redaktion ein Forum und präsentierte sie auf ihrer Startseite. Das war Motivation.

Natürlich wurde ich wie fast jeder bei meiner ersten Bewerbung abgelehnt. Und dann noch mal abgelehnt. Genommen wurde ich, weil ich bei irgendeinem Schreibwettbewerb auf jetzt.de zu den beliebtesten Texten gehörte. Da wurde ich freigeschaltet. Ab da gehörte ich zu den Menschen die Texte veröffentlichen durften. Hört sich heute total wahnsinnig an: nicht jeder durfte dort schreiben, sondern nur die, die einen Auswahlprozess überstanden hatten. Das Gegenteil zu heute, wo jeder meint seine Meinung überall kundtun zu müssen, ohne einen geraden Satz aufs Online-Papier zu bekommen. Jetzt.de war von seiner Idee der Zeit voraus. Wo konnte man schon das tun, was man da machen konnte? Facebook und Co. gab es nicht. Meine einzige andere Community war ein Fußball-Netzwerk, wo sich Soccer-Nerds austauschten. Aber nichts hatte die Anziehungskräfte von jetzt.de.

Ich kenne selbstverständlich nicht die internen Gedankengänge der Redaktion. Aber nach jedem Relaunch wurde die ursprüngliche Idee der Einbindung der Community immer weiter zurückgeschraubt. Das tat mir weh. Irgendwann habe ich mir dann auch nicht mehr die Mühe gemacht, dort wirklich Texte zu veröffentlichen und wich auf mein eigenes Blog und zu „Der Freitag“ aus. Zurück blieben die ganz hartgesottenen, die auch kein Relaunch abschrecken konnte. Die schrieben jeden Tag ihren Tagesticker unbeirrt weiter und diskutierten dort, als wäre nichts geschehen. Als würde die immerwährende Beta-Phase des Webs nur eine Laune der digitalen Natur sein. Manchmal noch klickte ich in den Tagesticker und sah dort die gleiche Skatrunde, wie Jahre zuvor. Einerseits schön, andererseits auch traurig. Es war ja abzusehen, dass sich etwas grundlegendes ändern musste.

Denn anders, als etwa vor 5 oder 10 Jahren gibt es jetzt ernsthafte Konkurrenz im Netz. Mit bento oder zett. Und neon.de gibt es ja auch irgendwie noch. Das Problem am Internet ist sein Hang zur grundlegenden Gleichmacherei. Nach innen, wie oben beschrieben durch die Daten, die niemals lügen. Und nach außen eben auch. Jeder kommt heute an alle Informationen. Das Privileg der Jugend, ein eigenes Geheimwissen zu haben, was Erwachsenen nicht verstehen, verschwindet immer mehr. Man kann die gleichen Klamotten kaufen und die selbe Musik hören. Alles nur einen Klick entfernt. Ist Jugend nicht wirklich nur noch ein Alter? Wenn man heute bento Artikel liest, könnten die genauso gut auch auf spiegel.de gepostet werden. Kein Unterschied. Ich hoffe, jetzt.de wird nicht nur ein weiterer Kanal, um ein Jan Böhmermann Video zu promoten. Denn man Ende ist das dann nicht mehr bento, jetzt oder zett, sondern nur noch Facebook. Es schreiben ja eh alle über das gleiche.

Journalismus an sich ist heute auch ein Show-Geschäft: man braucht Rampensäue mit einer hohen Vernetzung im Internet, um wirklich Aufmerksamkeit zu erzielen. Es wird nicht nur alles schneller, sondern auch schriller. Alle reden über Rant-Journalisten wie Matussek, Martenstein oder deren junge Ausgabe von Rönne. Wahrscheinlich glauben die den Kram selbst nicht, den sie schreiben, aber wie soll man noch Awareness schaffen, wenn alles eine unerträgliche Konsens-Soße geworden ist. Gerade auch im jungen Journalismus. Da gibt es unzählige Lebenshilfe-Artikel, aber keine 100 Zeilen Hass mehr. Wir müssen nicht alles und jeden akzeptieren und lieb haben. Scheiße, ihr seid jung. Ihr müsst auf die Kacke hauen und mir nicht erklären wollen, wie man im Bewerbungsgespräch punktet. Oder wie man einen transsexuellen Veganer im Rollstuhl richtig anspricht. Leute, das langweilt.

