General Franco A. Kaserne (Madrid).

Mit einem Offizier Namens Franco haben schon ganz andere Länder hervorragende Erfahrungen in Sachen Demokratie gemacht. Das mag dem einen oder anderem spanisch vorkommen, aber ist so. Oberleutnant Franco A. schließlich, hat die Bundeswehr um einen Nazi-Skandal bereichert. Da erzittert sogar die unerzitterbare Betonfrisur der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (7 Kinder, Mutterkreuz in Gold).

Schlappe 61 Jahre nach der Gründung der Bundeswehr, wird deswegen aufgeräumt: das Wehrmachtserbe soll aus den Kasernen verschwinden (aus den Vitrinen, nicht den Köpfen) und Kasernen endlich umbenannt werden. Bis heute werden militärische Einrichtungen nach Nazi-Offizieren benannt. Darüber wurde bis jetzt nicht so viel Rommel gemacht, aber nun ist das Schlamassel da.

Wir haben hier einige Vorschläge für neue Kasernen-Namen gesammelt. Streng rechtsstaatlich und ohne Nazi-Vergangenheit.

Käpt’n Iglo Marine-Stützpunkt

Dieser Name setzt Fisch- und Maßstäbchen: Bei Käpt’n Iglo ist wirklich nur die Industrie-Panade braun – und die sogar nur hellbraun (aber bitte nicht zulange anbraten). Er ist als weltoffener Kosmopolit auf allen Weltmeeren zuhause und jedwede Fremdenfeindlichkeit liegt ihm mehr als fern. Er ist weder Barsch zu Untergebenen noch Lachs, was die innere Führung der Truppe angeht. Also ein idealer Kandidat. Gleichzeitig würde Iglo jeden Freitag das Essen der Kantine sponsern. Eine eindeutige Win-Win-Situation. Und falls die Rekruten die Sanitären Anlagen mal wieder nicht richtig saubergemacht hätten, würde der Spieß rufen: „IIIHH KLO!“ Kommt Aale zum Käpt’n Iglo Marinehafen!

General Bergfrühling Kaserne

Raus mit dem Muff aus 1000 Jahren (Reich) unter den (Krim-)Tartaren: die Gebirgsjäger Truppe freut sich über den frischen neuen Namen „General Bergfrühling Kaserne“. Die größte Säuberung in der Bundeswehr, seit der Ent-Nazifizierung. Da wird geschrubbt und der Namenszug gewienert. Und es riecht nicht mehr nach einem Nazi-Skandal, sondern nur noch nach General Bergfühling. Ursula von der Leyen unterstützt die Kaserne durch die Anschaffung neuer Wisch-Mobs, die leider durch Planungsfehler etwa 1,933 Milliarden Euro teurer werden. „Mit der General Bergfrühling wischen wir den Nazis in der Truppe – die es ja nicht gibt – richtig einen aus“, so die Verteidigungsministerin zum Verkaufssender Homeshopping Television.

Hauptfeldwebel Dirk Niebel Kaserne

DIe Bundeswehr war stets eine Armee, die auf dem Teppich bleibt: daher passt Ex-Soldat Dirk Niebel hervorragend als Namensgeber für die Logistik-Kaserne eines Transport-Bataillons. „So viele Ex-Nazis waren nach dem Krieg ja nicht in der FDP, mal abgesehen vom Naumann Kreis“, meint der ehemalige Fallschirmjäger Niebel zackig. Statt Panzerlied, sollte seiner Meinung nach mehr Wagners Niebelungen-Saga in der Truppe geschmettert werden. „Ohne voreingenommen zu sein: Dirk Niebel ist ein hervorragender Name für eine Kaserne.“ (Zitat: Dirk Niebel). Als nächstes will von der Leyen mit einem Niebel-Werfer ausrüsten. „Das Gerät kostet etwa 34 Milliarden Euro (pro Stück), es ist ein fliegender Teppich, von dem Niebelkerzen abgeworfen werden können.“ Tarnen und täuschen ist hier die Devise.

Captain Jack Barracks

Hey, yo Captain Jack! Vergesst Henning von Tresckow, hier kommt der Schleifer vom Eurodance. Die absolute Nummer 1 unter den nicht Nazi verdächtigen Offizieren. Im Gegenteil. Er ist schwarz und nicht braun, wie so mancher Namenspatron heutiger Bundeswehr-Einrichtungen. Selbst gute Musik Totalverweigerer DJ Bobo ist begeistert: „Captain Jack steht in der Tradition der Helenefischerisierung deutscher Unteroffiziersmessen, sein moderner Sound bricht mit Liedgut, dass nationalsozialistisch geprägt ist.“ Denn nicht nur bei Kasernen-Namen, auch Bundeswehr-Lieder bedürfen einer Generalüberholung – und wenn’s von einem Captain ist. Bring me back tot he railroad track.

