The day before the day AfDer.

Morgen ist Superwahlsonntag, ein Tag, der bestimmt alles wird, nur nicht super. Aber wenigstens ist es dann vorbei. Ein Anfang mit Schrecken. So würde ich das ganze bezeichnen. Denn dann ist endlich Schluss mit der wochenlangen Weltuntergangsstimmung im Netz und den Medien, nach jeder Umfrage, bei der die AfD immer stärker wurde. Die AfD wird jetzt mit einer Stimmung in die Parlamente geführt, die vom Zeitgeist dauernder Krisen befeuert wurde und wird. Sie ist nichts weiter, als ein Krisen-Gewinnler.

Denn die AfD ist ein Kind der Finanz- und Griechenlandkrise Ende der 00er Jahre. Und sie veränderte sich von der Euro-skeptischen Professoren-Partei zu einer rechts-populistischen Partei, die Rechtsextreme anzieht, mit der Flüchtlingskrise. Deren Anhänger wähnen unser Land am Abgrund, während es Deutschland wirtschaftlich so gut geht wie nie. Aber Emotionen haben niemals etwas mit Fakten zu tun. Meistens im Gegenteil.

Morgen wir die AfD wahrscheinlich einen großen Triumph feiern, aber im Grunde wird dies der Anfang vom Ende des Hypes sein. Mit etwas Glück (oder eher Pech) wird sie vielleicht noch von der Flüchtlingspolitik profitieren. Das wird auch vom weiteren Zustrom von Flüchtlingen abhängen. Machen andere Staaten die Grenzen dicht, profitiert davon eben auch die Mutter aller Willkommenskultur, Angela Merkel.

Die AfD wird sich aller Wahrscheinlichkeit im parlamentarischen Betrieb schnell entzaubern. Sie wird feststellen, dass kleine Verwaltungsvorschriften größere Hindernisse darstellen, als ein Grenzzaun mit Schießbefehl. Letztlich ist die Flüchtlingskrise für die AfD das, was für die Grünen vor 5 Jahren Fukushima war: ein unglaublicher Push für das jeweilige Kernthema. Und ehrlich gesagt: ich sehe keinen Politiker mit Format, wie der Grüne Kretschmann, der es in der AfD schafft, von dieser günstigen aktuellen Stimmungslage langfristig zu profitieren.

Eher wird es darauf hinauslaufen, dass sich die AfD-Fraktionen über kurz oder lang zerlegen. Dies geschah u.a. schon in Bremen oder Brandenburg, Fällt das gemeinsame Ziel weg, hier die Begrenzung des Zustroms von Flüchtlingen, werden die Zentrifugral-Kräfte bei neuen Parteien schnell sichtbar. Das konnte man in den letzten Jahren bei der Piraten-Partei erleben. Auch hier wurde relativ schnell sichtbar, wie unterschiedlich die Interessen innerhalb dieser Netz-Bewegung waren. Nicht anders wird dies bei der AfD sein.

Die AfD wird nicht gewählt, weil sie für etwas ist, sondern nur, weil sie gegen die Politik Merkels steht und die Ängste vieler Bürger für sich nutzt. Die meisten werden Protestwähler sein oder vorher eben gar nicht gewählt haben. Da heute die Wählerbindung sowieso immer stärker abnimmt, gelingt es zwar Parteien wie der AfD in bestimmten Situationen wie jetzt, viele Anhänger zu mobilisieren, aber eben nicht nachhaltig. Gelingt es in den nächsten 2 Jahren die Flüchtlingsfrage in den Griff zu bekommen, werden viele wieder CDU, SPD oder Linkspartei wählen. Oder eben eine neue Protest-Partei, die dann von der nächsten Krise profitiert.

Politik ist kein 100 Meter Lauf, sondern ein Marathon, heißt es. Und Politik ist etwas anderes, als Forderungen zu stellen, die man nicht durchsetzen kann. Das erleben die meisten Protest-Parteien spätestens, wenn sie im Parlament sitzen. Freuen wir uns also, wenn die AfD endlich in die Landtage einzieht. Sie wird sich dort selbst demaskieren, zeigen wie handlungsunfähig sie ist und sich in ihre parlamentarischen Einzelteile auflösen. Sie wird verdeutlichen, welche Dummköpfe und Laien plötzlich Politiker sind. Und sie wird erfahren, dass man auf dem Rücken von Nazis nachhaltig nicht erfolgreich sein kann. Der morgige Wahlsieg wird die größte Niederlage sein und der Anfang vom Ende des Schreckens der Populisten.

Darum: es gibt keinen Grund morgen frustriert zu sein. Im Gegenteil. In jedem Anfang liegt ein Zauber inne: dieser Zauber ist hier das Ende der Hype-AfD.

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2 thoughts on “The day before the day AfDer.”

  1. Deinen Optimismus in allen Ehren, allein ich kann ihn nicht teilen.
    Wir brauchen nur nach Österreich zu schauen. Da ist die Entwicklung ident. Am Anfang haben sich alle lustig gemacht und gemeint es wird nicht lang halten mit der FPÖ. Sind eh nur alles Wappler und Trotteln (Spinner). Wegen Protestpartei und so. Jetzt ist die FPÖ stärkste Partei in Ö.
    In Deutschland werden wir bald nur noch zwei starke Strömungen haben: CDU und AfD. Der Rest der Bürger wird blöd schaun, sich in Zweckoptimismus üben, wegducken und hoffen dass die Veränderungen im Land und der Hass nicht irgendwann sie selbst trifft.

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