Ich wünsche dem neuen jetzt.de alles Gute. Ich wünsche euch, dass ihr als Mutter aller jungen Angebote im Netz (aber immer noch eine attraktive MILF), den jungen Journalismus neu definiert. Jenseits von der Gleichmacherei der Themen durch den Moloch Internet. Diesseits des Konsens-Geschreibsels. Mit einer eigenen Stimme. Wieder mehr Rampensäuen in der Redaktion, die Leser auf die Seite ziehen. Die dann – in welcher Form auch immer – eine neue lebendige Community bilden. Ich werde da nicht mehr dabei sein. Denn selbst die erfolgreichsten Berufsjugendlichen gehen irgendwann in Rente.

Aber bitte denkt daran, trotz allen ausgewerteten Daten: das Internet und der Journalismus warten nicht auf noch ein schnelleres Pferd. Geht euren eigenen Weg, einen auf den die Leser vielleicht warteten.

 

 

 

 

 

 

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Woher soll das Vertrauen kommen?

Es ist der der erste Morgen nach der Abstimmung über Olympische Spiele in Hamburg. Eine knappe Mehrheit hat sich gegen diese Sportveranstaltung ausgesprochen. Wie jeden Morgen checke ich als erstes die Nachrichtenseiten auf meinem iPhone. Auch die BILD titelt groß mit einem sportlichen Thema: Warum Tuchel Hummels auf der Bank schmoren ließ. Vielleicht zeigt diese Anekdote, woran es liegt, dass wir Menschen nicht mehr für die Spiele begeistern können: Deutschland ist sportlich zu einer Monokultur verkommen. Die Menschen da draußen interessieren sich nicht mehr für modernen Fünfkampf, Ringen im griechisch-römischen Stil oder Rhythmische Sportgymnastik. Alles was ihre Aufmerksamkeit absorbiert ist: Fußball.

Wahrscheinlich werden wir uns jetzt 2024 eben auf die Fußball-EM in unserem Land freuen dürfen. Sehr wahrscheinlich wird dann auch in Hamburg gespielt und kann sich auf einen der größten Sport-Events der Welt freuen. Natürlich würde auch ich mich sehr freuen, wenn die EURO nach Deutschland kommt. Schließlich bin ich kein Wutbürger, der gegen alles und jedes ist. Im Gegenteil. Ich könnte mich für eine Randbebauung des Tempelhofer Felds in Berlin erwärmen und ich habe auch nichts gegen Großprojekte. Ich freue mich, wenn Stuttgart21 irgendwann mal eingeweiht wird oder die Elbphilharmonie ihre feierliche Eröffnung feiert. Noch mehr gefreut hätte ich mich allerdings, wenn das visionäre Musikhaus nicht zehn Mal so teuer geworden wäre, wie ursprünglich geplant.

Vielleicht haben das die Befürworter von Olympia 2024 einfach nicht auf dem Zettel gehabt: In den letzten Jahren wurde nicht ein einziges deutsches Großprojekt im Kosten- oder Zeitrahmen fertiggestellt. Wie soll man da glauben, dass dies dann in der Hansestadt gelingen sollte? Wie viele kann ich mich da nicht begeistern und sagen: In 9 Jahren stampfen die einen neuen Stadtteil nebst diversen Stadien und Hallen aus dem Boden. Natürlich plus der Infrastruktur, die dazu nötig ist, diese an die Stadt anzubinden. Vertrauen erwirbt man nicht durch tolle Computer-Animationen, bei denen mal schnell aus einem Hafen ein Olympiapark wird. Oder durch Powerpoint-Präsentationen, in denen mal schnell durchgerechnet wird, wie gut alles durchgerechnet wurde. Woher soll dieses Vertrauen kommen?

Zudem ist der Sport in einer Krise. Korruption und Doping beherrschen nahezu alle großen Sportverbände. Ältere Herrschaften geben die immer gleichen Plattitüden des olympischen Sportsgeists von sich. Dabei weiß jeder, dass die vollkommen inhaltsleer geworden sind. Gerade eben wurde der gesamte russische Leichtathletik-Verband bis auf weiteres von den Spielen 2016 ausgeschlossen. Auch hier fragt man sich: wie soll Vertrauen entstehen, wenn eigentlich ständig aufgezeigt wird, dass unser jetziges System des Sports dringend reformiert werden müsste. Dopingkontrollen scheinen nicht zu wirken und Bestechung scheint gang und gäbe zu sein. Daran hätten auch Spiele in Hamburg nichts geändert. Im Grunde müsste man sich überlegen, was solchen Events eigentlich noch bedeuten?