Major Tom Fliegerhorst

Völlig losgelöst von der Demokratie gab es Kasernen, die jahrzehntelang nach dem überzeugten Nazi und Flieger-Oberst Rudel benannt wurden. Doch damit ist jetzt Schluss: dank einer neuen deutschen Welle der Umbenennungen von Bundeswehr-Kasernen. Der Major Tom Fliegerhorst greift Namenstechnisch nach den Sternen (nicht denen auf der Schulter), er setzt sich extrem hohe Ziele, um den hohen Demokratie-Ansprüchen der Verteidigungsministerin gerecht zu werden. „Demokratie ist ein sehr hohes Gut, so hoch, dass man sie nicht mal mit ausgetrecktem rechten Arm erreichen kann“, so die Ministerin. Da wird selbst der Militärische Abschirmdienst Mad!

 

 

 

 

 

 

 

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Die Pforten des Internets

Morgen beginnt die re:publica, Europas bedeutendste Blogger-Konferenz. Hier treffen sich die Meinungsführer des Netzes zum dreitägigen Meinungsaustausch. Aber wer trifft sich da eigentlich? Eine typologische Einordnung.

Der digitalsozialkritische Blogger

„Ich bin total gut auf die re:publica 17 vorbereitet: Ich habe alle wichtigen Blog-Artikel von 2010 an so umgeschrieben, dass ich nun als völlig visionär dastehe. Schon 2010 warnte ich vor einem Zweiklassen-Netz, die drohende Drosselung der Telekom erkannte ich schon damals am Modem-Horizont und Acta hatte ich auch noch nicht ad acta gelegt. Kurzum: bei allen anderen digitalsozialkritischen Bloggern auf der re:publica, die das auch gemacht haben, bin ich auf Augenhöhe. Natürlich habe ich wie jedes Jahr alte gepimpte Blog-Artikel noch mal auf Facebook (böse) und Twitter (janusköpfig) gepostet: ‚Was ich schon 2010 zur Netzneutralität VOR der #rp17 schrieb…’ – schließlich muss ich ja als digitalsozialkritischer Blogger mein netzpolitisches Profil VOR der Blogger-Messe schärfen. Bloggen ist ein knallharter Wettbewerb um die Deutungshoheit unter Deutungshoheiten, die niemand als Deutungshoheiten anerkennt. Und der geht auf so einer Veranstaltung natürlich munter weiter. Ach so: Ich hatte selbstverständlich schon 2008 einen Vorschlag für ein Internet-Logo, lieber Sascha Lobo: ( @ ) – hatte ich natürlich nicht, aber man muss sich ja positionieren: digitalsozialkritisch (den Begriff hab ich gecloudt).”

Der Elite-Blogger

„Ein Pflichttermin. Irgendwie eine 1.0 Veranstaltung. Aber Begriffe wie 1.0 oder 2.0 nutze ich natürlich nicht, das wäre ja 1.0 (habe ich jetzt nicht gesagt). Wichtigste Aufgabe: Wie positioniere ich mich gegenüber dem Elite-Eliteblogger Lobo. Positiv kritisch, negativ kritisch oder ‘HALT MAL DIE SCHNAUZE, SCHNÄUZER’. Mal sehen. Ich vergleiche die re:publica mit einem alten Witz: ‚Was ist schwerer: 1 Tonne Gold oder 1 Tonne Federn?’ NA? Wissen Sie’s? Beides natürlich gleich schwer. Nur die Telekom z.B. ist die 1 Tonne Gold, die hat alleine immenses Gewicht als Unternehmen. Und wir, die Netzgemeinde, wir sind 1 Tonne Federn. Zusammen hätten wir das gleiche Gewicht, aber weil wir Federn ja bei jedem kleinen Windzug in alle Himmelsrichtungen verstreut werden, sind wir viele, viele kleine Federchen. Isoliert und klein und ohne Bedeutung respektive Gewicht. Einmal im Jahr kommen wir hier in Berlin zusammen, dann wiegen wir wenigsten 243 Kilogramm. Apropos: Ich müsste auch mal wieder abnehmen. Als Elite-Blogger stehe ich natürlich hier im Rampenlicht: ich bin ein Meinungs-König im Netz. Leider stellt sich jedes Jahr heraus, dass das Internet eine globale Sache ist. Doch wir sind nicht wie James Cameron König dieser Welt, sondern höchstens Freiherrn in einem immer weniger freien Netz. Einmal im Jahr hält unser Kaiser Sascha Lobo seine Krönungsmesse. Dann stellt sich heraus, dass er auch nur Großherzog von Luxemburg ist. Weiß einer die Endung von luxemburgischen Internet-Seiten? Gleich mal googlen – ach nee, die sind die Bösen. Was ich mir für die nächste re:publica wünsche: Mehr Gewicht für die Bloggosphäre. Vielleicht könnten wir die gesamte Internetgemeinde in ein Kissen stopfen. Darauf könnte Kaiser Lobo sein Haupt ruhen, und wir schlafen zusammen, und wenn wir schweißgebadet aus einem Albtraum aufwachen, ist alles Wirklicheit: Drosselkom, VDS, ACTA und all die anderen Sachen, gegen die selbst Elite-Blogger machtlos sind. Jemand ein Autogramm?“

