Julian Reichelt ist: der Promi-Undercover Boss.

Beim Undercover Boss werden Chefs meist mittelständischer Unternehmen durch Maskenbildner so verändert, dass ihre eigenen Mitarbeiter sie nicht wiedererkennen. So gelingt es ihnen sich als Praktikant auszugeben, um ungeschminkte Eindrücken aus einzelnen Abteilungen zu bekommen. In der Sonderausgabe „Promi-Undercover Boss“ wird BILD-Chef Julian Reichelt so umgestylt, dass er wie ein Frau aussieht. „Ich nehme den Namen Tanit Koch an und gebe mich als Praktikantin aus – das glauben die in der Redaktion sofort“, so der mächtige Springer-Journalist. Wir begleiten Julian Reichelt eine Woche lang als Tanit Koch in verschiedenen Abteilungen der BILD Zeitung.

Tag 1: Post von Wagner

„Heute soll ich hier in Charlottenburg in einer Privat-Wohnung bei dem bekannten Kolumnisten FJ Wagner hospitieren“, freut sich Julian Reichelt alias Tanit Koch auf die Aufgabe. Als er um 12 Uhr klingelt macht jedoch niemand auf. Auch um 13 Uhr hat er kein Glück. Als er schließlich gegen 14:15 Uhr an der Wohnungstür klopft, macht ein zerzauster älterer Herr mit Mega-Kater auf. Julian Reichelt bringt seinen gut einstudierten Eingangs-Gag: „Post für Wagner, höhöhöhö.“  Wer sind sie denn?“, fragt Wagner genervt. „Julian Koch äh Tanit.“

Bange Frage: Ist der Promi-Undercover Boss jetzt schon aufgeflogen???

„Ach, wense schon da sind, können sie mir schnell ne Flasche Dujardin aus dem Reichelt bringen, ist nix mehr da und ich muss heute noch 20 Zeilen schreiben.“ Später darf er FJ Wagner noch Kaffee kochen (mit Schuss) und bei der Formulierung einer Post von Wagner helfen (mit Schuss). Am Ende des Tages muss er noch mal genau nachfragen: „Herr Wagner, hier in Charlottengrad, ist ihnen das schon mal ein Juri oder so über den Weg gelaufen?“ „Juri nicht, aber Juristen – aber da kennen die sich bei Springer besser aus.“

Tag 2: Hauptstadtredaktion.

Um es mal durch die Blome zu sagen: Nikolaus Blome ist ein Politik-Redakteur durch und durch. „Ich schreibe unheimlich gerne Kommentare zur Lage der Nation“, so die Ekelfeder des Verlags. „Und ich bin Tanit Koch und soll heute hier als Praktikantin arbeiten.“ „Tanit Koch, woher kenne ich den Namen? Stimmt, war das nicht die Tippse, die so miesen Kaffe gekocht hat?“ Ich ruf gleich mal Kai an und frage nach.“ Julian Reichelt ist gespannt, was sein Top-Mann und Stellvertreter so macht. „Heute schreibe ich mal – hm – ich glaube einen Kommentar zur Lage der Nation.“ „Wie ist denn die Lage der Nation?“, fragt Julian Reichelt interessiert. „Steißlage – egal wo du hinschaust: alles am Arsch.“ Während er das sagt, wirft er lässig einen Dartpfeil auf das Gesicht von Angela Merkel. Aus dem Off schreit eine Stimme: „ONEHUNDREDAAAAAAAAAAAAAANNNDEIGHTY.“

Politik ist für Blome ganz einfach: Merkel hat fertig, Jens Spahn ist der nächste Kanzler. „Wir haben damals Guttenberg ja auch fast zum Kanzler geschrieben, das bringt nur die BILD.“ „Danke für die tiefgreifende Analyse, Herr Blome.“ „Tanit für.“

„So Frau Koch und jetzt holen sie mir mal eine richtig schöne Tasse Kaffee und rasieren sie sich mal die Beine.“ Die #metoo Bewegung ist im Springer eigenen Fitness-Studio hängen gebieben.

Tag 3: BILD Girl

Seitdem es kein Seite 1 Girl mehr gibt, werden halbnackte Frauen einfach auf allen anderen Seiten und auf bild.de gezeigt. „Das nennen wir modernen Feminismus.“ Kritiker sehen da nicht schwarz, sondern Schwarzer. Die Redakteure sind überrascht mal eine Frau in Klamotten anzutreffen. Julian Reichelt alias Tanit Koch fällt im BILD Frauenkosmos komplett aus dem Rahmen. Um nicht aufzufallen, hatte er sich nach dem Hinweis von Nikolaus Blome die Haare an den Beinen rasiert. „Die sind jetzt aalglatt, wie ein BILD Redakteur“, witzelt der Sonnengott des BILD Imperiums. Aber keiner lacht.