Denn die Jugend der Welt trifft sich heute ständig irgendwo im Netz und tauscht sich aus. Ohne Betrug, korrupte Funktionäre und Bauten, die man nach zwei Wochen nicht mehr braucht. Ohne Stadtteile, die von Großsponsoren kontrolliert werden. Wo man nicht mehr sein Bier trinken darf. Und ohne Karten, die sich viele Normal-Bürger nicht mehr leisten können. Olympische Spiele braucht heute nicht mehr die Jugend der Welt, sondern nur noch Unternehmen und Verbände, die daran Geld verdienen. Das haben nicht nur die Menschen in Hamburg gesehen, sondern auch in Oslo. Selbst Städte wie Toronto oder Boston sagten „Nein“. Ganz ohne Wutbürger. Auch hier haben Menschen den Sinn nicht gesehen. Warum sollen Steuerzahler die ganze Veranstaltung bezahlen und nur Unternehmen Gewinne machen? Damit man dafür eine bessere Infrastruktur bekommt?

Wenn Stadtentwicklung nur durch Olympia oder sonstige Großereignisse möglich ist, dazu noch auf Kosten des Bundes, dann hat Hamburg ganz andere Probleme. Apropos: Ich denke, viele Hamburger, die mit „nein“ gestimmt haben, sind bestimmt gerne bereit, aktiv mit dem Hamburger Senat über Stadtentwicklung zu sprechen. Wo kann man bezahlbaren Wohnraum schaffen? Wie kann man Gentrifizierung sozial verträglich gestalten? Auf welche Weise werden Flüchtlinge aufgenommen und integriert. Schon jetzt würde ohne die Hilfe tausender Freiwilliger im Bereich Flüchtlingspolitik nichts mehr gehen in der Hansestadt. Und die gleichen Politiker wollen dann ein Multi-Milliarden-Olympia-Programm auf die Reihe kriegen. Wo soll auch hier das Vertrauen herkommen?

Antworten dazu gab es nicht. Die Pro-Olympia-Kampagne war hohl oder inhaltsleer und käute nur die Argumente wieder, die sich schon oftmals als Scheinargumente herausgestellt hatten. Niemand konnte eigentlich sagen, warum die Spiele in Hamburg stattfinden sollten. Außer, dass Spiele eben ein unglaublicher Mythos sind. Ein Mythos, der schon lange nicht mehr glänzt.

 

Wer den Sport liebt, der braucht keine Olympischen Spiele. Der geht einfach raus und rennt bei Volksläufen mit. Der steht Sonntags morgens auf dem Ascheplatz oder in einer zugigen Turnhalle am Mittwoch Abend. Vielleicht sogar noch um 5 vor 12 in der Nacht. Die Uhr tickt, auch für glaubwürdigen Sport und glaubwürdige Spiele.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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“Die Noten reichen um wenigstens noch Moderator einer Morning-Show zu werden.”

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Ich als “Creative-Director und Werbe-Experte” in der SWR3 Morning-Show.

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Kreuzberg, du mieses Stück Scheiße.

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Ich arbeite jetzt seit 3 Monaten in Kreuzberg. Und meine Bilanz dieser Zeit lautet: Kreuzberg ist der Vorhof zur Hölle, ein urbanes Disneyland. Einerseits ohne Bezug zur Realität andererseits prallen dort Wirklichkeiten zu hart aufeinander. Alles ist zu viel, sogar von zu wenig. Jeden Abend, wenn sich die Straßen mit bierseligen Feier-Druffis aus allen Nationen füllen, bin ich froh diesem Jahrmarkt zu entkommen. Kreuzberg ist eine explosive Mischung geworden aus 80er Jahre Melancholie, 90er Jahre Drogenrausch und dem schlechtesten von heute.