Der Journalist und Blogger

“Wir Journalisten sind die ärmsten Säue. Oder soll ich sagen die ärmsten Wollmilchsäue? Wir müssen heute alles können: schreiben, kommentieren, einordnen (nur nicht die Unterlagen auf unserem Schreibtisch), entertainen, twittern, bloggen, privat und öffentlich sein. Wir sind Hans-Joachim Friedrichs, Rudi Carrell und die Kessler-Zwillinge zusammen. Ganz schön anstrengend. Die Blogger hier muss man auch alle irgendwie wichtig finden, dabei nehmen die mir am Ende noch den Job weg. Und nerven in einer Tour. “Zukunft des Journalismus” – ich kann ihnen sagen, wie die aussieht: Geltungssüchtige Blogger schreiben für 0€ genauso gut oder besser wie ich. Dabei wurde ich doch an einer Elite-Akademie ausgebildet. Was lernt man da eigentlich? Zumindest journalistisches Ethos. Native Advertising käme für mich nie in Frage, oder höchstens wenn der Preis stimmt. Schließlich verdiene ich mit Journalismus nichts mehr. Scheiß-Internet und WLAN funktioniert hier auf der #rp14 auch wieder nicht.”

Die Mitläufer Bloggerin

„BOAH, bin ich aufgeregt. Ich lerne die jetzt alle mal PERSÖNLICH kennen. Alle die Elite-Blogger und so. Die sind ja extrem schlau. Also ich auch. Aber die auch. Sowieso alle da auf der re:publica. WIR sind die Netzelite. Auch wenn mein Blog jetzt nur durchschnittlich 56 Besucher hat (von denen 54 Besuche von mir kommen). Doch ansonsten gehöre ich dazu. Zumindest auf der Blogger-Messe. Hach, wird das schön einfach mal mit den Leuten von Twitter und Facebook tratschen. Über das Wetter und so. Soll ja schön werden. Also das Wetter, nicht nur die re:publica. Aber die wird ja immer schön, auch wenn das Wetter nicht schön ist. Ein bisschen ist die re:publica ja wie 1, 2 oder 3: „Stage 1, 2 oder 3 – du musst dich entscheiden, 3 Veranstaltungen sind frei. Plopp, plopp, das heißt Stopp.“ Ok, dann gehe ich jetzt in „Zukunft eines feministischen Netzes unter Berücksichtigung von Maybritt Illner“. Oh, da redet ein Mann. Wie passend. ALLES IST SOOOO AUFREGEND. Eben habe ich ich den Johnny Häussler gesehen. Finde, der rote Iro steht ihm nicht. So. Vom Prinzip finde ich erst mal alles gut, hatte eben eine interessante Unterhaltung:

“Ich bin Blogger.”
“Ich auch.”
“Ich bin digitalsozialkritisch.”
“Ich auch.”
“Ich bin für Netzneutralität.”
“Ich auch.”
“Ich.”
“Ich auch.”

ICH LIEBE DIE #RP17.”

Der Food-Blogger

Das Essen ist eine Katastrophe. Mal ganz ehrlich: Veganes Buffet – wer soll den Kram runterkriegen. Hätte Bock auf ein @happyschnitzel, aber Kannibalen soll es hier ja nicht geben. Außer man lässt die Tatsache außer Betracht, dass sich die Netzgemeinde gegenseitig kannibalisiert. Ein Fressen und Gefressen werden von Aktionen, Aktiönchen und Facebook-Gruppen. Gehe hier mit meiner innovativen Idee eines nordkoreanischen Food-Blogs hausieren. Da meinte ein anderer Besucher, dass es in Nordkorea weder Essen noch Internet gibt. Aber genau das ist doch die Innovation: über etwas schreiben, was es nicht gibt. Denn in einem Netz, in dem es sowieso schon alles gibt, muss es doch wenigstens etwas geben, was es nicht gibt. Wird zwar schwer, aber ich schnibbel mir das zurecht. So und jetzt reicht’s, ich hab Hunger. Gibt es hier zumindest irgendwo Hirnnahrung? Ah auf Stage 3: „Reflexionen über die Netzneutralität am Beispiel der Schweiz“. Dann doch lieber ein paar Nüsse.”

Der US Blogger

Ich verdiene mit meinem Blog 100.000 Dollar im Jahr. Tendenz steigend. Wenn ich mir dann diese Hobby-Blogger auf der re:publica ansehe, wie sie sich über Micro-Donations auf flattr freuen. Leute, Leute. I put the Business into Internet-Business. Während die Start-Ups für Milliarden verkauft werden, diskutiert dieses Netz-Prekariat, das sich die 100 Euro Eintritt von den Eltern geborgt hat, darüber, wie man über etwas diskutieren kann. Die drehen sich hier alle um sich selbst und halten das für eine lustige Karussellfahrt, dabei laufen sie sich nur selbst hinterher wie die Katze ihrem Schwanz. Von Innen sieht ein Hamsterrad auch aus wie eine Karriereleiter. Vielleicht sollten die einfach mal Geld verdienen wollen und nicht nur drüber reden. Denn reden ist Silber, Bloggen ist Gold.”

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