Gemeinsam suchen sie heute die besten Bilder der kommenden BILD Girls raus. Angi (25) verrät: Intimfrisuren sind mir zu Intim.“ Und BILD Girl Anna (21) stellt klar: „Mein Busen war teurer, als ein Jahresgehalt einer BILD Praktikantin.“ Ist hier etwa Julian Reichelt einem Missstand auf der Spur? Der Promi-Undercover Boss kommt ins Grübeln. “Vielleicht sollten wir dem BILD Girl wirklich mehr zahlen, die geben ja schließlich ihr letztes Hemd.“

Tag 4: Im Newsroom

An diesem Tag ist Julian Reichelt sehr aufgeregt. Im Newsroom kennen ihn schließlich viele, fast täglich faltet er hier irgendjemand zusammen. Origami ist eben sein Hobby. Aber als Praktikantin Tanit Koch beachtet ihn keiner. Puh, Glück gehabt. An dem Tag sind alle mega-aufgeregt. Es geht um dubiose E-Mails, die von einem Mail-Server der SPD an Kevin Kühnert geschickt worden sind. Wieder taucht hier der Name „Juri“ auf, der schon bei FJ Wagner in Charlottengrad eine Rolle spielte. „Das ist eine titanische Sache, meint der Stellvertreter von Julian Reichelt. Als dieser als Tanit Koch darauf hinweist, dass die Mails komplett gefälscht sind und es deshalb niemals eine Titelgeschichte sein darf, beachtet ihn keiner. Er ist heute eben nur die vollkommen unwichtige Praktikantin Tanit Koch. Irgendwann meint einer der Männer nur zu ihm, dass er sich dringend (!) mal wieder die Beine rasieren sollte. Er lässt seine weichen Journalistenhände über seine Lende streicheln: Stoppeln. Er muss unwillkürlich wieder an die zusammengestoppelte SPD-Schmutzkampagnen-Geschichte denken.

Tag 5: Mit Paul Ronzheimer auf den Hund gekommen.

Paul „da Ronz“ Ronzheimer ist einer für die ganz harten Fälle. Er geht dahin, wo es wehtut – nein, nicht in die BILD Redaktion – sondern in die Schützengräben des IS, Flüchtlingsboote und die Weihnachtsfeier des Axel Springer Verlags. Heute hat er wieder einen Sonder-Auftrag. Er soll Hund Lima (SPD) interviewen. Also der Vierbeiner, der in die 16% Partei eingeschleust wurde und jetzt dafür sorgt, dass neben Hans-Jochen Vogel ein weiteres Tier über die zukünftige Regierung unseres Landes abstimmen darf. Julian Reichelt ist sehr gespannt wie, Paule Ronzheimer bohrende Fragen stellen wird:

Ronzheimer: „Lieber Lima, wie haben sie abgestimmt.“

Lima: „Wuff.“

Ronzheimer: „MORGEN KOMMT AUF DEN TITEL: „SPD-HUND WÄHLT ALT-BUNDESPRÄSIDENT WULFF ZUM KANZLER.“

Julian Reichelt alias Tanit Koch ist beeindruckt. Er hätte nicht gedacht, dass man seine journalistischen Standards noch unterbieten kann. „Dafür bekommt Paul Ronzheimer als Geschenk eine Reise in ein nordkoreanisches Arbeitslager.“ Der Promi-Undercover Boss hatte sich für ihn spätestens jetzt wirklich gelohnt.

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5 Ministerien, die wir jetzt wirklich brauchen.

Shitstorm-Ministerium.

Aufgaben: Das Bundesshitstormministerium sorgt durch stete Empörung im Netz darüber, dass wirklich wichtige Themen in den Hintergrund geraten: Klimawandel? Digitalisierung? Einwanderungsgesetz? Komplett egal, wenn man sich darüber aufregen kann, dass es in Supermärkten keine Plastiktüten mehr gibt oder der Weihnachtsmarkt seit Jahren nur noch als Wintermarkt bezeichnet wird. Als erstes kippt das Shitstorm-Ministerium das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. „Als Shitstorm-Ministerium ist es wichtig für uns, dass Trolle, Nazis und andere Menschenhasser frei ihre Meinung äußern dürfen.“ Das wird man doch noch mal posten dürfen!

Minister: Julian Reichelt. Obertroll Julian Reichelt (gibt natürlich den Chefposten bei der BILD nicht ab) wird Bundesshitstormminister. Kein anderer bringt dafür die passende Kompetenz mit. „Ich kann mich besser empören, als das ganze Siff-Twitter zusammen“, so der Springer-Journalist. Zur Staatssekretärin ernennt er das BILD-Girl Februar 2018. „Sie hat alles, was man für einen guten Shitstorm braucht: 2 Glocken mit denen man richtig Laut geben kann im Netz!“, so Julian Reichelt, der gerade mit dem „Dieter-Wedel-Preis für Frauengleichberechtigung“ ausgezeichnet wurde. Die Laudatio hielt Tanit Koch.

Fax-Ministerium.

