Anerkennungsmarke

Der Verteidigungsminister Thomas de Maiziére brachte die Bundeswehr unlängst in helle Aufregung mit seiner Aussage, dass die Truppe nach “Wertschätzung giere”. Da ich selbst fast neun Jahre als Soldat gedient habe kann ich sagen: er hat recht. In all den Jahren, die ich in der Bundeswehr war und auch danach hatte die Armee von zwei Dingen nie genug: Geld für neue teure Ausrüstung und natürlich ganz allgemein Anerkennung.

Woher kommt eigentlich der Wunsch gerade von Soldaten, dass man das, was sie tun in der Bevölkerung erkennt und anerkennt? Natürlich liegt es daran, dass sie Staatsdiener sind – in Uniform noch dazu. Und dann an dem, was den Soldatenberuf erst dazu macht: die Möglichkeit während eines Kampfeinsatzes sterben zu können. Nun kann man einwenden, dass jeder Soldat beim Eintritt in die Bundeswehr doch genau diese zwei Aspekte seines Berufes kennen musste: Zum einen die Funktion als Staatsdiener und zum anderen der Fakt, dass die Bevölkerung von Dingen wie Tod oder Verletzung am liebsten nichts wissen will. Das dürfte ganz verständlich sein, denn wer will sich mit Krieg in einem eher pazifistischen und saturierten Land wie unserem beschäftigen? Die Freiheit wird am Hindukusch verteidigt, die Gleichgültigkeit am Hunsrück. So oder ähnlich.

Als ehemaliger Offizier, der selbst neun Jahre gedient hat (und der als Sohn eines Offiziers aufgewachsen ist) kann man konstatieren: Das Bild der Bundeswehr war im Grunde nie besser als heute. In den Zeiten des kalten Krieges war die Armee – auch weil der 2. Weltkrieg noch so nah wirkte – etwas, dass für das schlechte Deutschland stand, das mit seinen Panzern halb Europa eroberte. Diese Bundeswehr habe ich noch kennen gelernt. Sie hat nichts mehr mit der Einsatz -Armee von heute zu tun. So wie sich Deutschland gewandelt hat, so hat sich auch meiner Meinung das Bild verwandelt, was die Menschen von der Bundeswehr haben: Viele sehen, dass dort nicht nur Wehrpflichtige sinnlos ihre Zeit verdaddeln, sondern das Berufs- und Zeitsoldaten auf der ganzen Welt unter Lebensgefahr im Einsatz sind. Wenn dann der Ruf nach besserer Ausrüstung laut wird, hat man dafür Verständnis. Schließlich kann man Soldaten nicht nach Afghanistan schicken und sie dann einem höheren Risiko aussetzen, als sowieso schon.

Soldaten sollten einfach mal erkennen, dass die Gesellschaft ihnen heute oft viel positiver gegenübersteht, als noch vor 10 oder 20 Jahren. Das nach mehr als einer Dekade Afghanistan und den überschaubaren Ergebnissen auch Fragen nach dem Sinn solcher Einsätze laut werden, dürfte verständlich sein. Schließlich stellen sich die Soldaten als erste die Frage nach dem Sinn. Warum also nicht die Gesellschaft? Zudem: Anerkennung findet ein Soldat auch dadurch, dass er einen sicheren Beruf hat, der vergleichsweise gut bezahlt wird, wenn man das Lohndumping in vielen Branchen sieht. Ein Soldat bekommt darüber hinaus auch erhebliche Unterstützung bei der Wiedereingliederung in das zivile Berufsleben.

Was erwarten Soldaten also? Das die Bevölkerung Blumen auf die Straße wirft, wenn ihre Panzer durch das Dorf fahren? Das die Presse unkritische Lobhudeleien verfasst? Das das Parlament jede Forderung nach neuen Schiffen, Panzern oder Flugzeugen einfach so durchwinkt? Woran macht die Bundeswehr fehlende Anerkennung fest? So weit man es sehen kann, stehen alle politischen Parteien – außer die Linke – hinter den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Es gibt einen überparteilichen Konsens, dass die meisten Mandate jeweils verlängert werden. Die Bundeswehr bekommt neue Schützenpanzer, einen Euro-Fighter, das neue Transportflugzeug A400 oder den Kampfhubschrauber Tiger. Alles Milliarden-Projekte. Stirbt leider ein Soldat im Kampfeinsatz, wird dieser entsprechend geehrt. Man hat nicht den Eindruck, dass die Bundeswehr keine Anerkennung bekommt. Im Gegenteil.

Andere Berufsgruppen würden sich freuen, wenn sie mehrfach finanziell abgesichert wären. Sie würden es wahrscheinlich nicht glauben, wenn ein eigener Minister ihr Tun über den grünen Klee lobt. Oder eine Bundeskanzlerin um die halbe Welt fliegt, um einfach mal vorbeizuschauen. Die Wahrheit ist doch auch die, dass die allermeisten Menschen für ihr Tun viel weniger Anerkennung erfahren, als Bundeswehr-Soldaten. Sie kriegen mickrige 5,67 Euro die Stunde, müssen unbezahlt am Wochenende arbeiten und keiner interessiert sich für sie. Man sollte mal Friseure danach fragen, wie hoch ihr Stellenwert in der Gesellschaft ist. Oder Erzieher. Oder Altenpfleger.

Vielleicht sollten Soldaten sich einfach mal mit anderen Berufsgruppen vergleichen (auch wenn die Möglichkeit des Todes unvergleichlich ist). Dann würden sie sehen, wie viel Anerkennung sie erhalten. Als ich den Lehrgang “Überleben und Durchschlagen” absolvierte, hing in Hörsaal ein Plant mit der Aufschrift: “Klagt nicht, kämpft.” Ein wenig davon ist wahr.

 

Share

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *