Letztens bei den Piraten Posemuckeldorf Süd.

Die Stimmung bei den Piraten Posemuckeldorf Süd ist nur so lala. Einige Tage ohne neues Gate sorgen bei einigen für akute Entzugserscheinungen. Zudem ist man sich immer noch nicht ganz sicher, zu welchem Lager man nun gehört. Nur eines ist sicher: Zum Dänischen Bettenlager will nun keiner von den Piraten gehören. Die produzieren ja in Laos unter eher nicht so kuschelweichen Bedingungen. Da wolle man auf keinen Fall zugehören.

Wir hören wie immer weltexklusiv in den Stammtisch der Piraten Posemuckeldorf Süd.

@wahrerpirat: „Wir sind ja mal angetreten, um Politik besser zu machen. Also ehrlich zu seinen Fehlern stehen, daraus Konsequenzen zu ziehen und nicht so eine Salamitaktik wie bei den anderen Parteien.“

@flauschbällchen: „Vom Prinzip hat das ja geklappt.“

@nerdpirat1: „Wie denn?“

@flauschbällchen: „Naja statt CDU oder SPD Politiker machen das jetzt unsere mit der Scheibchenweisen Wahrheit und zwar nicht mit Salami, sondern veganer Mortadella – DAS ist ja zumindest ein Fortschritt.“

@wahrerpirat: „Übrigens ist ja gerade Europawahlkampf…“

@flauschbällchen, @wahrerpirat: „SCHNAUZE!“

@wahrerpirat: „Sorry, war ja nur ne Idee.“

@flauschbällchen: „Zu welchem Lager gehören wir eigentlich?“

@nerdpirat1: „Binding Lager, Prost!“

@flauschbällchen: „Apropos: Wer nichts wird, wird Wirth! HÖHÖHÖHÖ.“

Die drei Piraten stoßen fröhlich an.

@wahrerpirat: „Meine Frau meint ja schon, ich wäre Lagersüchtig, weil ich die ganze Zeit von anarchistischen Linksradikalen oder neofaschistischen Halbnazis spreche.“

@flauschbällchen: „Ich möchte gerne allen kruden Theorien mit noch einer bereichern: Wenn sich jetzt Anne Helm von einem ausgewiesenen fremdenfeindichen Politiker wie Buschkowsky schützen lässt – stellt sie sich dann auf eine Seite von so Nazis?“

@nerdpirat1: „Da ist was dran, hast du übrigens gehört: es soll Big Foots geben.“

@flauschbällchen: „Warum können wir uns eigentlich nicht alle wieder so lieb haben, wie vor dem Bombergate?“

@wahrerpirat: „Oder wie vor dem Flaggengate?“

@flauschbällchen: „Oder lieber wie vor dem Finanzgate!“

@nerdpirat1: „Da war’s noch schön, da lagen wir in den Bällebädern und schauten den Sonnenuntergang an. Mega-Flausch und Licht und Liebe für alle!“

@wahrerpirat: „Außer die, die nicht meiner Meinung sind.“

@flauschbällchen: „Nee, meiner!“

@nerdpirat1: „Nein, meiner Meinung!“

Der Rest geht in Streitereien unter.

Fortsetzung folgt.

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Die Stellungnahme der Piraten Posemuckeldorf Süd zu Pombär Harris.

Das Bombergate hat in der Piratenpartei einen Feuersturm entfacht, gegen den der in Dresden ein Lagerfeuerchen bei den Pfadfindern war. Apropos Pfad finden: Seitdem wissen die Piraten auch nicht mehr so recht, in welche Richtung es weiter gehen soll: Links, noch linker (wie in Gerüchte streuen, Beleidigungen oder Bedrohungen) oder Höffinghoff-Links (also so links, dass es linker nicht mehr geht). ‚The Hoff’ – wie er von seinen Antifa-Genossen genannt wird – is looking for freedom. Aber in einer ziemlich linken Ecke des Parteien-Spektrums. Auf der anderen stehen die Halb-Nazis des trotzkistischen sozialliberalen Flügels, um die Piraten aus BaWü und Bayern. Zwei Lager wie Nitro und Glycerin.

Nachdem 26 Landesverbände der Piraten, 36 unterschiedliche Stellungnahmen zum derzeitigen Zustand der Partei herausgegeben haben, will auch der Piraten Kreisverband Posemuckeldorf Süd nicht zurückstehen und auch noch mal durchsagen, wie er die ganze Sache mit dem vermaledeiten Bombergate, der Antifa und der Listenkandidatin aus Neukölln sieht.

Wie waren exklusiv dabei.

@nerdpirat1: „Wo issen der @wahrepirat gerade?“

@flauschbällchen: „Austreten.“

@nerdpirat1: „NICHT NOCH EINER!“

@flauschbällchen: „Keine Angst, nur auf dem Klo.“

@nerdiprat1: „Wohl zu viel Club Mate – der soll aus den leeren Flaschen aber keine Molotov-Cocktails basteln, das hatten wir schon.“

@flauschbällchen: „Wir wollen ja nach Hamburg, Sachsen, Berlin. Sachsen-Anhalt, Thüringen, NRW, Saarland, Bayern, Hessen auch eine Stellungnahme zu Bombergate schreiben.“

Der @wahrepirat kommt von der Toilette.

