Meine 15 Gigabyte Netz-Fameminismus. Eine Anleitung.

1. Sei Anti-Zeitgeist

Vegane Köttbullar bei IKEA? Fresst euren Dreck alleine! Equal Pay für Frauen? Sehr gerne, aber dann nicht nur Titten und Arsch einsetzen, sondern auch mal den Kopf (wenn ihr einen habt!). Gegenderte Sprache? Dieses Deutsch kommt mir spanisch vor (und Spanier sind sowieso faule Pleitegeier aus dem südlichen Armenhaus Europas). Zeig, dass du eine eigene Meinung zu den Themen der Zeit hast: Frauen gehören hinter den Herd, Rumänen sind alle Kriminelle und Fleisch ist das einzige echte Lebensmittel. Steckt euch euren Decaf Soja Latte in den Allerwertesten ihr bärtigen Oberlippenbart-Memmen aus dem Glockenbachviertel und Co.! Old school Filterkaffee rulez, OK? Draußen nur Kännchen ihr Männchen! Berühmteste Vertreter dieser Zunft: Harald Martenstein, Don Alphonso oder FJ Wagner.

2. Nutze Ironie und Satire (aber erkläre sie nicht)

Satire darf alles. Die Kirche beleidigen, Politiker bloßstellen und Frauen an den Po grapschen (ok, das wohl eher nicht). Das Wesen funktionierender Satire ist es, dass man sie erklärt. So wurde der Postillion im Netz groß: bei allen seinen Satiren schrieb er deutlich drüber: „Achtung, dies ist eine Satire.“ Darum fiel auch niemand darauf rein, als er beispielsweise die Pegida-Demo absagte, denn es war ja klar als Satire (zum Glück!) erkennbar. Genauso auch Jan Böhmermann: dadurch, dass er den Varoufakis-Finger per deutlichem Fingerzeig als Satire kennzeichnete, erzielte er diese immense Aufmerksamkeit. Lieber #OetingerVerlag Plakatgestalter: du musst noch viel lernen!

3. Leg dich mit den richtigen LeutInnen an.

Frauen quatschen sowieso gerne. Kein Wunder, dass die jetzt auch im Netz das Ruder übernehmen. Da wird ja auch nur gequasselt (und nichts angepackt, wie bei uns Männern*grapsch*). Also zeig’s den NetzfeminstInnen und ihren Vasallinnen: Euer beschissener Netz-Feminismus gehört auf den Kehrichthaufin der Geschichte! Geht putzen statt shitstormen (aber wenigstens putzen mal ordnetlich hinbekommen). Und falls ihr euch auf diesen Artikel einen fappt – ich war’s jedenfalls nicht, der hier mit sexuellen Anspielungen anfing. #fappygate. Also lasst euer jämmerliches Victim Blaming und trefft euch auf euren Internet-Konferenzen, bei denen alle die gleiche Meinung haben. Warum nennt ihr die ganzen Events nicht einfach „Nerdkoreanischer Volkskongress“ – mehr abweichende Meinungen wie in Pjöngjang lasst ihr ja auch nicht zu: nämlich keine! Eure Kim Jong UnIn (aka @lasersushi, Anne Wiezorek oder Juliane Leopold).

PS: Wann hattet ihr das letzte mal so was ähnliches wie Sex?! (Ich vor etwa 13 Jahren)

4. Sag deinen Re:publica-Auftritt ab (und geh da nicht hin!)

Seien wir doch mal ehrlich: die Re:publica ist eine absolute Mainstream-Veranstaltung geworden. Und es reden da die immer gleichen Leute über die immer gleichen Themen: Überwachung, Trollerei, Genderismus etc. pp. Der Vordenker des Netzes hat das erkannt und die Quatschbude.de der Nation dieses Jahr verlassen: Sascha Lobo. Damit ist die Veranstaltung mindestens 99,5% unlustiger geworden. Eigentlich müsste jetzt jeder Netz-Elitist auch darüber nachdenken, wie er an eine Krankschreibung für Anfang Mai kommt (Sehnenscheidenentzündung wegen zu viel Maus-Clicks). Denn echte Avantgarde bleibt ja eigentlich unter sich. Aber da war man ja schon so froh, dass man seinen jährlichen Auftritt bekam (weil man ja letztes Jahr auch so einen wunderbaren Vortrag über Überwachung oder Feminismus im Netz gehalten hatte), dass man seiner iTelkeit einfach nachgeben musste. Leute: echte Aufmerksamkeit bekommt man ab 2015, wenn man NICHT mehr zur Re:publica geht.