Wenn man im Wrangel-Kiez unterwegs ist, sieht man die Parole überall: „Bizim Bakkal bleibt“, also „Unser Laden bleibt“. 200 Meter daneben ist ein Nahkauf und etwa 300 Meter die Straße runter ein weiterer großer türkischer Gemüseladen. Vom Kaiser’s an der Ecke ganz zu schweigen. Es geht also nicht um Einkaufsmöglichkeiten, sondern grundsätzliches: soll Kreuzberg sich verändern oder nicht. Die Antwort ist klar: der Stadtteil steckt wie jeder andere im Innenstadtbereich im Epizentrum einer rasanten Veränderung. Das lässt sich genau so wenig verdrängen, wie das Modewort Gentrifizierung. Spannend wäre die Frage, was einmal vor dem Gemüseladen in den Räumen war. Und wer damals ging oder gegangen wurde. Das alles ist Spekulation, aber die aggressive Grundstimmung im Kiez ist Realität.

Diese drückte sich zuletzt an dem berühmten Mural an der Cuvry-Brache aus. Vulgär wurde da gegen alles gewettert: Immobilien-Haie, Gentrifizierung, Touristen, Polizei. Leider ohne jeden intelligenten, charmanten oder gar intellektuellen Über- oder Unterbau. Dem Protest fehlt es an Grips oder einem Slogan, der mehr ist als ein verächtlich hingeschmettertes „Fuck you.“ Wer Geld und was in der Birne hat, der kann mit dem Strom der Veränderung mitschwimmen oder gestaltet ihn – teilweise ohne es zu wollen. Dem Protest bleiben dann nur die Abgehängten, von denen es in Kreuzberg überraschenderweise noch jede Menge gibt. Jedenfalls überraschte es mich.

Touristen, die es hier in Heerscharen gibt, werden höchstens geduldet, so wie viele Flüchtlinge vom Staat. Niemand der Alt- und Neulinken im Bezirk würde ein Banner mit der Aufschrift „Tourists Welcome“ vor sich hertragen. Aber Flüchtlinge lieben zumindest Teile der Menschen dort. Es ist diese Schizophrenie der Straße, die diesen Bezirk so unlebenswert macht. Wenn Berlin eine Filter-Bubble ist, weil die Stadt zum Beispiel nicht Deutschland ist, dann ist Kreuzberg die Bubble der Bubble. Hier ist nichts mehr echt. Hier laufen Menschen rum, die jeder auf ihre Weise den Bezug zur Realität verloren haben. Die einen leben ihren Hipster-Traum, der andere kauft Lofts wie andere Gummibärchen und wieder andere Leben im Nebel von Avalon – Drogentechnisch betrachtet. Man sehnt sich fast nach der Fußgängerzone in Uelzen, nur um mal wieder ein paar normale Menschen zu sehen.

Wenn man als normaler Mensch durch die Straßen geht, wirkt alles wie in einem Kriegsgebiet im Waffenstillstand: es kann jederzeit knallen. Viele der Einheimischen sind ab mittags schon blau, bekifft oder sonst wie weggeschossen. Die Party-Touristen auch. So lässt sich die friedliche Koexistenz einigermaßen ertragen. Nur wer es nüchtern ertragen muss, ist nur noch genervt. Man wird blöd angequatscht oder muss mit dem Party-Müll leben. Es erinnert mich an meine Zeit, in der ich auf der Reeperbahn lebte. Nur das war die Reeperbahn. Und kein Kiez, der zum Wohnen da ist oder sein sollte.

Letztens wollte ich einen Kaffee bestellen und musste es auf Englisch machen. Keiner der Bedienungen verstand Deutsch. Nachdem ich meine Kaffee-Bestellung runterratterte schlug mir ein vollkommen ahnungsloses „What?!?“ entgegen. Also alles wieder auf Englisch. Das hätten sich mal die Türken erlauben sollen, die müssen sich ja anpassen und unsere Sprache lernen. Als postmoderner Deutscher mit kosmopolitischem Anspruch redet man aber gerne und oft Englisch. Man ist weltmännisch und nicht piefig. Was die Anekdote sagen soll: man versteht in diesem Stadtteil aneinander immer weniger. Es entstehen Parallelgesellschaften, nicht in der Form, wie AfD oder Teile der CSU sie sehen: die Türken sind zumeist prächtig assimiliert. Nein, es ist diese Melange aus Startup-Culture und „Berlin ist trendy“ Bewohnern, die sich ihr eigenes Universum aus Mikro-Brauereien, Bio-Gedöns und Fairtrade aufgebaut hat. Alles CO2-neutral versteht sich – und vegan bzw. verpackungsfrei. Hier wird nach eigenem Anspruch die Welt gerettet von einer kleinen Elite, die in etwa so viel Gewicht hat wie eine einzelne Ameise.

