McCann’t Erickson.

Ich arbeite seit 15 Jahren in der Kommunikationsbranche. Einen nicht unerheblichen Teil dieser Zeit verbrachte ich in Berlin beim McCann Erickson Communications House oder kurz M.E.C.H.. Besser gesagt, ich war bei der Dialogtochter MRM Worldwide zunächst als Texter und dann CD Text angestellt. Damals war der Digital/Dialog-Bereich eher ein Stiefkind, heute haben sich aufgrund der geänderten Mediennutzung die Dinge umgekehrt: McCann Frankfurt ist zum Beispiel Geschichte, dafür gibt es dort im Hasenpfad immer noch MRM Worldwide und die betreuen sogar Opel. Wahnsinn. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass McCann die Digitalisierung der gesamten Kommunikationskette verschlafen hat. Statt eine Gemeinschaftsagentur zu gründen, wie Tribal DDB oder BBDO/Proximity, wurschtelten MRM und McCann fröhlich nebeneinander her. Bis McCann als klassische Werbeagentur so modern wirkte, wie eine Doppelseite im Stern.

Meine Zeit bei McCann in Berlin war toll. Ich durfte auf großen Etats arbeiten, spannende Projekte umsetzen und mit inspirierenden Kollegen zusammenarbeiten. Außerdem gewann ich in dieser Zeit eine Menge Werbepreise, was zwar nicht direkt die Brieftasche fütterte, aber wenigstens das Ego. Aber schon damals zeigte sich hier wie unter einem Brennglas die Probleme, die später zur großen McCann Krise führten: Zwar war der Grundgedanke, alle Spezial-Agenturen unter einem Dach zu vereinen damals modern. Andererseits scheiterte der damals integrierte Kommunikation genannte Ansatz an zwei Dinger: intern achtet jeder Geschäftsführer nur darauf, dass möglichst viel von jedem Etat bei ihm und seiner Spezial-Disziplin verblieb. Und die Kunden haben den Ansatz damals selbst noch nicht verstanden. Heute ist es selbstverständlich, dass man Kampagnen On- wie Offline denkt, dass in jedem Ansatz Dialog-Möglichkeiten bis zu Social Media eingebaut werden. In jeder Zeit beherrschte das: 3 Anzeigen, 1 Film und 1 Radiospot Denken die Kreation und den Marketingleiter. Diese Zeit scheint fern, liegt aber noch gar nicht so lange zurück.

Ich möchte etwas festhalten: Mir tut das echt weh, wenn ich sehe, was in den letzten zwei bis drei Jahren aus der stolzen McCann Erickson geworden ist. Warum ich heute darüber schreibe, ist dieser unglaubliche Zynismus, mit dem die Agentur gerade geführt wird: ich mache dies – auch wenn ich ihn nicht persönlich kenne – an der Person Andreas Trautmann fest. Ganz klar: Auch in unserer Zeit wurden Mitarbeiter „im gegenseitigen Einvernehmen“ verabschiedet oder sie suchten sich die berühmten neuen Herausforderungen außerhalb des Networks. Kreativchefs kamen mit großen Vorschusslorbeeren und verschwanden ohne ein Wort des Abschieds wenige Monate später. Ab einer gewissen Position ist der Gesichtsverlust einer Entlassung eben noch schwerer zu ertragen. Warum eigentlich? Meistens bekommt man noch sehr viel Geld hinterhergeworfen.

Was aber in den letzten Monaten, in immer kürzeren Abständen an vollkommen unglaubwürdigen Pressemitteilungs-Sprech auf die Menschheit losgelassen wird, widerspricht in allem den alten Agentur-Motto: „Truth well told.“ Aktuelles Beispiel ist die Entlassung der Düsseldorfer Geschäftsführer. Ich habe mir nach der gestrigen Meldung einfach mal die PMs angesehen, als der jetzt entlassene Richard Dolphin Ende 2011 (!) Chef in der Rheinmetropole wurde. Zitat:  „Richard Dolphin war mein Wunschkandidat. Er bringt nicht nur ein breites Spektrum an Markenerfahrung und digitaler Kompetenz mit, sondern bewegt sich auch sehr sicher auf dem internationalen Großkunden-Parkett. Er ist ein lösungsorientierter Macher mit klarem Fokus auf das optimale Ergebnis“, erklärt Trautmann. Nur ein Jahr später liest sich da so: „Nach gemeinsamen Gesprächen sei man jedoch zu dem Schluss gekommen, die Agentur mit flacheren Management-Strukturen aufzustellen. Das Ziel: Ein “gesundes Wachstum von unten zu ermöglichen.” Natürlich machte Dolphin trotz allem: „einen „hervorragenden Job“ – trotzdem fragt man sich, wann mal eine Skala für die größte Heuchelei eingeführt wird.

Was McCann Ericson zur Zeit fehlt ist vor allem eines: Glaubwürdigkeit. Und die wird im Zeitalter des ständigen Dialogs mit den Menschen und Kunden immer wichtiger. Man kann nur hoffen, dass die Agentur die Kurve langsam bekommt. Sonst kann man sich jetzt schon darauf freuen, dass eine Pressemitteilung zu Andreas Trautmann herausgegeben wird, in der man sich „im gegenseitigen Einvernehmen“ trennt, er „Aufgaben auf internationaler Ebene“ übernimmt (auch sehr beliebt) oder der dann E-CEO einfach das macht, was alle machen: „sich neue Herausforderungen suchen.“

 

 

 

 

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One thought on “McCann’t Erickson.”

  1. Dear Siegstyle,

    Thank you for your article.

    I\’m Gaia and I\’ve been and art director at McCann Dusseldorf since September 2015.

    In May 2016, the firm made clear they do not need my services anymore.
    Nonetheless, they do not want to fire me under any circumstances (it\’s not in their policy to fire employees) and they will not pay any severance payment (they usually turn the severance payment into holidays).

    They either want me to find another job or that I request to be fired and I leave without compensation and with the risk of losing the right for Arbeitslosengeld. When I asked about going to court to be safe with the Arbeitsamt, they said they are not happy about this option.

    I am not happy there, I am not doing the job they told me I would do when they hired me. It\’s okay when they let me go but I do not want to pay for their mistake.

    I tried for months to understand what has been going on, especially why they are adverse on firing employees. Only thanks to your words the situation became partially clear.

    I have few questions I\’d like to address you, in order to understand what should I do.
    Please feel free to contact me anytime at +49 151 51 51 96 83 or via email at gaia.armellin@gmail.com

    I\’m pretty sure lots of other colleagues who left during these months went through the same procedure – maybe if we speak up as you already did, other people will have a different future at the firm.

    Looking forward to hearing from you, I will stay at disposition.

    Thank you once more for your time and consideration,
    Kind regards,
    Gaia Armellin

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