5. Mach ein journalistisches Crowdfunding

Der Beruf des Journalisten liegt am Boden (und damit sind nicht Paparazzi gemeint, die sich im Gebüsch verstecken). Früher waren sie die Meinungsmonopolisten dieses Landes, heute Content-Marketing-Maschinen. Alle berichten über das gleiche und haben die selbe Meinung – warum gibt es nicht ein neues „Neues Deutschland“? Da könnten wir viel Papier sparen (ach so, machen wir ja schon). Viele Medienmenschen sind schimmerlos, was die Zukunft angeht – #RIPDietl. Aber jetzt kommt zukunftsreporter.de, da wird alles anders. Bei zukunftsreporter.de werden Geschichten noch mit Liebe und Zeit recherchiert (5 Minuten Google). Da gibt es lange Lesestücke (die keiner mehr liest). Und Themen, die woanders nicht zu finden sind (etwa 5 Minuten lang – siehe Google-Recherche). Zukunftsreporter.de wird von unabhängigen Journalisten gemacht, wie Tilo Jung. Oder Menschen, die sich für Journalisten halten, wie Tilo Jung. Oder knallhart investigativen Meinungshabern, wie Tilo Jung. Zukunftsreporter.de – der (digitale) Newsroom ist nicht genug! Kann mal schnell einer ne Liste machen? 12 Dinge, die den digitalen Journalismus erfolgreich machen. Bei Nummer 5 fällt dir die Zeitung von gestern aus der Hand.

6. Sei verdammt Medienkritisch und informiere dich.

Leute lasst euch nicht verarschen? Seid ihr schlafende Schafe, die man zum Mainstream-Medien Schafott führt? Mäh. Mäh. Mäh. Seid ihr wirklich so dämlich oder schaut ihr nur so dumm, dümmer aus?! (Sorry, muss grad mal nach Luft Jebsen). Das war alles das CIA, ay! Putin ist im Grunde seines Herzens ein total lieber. Hitler war ja auch Vegetarier (#GoVegan), soooooo schlecht kann er ja nicht gewesen sein, oder? Sucht euch eigene Quellen, die nicht die Nachrichten zeigen, die alle zeigen. Mein Tipp: RTL2 News. Da war gestern ein toller Bericht über die Geburtstagsfeier von Justin Bieber und den Start von Fast&Furious 7. Sieht man das sonst wo? Nein. UND WAS IST DER GRUND?!“ DAS FRAGE ICH MAL NOCHCHALANT IN DIE RUNDE HIER. Mein YouTube Kanal jedenfalls ist neutral, wie die Schweiz (aber nur da wo die reichen Russen feiern).

7. Schreib ein Buch

Du kannst noch so Netz-Elite sein: Ohne Totholz-Veröffentlichung bist du ein Nichts! Wenn du das dann noch per Crowdfunding finanzierst und als freien eBook Download zur Verfügung stellst, bist du Gott! Wahrscheinlich schaffst du es mit deinem Meisterwerk „Überwachung ist echt fies“ oder „Was Gate? 100 Tipps, wie du die Empörer im Netz empörst“ locker unter die Top 100.000 bei Amazon (-> Feind!). Aber was soll’s? Der Wille zählt, nicht das Ergebnis, wir sind ja hier schließlich im Netz, da bekommen Star-Ups ohne Business-Model Millionen hinterhergeschmissen. Wer fragt nach Sinn? Du nicht, ich nicht und die Verlage sind ja sowieso froh, wenn jemand aus dem Netz irgendwas über das Netz veröffentlicht. Bestseller von Julia Schramm (Klick mich als gebundene Ausgabe für nur 4,99€) oder anderen Netz-Elitisten (Aufstieg und Fall der Piratenpartei) sprechen Bände (aber wir sprechen nicht von denen in der Spiegel-Bestseller-Liste). Frau Schramm macht es jedenfalls genau richtig: die verkauft jetzt noch ihr Scheitern auf fuckup Nights – Hauptsache Netz-Prom (statt Gazprom). Wie sagte schon Christoph Schlingensief: „Scheitern als Chance.“

8. Glaube an Verschwörung

15 Gigabyte Netz-Fameminisnus + 8 Punkte = 23. Nuff said.

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