Kreuzberg ist anstrengend, es ist ein Pulverfass, es ist ein Trauerspiel. Wenn man es als gesellschaftliches Labor der Zukunft betrachtet, mit einer Menge experimenteller Anordnungen, dann vielleicht noch akzeptabel. Oder in Teilen interessant. Es ist ein Rückzugsgefecht. Ein Umbruch ohne erkennbaren Aufbruch. Es ist, ja was eigentlich.

Kreuzberg du bist so Cottbusser Dammed. Aber hier leben? Nein danke.

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Liebe Einwanderungspolitik,

wir alle wollen mehr Babys. Leider wurden nur 682.063 im letzten Jahr geboren. Die Geburtenraten kann die Sterberate nicht ausgleichen. Wir haben mehr Tote als Babys. Jedes Jahr werden wir um 200.000 Menschen ärmer.

Wer ist Schuld? Schuld ist unsere Einwanderungspolitik. Einwanderer machen Karriere, Einwanderer haben Hosenanzüge an (Aydan Özoguz), Einwanderer geben ihre Kinder in Kitas, Einwanderer verdienen mehr als Deutsche, Einwanderer gehen in Teilzeit.

Was ist aus unseren Einwanderern geworden? Sie sind Business-Menschen, Power-Frauen, sie trinken Smoothies, sie laufen sich im Fitnesscenter ihr Fett ab, sie sind Chefredakteurinnen, sie sitzen im Aufsichstrat.

Sie sind wie Deutsche.

Sie sind keine Einwanderer mehr. Sie sind nicht in der Nacht dabei, wo ihr Kind Angst hat, vor Nazis und Brandanschlägen. Sie singen ihr Kind nicht in den Schlaf, weil es ja schnell aufstehen müsste, wenn die Flammen kommen.

Politik hat keine Ahnung von Gefühlen. (Angela Merkel)

Es gibt nicht schöneres, als ein Einwanderer-Baby, das schläft, zuzudecken. Es zu küssen und gute Nacht zu sagen. Schließlich brauchen wir davon 200.000 im Jahr.

Herzlichst

Ihr F. J. Wagner

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Warum wundert sich Til Schweiger über seine Fans?

Til Schweiger ist neben Helene Fischer der derzeitige Gott des Mainstreams. Kein Wunder, dass Godzilla und King Kong bald im Tatort aufeinanderprallen. Das Ergebnis dürfte ein Hamburg in Schutt und Asche sein. Also Asche in Form von Geld in jedem Fall. Hoffentlich bleibt wenigsten die Elbphilharmonie stehen, die hat doch schon so viel gekostet. Während die eine durch gefühlte Regionalligastadien tourt, kurvt der andere in Regionalliga-Hirnen herum. Schweiger wie Fischer bedienen das „gesunde Volksempfinden“, beide auf ihre Weise. Fischer ist die ehehygienisch saubere Sexbombe, die mit Schlagertexten eine postmoderne, aber eben heile Welt beschwört, in dem noch alles an seinen angestammten Platz ist. Wer braucht da noch Globalisierung, wenn es in unserem Vogtland so schön ist? Niemand.

Und auch die Filme des Schauspielers und Erfolgsproduzenten Schweiger sind nichts anderes, als Schlager in Form modern inszenierter Heimatfilme. Da ist im Grunde alles in Ordnung. Und wenn es mal nicht in Ordnung ist, dann räumt Schweiger – wie in Schutzengel – einfach auf. Schließlich hat er als Patriot und Ex-Elitesoldat in dem Film eben auch gegenüber Deutschland eine Verantwortung. Überhaupt begann die Karriere des Til Schweiger mal als Bundeswehrsoldat in der Lindenstraße. Das hatte damals noch anarchisches Potential, denn in jeder Zeit waren Soldaten noch wahre Parias der Gesellschaft. Heute beschützen die unsere Freiheit am Hindukusch. Danke! Wir können stolz auf unsere Soldaten und unser Land sein. Wer braucht da eigentlich noch Flüchtlinge – am Ende auch noch aus Afghanistan? Eher niemand.