Aufgaben: Das Bundesfaxministerium kümmert sich um den Breitbandausbau auf dem Land. Im Koalitionsvertrag steht: „Wir wollen, dass das Land bis zum Jahr 2075 mit schnellen Faxgeräten ausgestattet wird.“ Nur so kann die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Gasturbinenhersteller in Görlitz sichergestellt werden. Mit der Initiative Fax4.0 soll die Umwälzung der Arbeit durch die fortschreitende Faxisierung begleitet und geprägt werden. Zwar ist nix fix, aber eine Kommission soll prüfen, ob das Faxgerät eine Zukunft hat.

Minister: Alexander Dobrindt. Nachdem er schon als Verkehrsminister einen Erfolg nach dem anderen verbuchen konnte, war Alexander Dobrindt die logische Wahl als Bundesfaxminister. „Auf mich wartet ein Maut Everest an zu versendenden Faxen“, feixt der Minister und macht Faxen. „Gleichzeitig räume ich mit „Alternativen Faxen“ auf – die eMail muss verboten werden!“ Schon am ersten Arbeitstag ist Dobrindt Fix und Faxy.

Dschungelcamp-Ministerium

Aufgaben: Das Bundesdschungelcampministerium ist verantwortlich für die Kandidaten-Auswahl der Trash-Show. Gerade die SPD setzte sich dafür ein. Martin Schulz: „So können wir auf soziale Art und Weise Arbeitslose und Absteiger wie mich in Lohn und Brot (oder Maden) bringen.“ Nach 16 knallharten Tagen Verhandlungen ohne Pause gelang es der SPD folgenden Kompromiss auszuarbeiten: Es dürfen nur Kandidaten ausgewählt werden die an Vollmondtagen weniger als 9,19€ die Stunde verdienen, vorausgesetzt sie sind an einem ungeraden Tag geboren und das auch nicht in einem Nichtschaltjahr. Alles klar?

Minister: Martin Schulz. „Ich weiß, was es bedeutet, wenn man von ganz oben nach ganz unten durchgereicht wird“, so die ehemalige Lichtgestalt etwas ermattet. „Da greift man nach jedem Strohhalm, selbst wenn er von RTL ist.“ Erste Vorschläge fürs Camp 2019 sind: Sigmar Gabriel (als verwirrter alter Mann), Kevin Kühnert (als quengeliger Dschungel-Beau) und Manuela Schwesig (5. Platz BILD Girl des Jahres Wahl 2003).

AfD-Kopie Ministerium

Aufgaben: Das Bundesafdkopieministerium sorgt dafür, dass man die Ängste der besorgten Bürger endlich ernst nimmt. Schießbefehl bei Schützenfesten, Gartenzwerge an den Außengrenzen oder einen deutschen Döner – im Afdkopieministerium ist alles möglich. Ursula von der Leyen wird zu Beatrix von Storch ungestylt (einfach nur die Halskette wechseln) und Karl Lauterbach lässt seine Fliege eine Fliege machen und bindet sich eine Hunde-Krawatte im Stile Alexander Gaulands um. Über Blackfacing darf man wieder lachen, bei dummen Zoten sollen sich die Weiber mal nicht so anstellen und „My Home is my Poggencastle“ Aufkleber runden die AfD-Kopie insgesamt ab.

Minister: Horst Seehofer. Niemand eignet sich besser, als die AfD-Kopie himself: Crazy Horst Seehofer. Während er die AfD kopiert geht er immer leicht in die Höcke: „Dann bin ich in etwa so groß, wie Alice Weidel.“ Sieht er selbst eine Obergrenze bei seiner Imitation? „Nein, denn die Wut-Bürger und ich sind Ängste Freunde.“

Klimawandel-Ministerium

Aufgaben: Das Bundesklimawandelministerium kümmert sich darum, dass der Klimawandel auch in Zukunft mit Nachdruck verfolgt wird. Schließlich schafft die Kohle-Industrie Arbeitsplätze in strukturschwachen Räumen. Als Brückentechnologie brauchen wir sie noch bis circa 2150, denn dann sind erst Wind- oder Sonnenkraftwerke in der Lage genügend Strom zu liefern. Wenn bis dahin nicht halb Deutschland unter Wasser steht. Man sollte nicht zu früh mit dem CO2 Ausstoß aufhören, darum fördert das Klimawandelministerium auch den Diesel mit 20 Milliarden Euro jährlich. Niedersachsens Ministerpräsident Weil (VW) und sein bayrischer Bald-Antskollege Söder (BMW) begrüßen dies.

Minister: der Trigema Affe. Affen kennen sich dank VW sehr gut mit klimaschädlichen Abgasen aus. Der Trigema Affe ist daher ein Experte, der sich dem weiteren Ausbau von Kohlekraftwerken und Diesel-PKW vollständig verschrieben hat. Zudem ist er sogar intelligenter als Alexander Dobrindt, der aber im Bundesfaxministerium eine neue Herausforderung gefunden hat.

 

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