Jamaika-Abbruch: Das Geheim-Protokoll.

Wir dokumentieren hier die letzten Minuten vor dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen. Das Ergebnis war zum Greifen nah und am Ende doch so fern. Es reichte am Ende nur für Tropical Islands, aber nicht für Jamaika.

Wir hatten exklusiv Einblick in das Gesprächsprotokoll:

Lindner (genervt): „Zuwanderung, Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, Europa…wann geht es endlich um die wichtigen Themen?“

Merkel (verblüfft): „Welche denn?“

Lindner (energisch): „MICH!“

Kubicki (staatsmännisch): „Wir kommen jetzt zu unserer Forderung der Abschaffung der Farbfotografie. Und Einführung von schwarz-weiß Motiven. Zudem darf nur noch Christian Lindner in Feinripp Unterwäsche fotografiert werden.“

Özdemir (knallhart): „Also da sehe ich schwarz.“

Lindner (superknallhart): „Apropos Schwarzseher: Über die GEZ Abschaffung des staatlichen Zwangsrundfunks reden wir später noch!“

Kubicki (herrenwitzisch): „Ich seh übrigens Roth. Höhö.“

Roth (überrascht): „Wo? Die SPD verhandelt doch gar nicht mit.“

Kubicki: „RÜLPS“

Alle: „SCHULZ!“

Merkel (fröhlich): „Schön Herr Kubicki, dass sie auch mal etwas gehaltvolles zur Diskussion beigetragen haben.“

Seehofer (hoffnungsvoll): „Können wir nicht ein wenig schneller machen, um 20:15 Uhr kommt der Tatort. Bis dahin haben wir doch die par 235.000 offenen Streitpunkte fix weggearbeitet. Wir sind doch ganz nah beieinander.“

Dobrindt (etwas kleinlaut): „Und ich möchte noch ins Kino: Die Maut die sich nicht traut.“

Alle: „SCHNAUZE!“

Göring-Eckardt (hungrig): „Ah, da kommt unsere japanische Nudelsuppe – ich liebe atmenden Ramen! Danke lieber unterbezahlter Foodora-Fahrer.“

Lindner (erfreut): „Aber per App bestellt. Leider gibt es Menschenwürde noch nicht als App, dann wäre es für uns Liberale sogar ein interessantes Konzept.“

Özdemir (noch erfreuter): „Wenn es hier im Jamaika-Zirkus nicht klappt, gehen wir Grünen zu Roncalli: die suchen so Verbiegungs-Künstler wie uns bestimmt.“

Merkel (traurig): „Sorry Leute, hier hat sich noch niemand mit Rum bekleckert. Was ist nun?“

Lindner schaut auf sein Smartphone. Seine Werbeagentur fragt, wann endlich der Slogan geschaltet werden soll.

Lindner (hektisch): „Ich hab die Nase voll – nein, kein Koks (sonst würde ich ja weiterverhandeln) – mir reicht es. Ich werde lieber nächster Bachelor und verteile Rosen als dornige Chancen an junge Damen mit hohem Selbst-Inszenierungs-Potential ­– die passen wenigsten zu mir.“

Alle: „ABER WIR SIND DOCH FAST DURCH – NUR NOCH 200.000 STREITPUNKTE.“

Seehofer (nachdrücklich): „Aber da ist dann eine Obergrenze.“

Dobrindt (verwegen): „Und ich will noch auf Arte Harold & Maut schauen.“

Alle: „SCHNAUZE!“

Lindner (total spontan): „So ich breche das jetzt hier nach dem Regieplan meiner Werbeagentur spontan ab. (Schaut in sein Smartphone) Ich soll jetzt sagen: „Lieber aufhören, als wenn es am schönsten ist.“ Ach nee: „Live is Beta without Grüne.“ Nee, wartet mal: „Lieber nicht spontan sein, als falsch.“ Oder so was ähnliches.“

Kubicki (vorfreudig): „Und ich geh jetzt 1,5 Jahre duschen.“

Grüne: „Und wir machen auch die Biege.“

Seehofer (bayrisch): „Wie seit 5 Wochen!“

Hier bricht das Protokoll abrupt ab. Auf Instagram werden Sharepics hochgeladen. Man sieht ein Schaf, welches mit einem Rasiergerät bearbeitet wird. Unter Internet-Experten nennt man das Scher-Pic.

Der Rest ist Legende.

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Politik als Pose.

Politik ist immer auch Inszenierung. Der Kniefall von Willy Brandt in Warschau oder das Händchenhalten von Kohl mit Mitterand in Verdun – auch diese ikonischen Bilder der politischen Geschichte unseres Landes waren eher geplant als spontan. Heute leben wir in einer Inszenierungs-Gesellschaft: Instagram, Facebook und Co. sind Egomarketing-Maschinen, die jeder nutzt, um sich im möglichst besten Licht zu präsentieren. So weit, so normal. Oder eben auch nicht. Oder leider. Oder eben auch nicht. Vielleicht ist es einfach so.