Schließlich muss sich Til Schweiger fragen, ob er nicht auch durch seine privaten Äußerungen genau die Klientel auf seiner Facebook-Seite versammelt hat, die er jetzt medienwirksam zur Hölle schicke will. Das Thema Kindesmissbrauch ist eines der wenigen Schwarz-Weiß Themen unserer Zeit. Hier gibt es entweder nur gut oder nur böse. Wer sich populistisch hinstellt und Dinge sagt wie: „Ich bin der Meinung, dass jemand, der eine Frau vergewaltigt oder eine Sexualstraftat begeht – der hat sein Recht in der Gesellschaft verwirkt.“ Ist ja im Grunde – was die Meinung angeht – vielleicht auch gar nicht viel besser, als jemand, der sagt, dass Flüchtlingen alle weg gehören, weil sie Flüchtlinge sind. Denn die undifferenzierte Betrachtung von Problemen oder Themen, da liegt doch gerade der Hund begraben. Bei den Facebook-Fans von Schweiger und eben bei Schweiger selbst.

Das sollten mal alle bedenken, die ihn jetzt gerade so toll finden. Schweiger ist nicht toll, er hat genau die Fans, die er sich verdient hat. Verwunderlich ist nur, dass er sich darüber verwundert.

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8 Initiativen, die wir uns NUR von der CSU wünschen.

Horst Seehofer und seine Powertruppe von der CSU (Christlich Sozialer Unsinn) eilen in der Koalition von Erfolg zu Erfolg. Nachdem die EU schon die Maut verhinderte (Alexander Dobrindt: „Mein Lieblingsfilm ist ’Harald und Maut’) wurde jetzt auch das Betreuungsgeld vom Bundesverfassungsgericht kassiert. Apropos kassiert, so meinte doch der CSU-Chef enttäuscht nach der Entscheidung: „Schade, mit dem Betreuungsgeld hätten junge Familien die Maut bezahlen können.“ Dieser finanzpolitische, geniale Schachzug konnte nun leider nicht verwirklicht werden. Das findet Alexander Dobrindt in seinem großkarierten Maßanzug „ziemlich kleinkariert.“

Weil es gerade so gut läuft mit der Kernkompetenz verfassungswidrige Gesetze, wünschen wir uns von der CSU die Verwirklichung folgender Vorhaben:

Vorratsdatenspeicherung einführen

VDS ist ein äußerst wirksames Instrument der Verbrechensbekämpfung, mit dem man in Deutschland schon Null Straftaten aufklären konnte. „Daher spricht alles für die Einführung von VDS, um Straftaten zu verhindern“, so die CSU. Logisch. Logisch auch, dass nur die CSU in der Lage ist, eine verfassungskonforme Fassung der VDS vorzulegen. „Ich habe mir über Amazon mal eine Ausgabe des Grundgesetzes bestellt und bin überrascht, was da alles drin steht“, so Markus Söder, „da geht es scheinbar auch im Bürgerrechte.“ Interessant.

Tegel schließen

„Äh, äh, äh.“ (Stoiber) Während der Transrapid vom Münchener Hauptbahnhof zum Flughafen Franz-Josef Strauß schon seit 10 Jahren in 10 Minuten zwischen den beiden Endstellen pendelt, werden wir in Berlin noch einige Jahre auf den neuen Großflughafen warten müssen. Ein Grund mehr, den alten überlasteten Tegel-Airport endlich zu schließen. Denn Helikopter-Eltern, die das Betreuungsgeld nutzen, würden eh lieber Tempelhof anfliegen, um schneller bei ihren Lofts im Innenstadtbereich zu sein.

Homo-Ehe verbieten

Nur Söder ist öder: Ein echtes bayrisches Mannsbild liebt Frauen, also Weiber und nicht diese Feministinnen, die sich nicht die Achseln rasieren. Basta. Und heiraten dürfen fortan sowieso nur noch CSU-Mitglieder. Die Ehe ist eine Institution, wie die absolute Mehrheit der CSU in Bayern. Nur noch mal als Info: CSD und CSU haben nichts miteinander zu tun. Aber gar nichts. Das eine sind „Christlich-Soziale Deppen“ und das andere die „Christopher Street Union“. Natürlich träumen CSUler vom Darkroom, weil da alles schwarz ist, aber trotzdem sollte niemand die rosarote Brille aufhaben.

Atomeinstieg

Windenergie kommt aus dem Norden (arm und rot) in den Süden (reich und schwarz). Und die hässlichen Stromtrassen machen uns unser schönes Sissi-Bayern kaputt. Aber nicht mit uns: die CSU wird wieder auf Atom und Kohle setzen. „Die Atomkraft ist sicher“, sagt Markus Söder mit dem rechten seiner beiden Köpfe. „Und am sichersten ist ein Atom-Endlager außerhalb Bayerns“, legt Seehofer nach. Auch die Kohle soll nicht in Bayern abgebaut werden. „In der Lausitz gibt es noch genug Dörfer, die Vattenfall platt machen kann“, so Söder mit dem linken seiner beiden Köpfe, der bedenklich hustet.

Le Floid zum Regierungssprecher machen

Harmlos, harmloser, Le Floid. Der Fahrradfahrer von YouTube (nach oben buckeln, nach unten treten) eignet sich hervorragend als Regierungssprecher. Mit Beschimpfungen im Internet kennt er sich schon sehr gut aus und den Tilo Jung kennt er auch, wenn sie sich in der Bundespressekonferenz treffen und plauschen. Und nicht zuletzt: Merkel hat ihn sich schon handzahm gemacht, da wird sich doch auch der Dobrindt (eventuell) gegen ihn durchsetzen können

Mietpreisbremse für Wildbad Kreuth

Die CSU ist eigentlich strickt gegen die Mietpreisbremse, als kommunistisches Werkzeug, um Immobilienbesitzer zu enteignen. „Das regelt der Markt“, so das Mantra der neuen sozialen Marktwirtschaftler in der Koalition. Jetzt aber, wo sich die CSU selbst die Miete nicht mehr leisten kann und weggentrifiziert wurde, möchte die CSU wenigstens für das Tagungszentrum Wildbad Kreuth eine Mietpreisbremse einführen. „Wo sollen wir denn sonst nach all den Jahren hin? Nach Berlin-Neukölln?“, meint so ratlos wie eh und je Generalsekretär und Guttenberg-Mindestklon Scheuer. Das Berghain in Berlin böte sich an, schließlich sind die es ja gewöhnt, dass man in ihren Räumlichkeiten so lärmt, wie bei der CSU im Bierzelt. „Wir müssen nur am Türsteher vorbeikommen“, so Scheuer. „Und das wird schwer, ich bin noch nie reingekommen.“

Asylgesetze verschärfen

Das Boot ist voll. Voller als voll. So voll, wie ein durchschnittlicher CSU-Politiker auf dem Oktoberfest (aka bayrisches Traditionsgut). „Di soaln oast ma doitsch lerna“, so vollkommen unverständlich Markus Söder. Unsere völlig überalterte Gesellschaft mit permanentem Fachkräftemangel braucht keine jungen, motivierten Einwanderer. „Bayern ist zwar ein Wanderungsland, aber kein Einwanderungsland“, unterstreicht Seehofer. „Wir erklären alle Länder außer Bremen zu sicheren Drittländern, wer aus der rot-grünen Vorhölle der Hansestadt entkommen ist, kann hier bleiben. Für den Rest heißt es: Servus!“

Guttenberg in die Politik zurückholen

Er war die Lichtgestalt der deutschen Politik, Kai Diekmann-Buddy und Brieffreund von FJ Wagner. Wegen einer marginalen Schummelei bei der Doktorarbeit, wurde er zur Bundeskanzlerin zitiert und musste – „Gegen den Willen des Volkes“ (BILD) – zurücktreten. Trotz wahnsinnig talentierter Nachwuchspolitiker wie Alexander Dobrindt, Markus Söder oder den Minions, wünscht sich Seehofer (warum auch immer) eine Rückkehr von Guttenberg. „Wir haben einen Guttenberg Arbeit vor uns, um unsere erfolgreiche Politik weiter fortsetzen zu können“, sagt Seehofer mit Überzeugung.

 

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#NetzFragtPutin

Russlands Präsident Wladimir Putin – unter Freunden auch das Kreml-Monster genannt – war vom knallharten Le Floid Interview so begeistert, dass er auf gängige Stichwortgeber aus dem russischen TV verzichtete und den YouTube-Star nach Moskau einlud. Hier traf man sich mit Blick auf den roten Platz, auf dem gerade einige Demonstranten verprügelt wurden. Die Fenster waren sauber – “lupenreine Demokratie” stellte Floriam Mundt anerkennend fest. Auf den Mundt gefallen war dann auch später Putin nicht, als sie 30 Minuten plauderten – eine halbe Stunde so politisch wie Bibi Beauty-Tipps.