Ein heutiger Großmeister der Inszenierung ist der FDP-Chef Christian Lindner. Aktuell zeigt sich dies im operettenhaften Abgang aus den Jamaika Sondierungsgesprächen. Im Stile einer eher mittelmäßigen Daily Soap wurde da unter dem Slogan „Lieber nicht regieren als schlecht“, der Wählerwillen schlichtweg ignoriert. Und wenn man ehrlich ist: außer diesem einem – durchaus prägnanten – Satz, kann eigentlich selbst bei den Verhandlern der FDP niemand so genau sagen, weshalb und warum die Gespräche abgebrochen wurden. Es bleibt alles seltsam nebulös und macht andererseits klar, woran es den Liberalen mangelt: einer klar erkennbaren Programmatik oder Inhalten neben der lauten Inszenierung von Modernität am Beispiel des Mode-Themas Digitalisierung.

Wenn man sich die Bundestagswahl-Kampagne der FDP anschaut, dann bleibt eigentlich in der Rückschau kaum was hängen, außer der Selbstbespiegelung des Christian Lindner, schwarz-weiß Fotos und einer schwarz-weiß Malerei der Zustände unseres Landes. Und natürlich: Smartphone, Start-Ups und Super-Digital alles. Always in Beta. Betarepublik Deutschland. Der Preis für den „Deutschen Bullshitbingo-Award 2017“ geht an die Freien Demokraten Die gesamte Kampagne ist flott getextet aber total inhaltsleer. Sie ist nur Behauptung. So sagte Lindner, dass Nichtstun Machtmissbrauch ist, um genau das jetzt zu machen: lieber nichts. Und dass gerade ein Aktenkoffer-Träger aus der Oberstufe auf sein Plakat schreiben lässt, dass nicht Aktenkoffer, sondern Schulranzen die Welt verändern, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Es geht eben nicht um den Inhalt, sondern nur um die richtige Pose. Es ist im Grunde scheißegal, was auf den Plakaten oder Sharepics steht, Hauptsache es hört sich gut an.

Das jetzt die Jamaika-Verhandlungen an der Zuwanderung gescheitert sein sollen (wegen der FDP, nicht der CSU) sorgt für Verwunderung: hatte man auf den Plakaten der Liberalen viele schlaue Sprüche zu vielen Dingen gelesen, Flüchtlinge gehörten nicht dazu. Ich kann mich jedenfalls an keinen Spruch erinnern. Dafür hätte es Breitband-Ausbau, mehr Polizisten und mehr Investitionen in Bildung geben können. Alles irgendwie zentrale Kern-Botschaften der Kampagne. Und Wirtschaftspolitik hätte auch wieder verfügbar sein können in unserem Land mit einem FDP Wirtschaftsminister. Das bestimmt nicht alle Forderungen der Liberalen komplett umgesetzt werden würden, ist doch völlig normal. Politik ist Kompromiss. Nur Populisten stellen ständig Maximal-Forderungen auf.

Politik ist aber kein Produkt wie ein Joghurt oder ein Turnschuh. Politik hat mehr verdient, als nur einen Slogan. Oder wenn, dann muss dieser Slogan Substanz haben und nicht nur Behauptung sein. Die SPD sagte 1998 „Wir sind bereit.“ und das war sie auch im Gegensatz zu den heutigen Sozialdemokraten (und Freidemokraten). „Lieber nicht regieren“ sagt genau das Gegenteil. Und ist im Grunde auch eine Umkehrung eines weiteren Slogans aus der Bundestagswahl-Kampagne: da hieß es noch „Bedenken second“ und man kommunizierte dadurch, wie mutig man ist. Umgemünzt auf die jetzige Situation müsste es heißen „Regieren first, Bedenken second“. Vielleicht mit kann man das der FDP mit Online-Abstimmungen oder Skype-Konferenzen schmackhaft machen? Denn wenn irgendwas digital ist, müsste die FDP dich dabei sein. Also müsste.

Letztlich kann man konstatieren: der jetzigen FDP ist die Pose wichtiger, als Politik. Funktioniert für den Moment. Aber – auch eine alte Weisheit – Politik ist kein 100 Meter Lauf, sondern ein Marathon. Aber wer in unserer schnelllebigen digitalen Welt hat noch Zeit für einen Marathon? Niemand. Und die FDP schon gar nicht. Huch, ich muss noch ein großartiges Foto auf Instagram hochladen, das geht einfacher als blöde Ausschuss-Sitzungen.

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