Wir hören mal rein in die wichtigsten Passagen:

Le Floid: „Herr Putin, ganz zu Anfang: was verstehen Sie unter gut leben?“

Putin: „Ich mag es mit nacktem Oberkörper auf Bären zu reiten und Lachse mit der Hand zu fangen und roh zu essen – andere haben andere Interessen, aber das sind meine.”

Le Floid: „Hört sich nach einem verdammt guten LSD-Trip an.“

Putin: „Ich brauche keine Drogen, um durchgeknallt zu sein. Kiffen Sie?“

Le Floid: „Nein, habe ich aber auch schon der Bundeskanzlerin gesagt.”

Putin: „Alkohol?“

Le Floid: „Mal ein Gläschen unter Freunden…“

Putin: „Könnten Sie sich vorstellen Werbung für Wodka zu machen?”

Le Floid: „Absolut.“

Putin: „Quatsch, Russkij Standard.“

Le Floid: „Herr Putin, als ich sie anrufen wollte, war ihr Telefon besetzt – wie die Ukraine von russischen Truppen?“

Putin: „Mein Telefon ist wie die Ukraine nicht von russischen Truppen besetzt, dass sind Freiwillige, verstehen Sie.“

Le Floid: „Absolut.“

Putin: „Das sind alles Erfindungen der westlichen Lügenprässe. Die Krim gehörte schon seit Jahrtausenden zu Russland und ist in den Schoss des Mütterchens zurückgekehrt.“

Le Floid: „Sicher, sicher. Anderes Thema: Mein Kumpel Oli – übrigens nicht mit Nachnamen ‚Garch’, meinte, dass sie ganz gut am Gasgeschäft mitverdienen.“

Putin: „Gas? Haben Sie schon mal einen eigenen Furz mit dem Feuerzeug angezündet.“

Le Floid: „Absolut.“

Putin: „Und wie war das?“

Le Floid: „Lustig, habe danach angefangen Videos für YouTube zu drehen und habe das Witze-Niveau locker gehalten. Sind Sie eigentlich für einen Scherz zu haben?

Putin: „Immer, der letzte endete als Google Hangout.“

Le Floid: „Wie das?”

Putin: „Der Scherzkeks, der sich über mich lustig machte, endete als GooglePlus Video, in dem er gehängt wurde.“

Le Floid: „Gibt es nicht!“

Putin: „Doch GooglePlus gibt es.“

Le Floid: „Was viele im Netz wissen wollten, Herr Putin, warum stehen Sie der Homo-Ehe so kritisch gegenüber?“

Putin: „Homosexualität ist eine Krankheit, die man mit Elektroschocks oder mit mindestens 5 Jahren Gefängnis heilen kann, können Sie mir folgen?“

Le Floid: „Absolut.“

Putin: „Arbeitslager wäre auch möglich. Für uns gibt es nur eine Ehe zwischen Mann und Frau, verstehen Sie.“

Le Floid: „Sicher.“

Putin: „Sie wären ja auch nicht da und könnten halbgare Scherze auf YouTube machen, wenn sie nicht das Ergebnis einer Ehe wären.“

Le Floid: „One-Night-Stand.“

Putin: „Den One-Night-Stand der Ehe kenne ich nicht.“

Le Floid: „Ach, ist auch nicht so wichtig. Kommen wir zu Menschenrechten.“

Putin: „Was?“

Le Floid: „Na so was wie freie Meinungsäußerung. Also auf Twitter oder Facebook schreiben oder kommentieren, was man will.“

Putin: „Dafür habe ich meine Leute.“

Le Floid: „Für was?“

Putin: „Kommentare im Internet.“

Le Floid: „Das find ich aber Troll!“

Putin: „Apropos Twitter.“

Le Floid: „Ja, bitte?!“

Putin: „Können Sie mir folgen?“

Le Floid: „Absolut.“

Und nächste Woche bei Le Floid: #NetzFragtKim

Le Floid: “Ihre Antworten kommen ja wie aus einem Maschinengewehr geschossen, großer geliebter Führer.”

Kim: “Flugabwehrgeschütz – schätze ich in letzter Zeit mehr.”

Le Floid: “Absolut.”

Kim: “Wie meine Herrschaft.”

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