@wahrepirat: „Bombergate? Anne Helm.“

@flauschbällchen: „Anne Helm? Ich dachte Anne Waffel.“

@nerdpirat1 (greift in eine Tüte Kinderchips): „Hatte die nicht in Dresden Schleichwerbung für einen Gen-Lebensmittelkonzern gemacht und sich „Thanks Pombär Harris“ auf die Titten gemalt?“

@wahrepirat: „Fast.“

@nerdpirat1: „Wer war Pombär Harris?“

@flauschbällchen: „BOMBER HARRIS!“

@nerdpirat1: „Bombt der Graffitis?“

@wahrepirat: „Nur auf Frauenkörpern.“

@flauschbällchen: „Also ich fand den 2. Weltkrieg echt doof.“

@wahrepirat: „Darauf können wir uns – denke ich – alle einigen: der 2. Weltkrieg war doof.“

@flauschbällchen: „Ich mag das, wenn wir uns mal einig sind!“

@nerdpirat1: „Wobei.“

@flauschbällchen: „Fandst du den etwa nicht doof? Damals gab’s doch zum Beispiel auch kein Internet, dass war doch total langweilig.“

@nerdpirat1: „Ich fand den total doof im Gegensatz zu euch, ihr wollt wohl geschichtsrevisionistisch unsere gerechte Niederlage umdeuten, oder was?“

@wahrepirat: „Aber man wird doch noch mal sagen dürfen…“

@nerdpirat1: „NICHTS WIRD MAN HIER NOCH MAL SAGEN DÜRFEN: EINMAL SAGEN REICHT!“

@flauschbällchen: „Liebe Mitpiraten, denkt an unser Motto: Licht, Liebe und Mega-Flausch für alle. Wir sind doch hier, um unsere Stellungnahme zu Bombergate fertigzustellen.“

@wahrepirat: „Sach mal, @nerdpirat1 du riechst nach Schweiß, benutzt du kein Deo, zum Beispiel ‚Fa’?“

@nerdpirat1: „Nee, ich bin bei der Anti-Fa…hahahaha.“

Stellungnahme der Piraten Posemuckeldorf Süd.

Wir, die aktiven Piraten Posemuckeldorf Süd, distanzieren uns von allen Distanzierungen, egal in welcher Distanz sie zu Dresden bekannt gegeben wurden. Wir stellen uns voller Solidarität hinter Anne Helm und lassen sie im Regen stehen.
Extremismus hat bei uns keinen Platz, denn in Posemuckeldorf Süd gibt es keinen Andreas Baader Platz, sondern nur einen Bismarck-Platz. Ein Antrag auf Umbenennung ist uns bis jetzt nicht bekannt.

Die Aktion in Dresden zeugt von einer großen Geschichtsunkenntnis – meint jedenfalls @nerdpirat1 und der hatte Geschichts-LK im Gymnasium. Also der muss es wissen. Daher haben wir beschlossen, Anne Helm bei der Lern-Plattform tutoria.de eine Nachhilfe im Bereich Geschichte zu ermöglichen. Wir haben zusammengelegt und ihr einen Nachhilfe-Kurs in „Deutschlands Geschichte 1933 bis 1945“ zu ermöglichen. Wir sehen das als aktive solidarische Hilfe für unsere Listenkandidatin an. Liebe Anne Helm: du kannst den Kurs ab 01.03.1945 beginnen. Nutzername: schweichenbabe. Kennwort: echtbombe. Wir fordern hiermit den BuVo unmissverständlich auf: „Wenn Anne Helm nicht bis morgen um 12 Uhr ihre Teilnahme am tutoria.de Nachilfekurs in Geschichte zusagt, knallt es gewaltig!“

Darüber hinaus regen wir einen Sonderparteitag an, den wir als hervorragende Basis für weitere Streitereien ansehen: Dort kann man Flaggen aufhängen, Mollis werfen oder sich Parolen auf den nackten Körper malen. Unser Ziel muss es sein, trotz möglichen Wegfalls der 3% Hürde bei der Europawahl, nicht ins EU-Parlament einziehen zu können.

Vergessen wir endlich allen Richtungsstreit und lasst uns endlich wieder gemeinsam an einem Strick drehen!

Ahoi!

Eure Piraten Posemuckeldorf Süd!

PS: Wir sehen in Listenplatz 5 übrigens einen versteckten Hinweis auf die 5. Kolonne der Antifa, die uns unterwandert. #denktmaldrübernach #verschwörung

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Wohin und her gerissen.

Die Piratenpartei befindet sich in einem schlechten Zustand. Zwar läuft die Routine der Partei weiter, aber leider zeigt sich diese Routine nur in eher negativen Dingen: Selbstbeschäftigung. Das zeigt sich auf Parteitagen, bei denen viel zu viel Zeit für Geschäftsordnungsdebatten drauf geht, aber eben auch in den regelmäßig zelebrierten Gates in den sozialen Netzwerken. Die letzten Gates – Flagge und aktuell Bomber – haben aber eine neue Qualität. Drehen sie sich doch in Wirklichkeit um einen Richtungsstreit, der in der Partei ausgetragen wird. Grund dafür ist die verlorene Bundestagswahl und die danach eher rudimentär stattgefundene Aufarbeitung. Geschäftsordnungsstreitereien schienen wichtiger zu sein.

Die Gründe dafür sind sattsam bekannt: wir haben einen BuVo, der im Grunde nur als Müllablade-Platz für alle Unzufriedenen funktioniert. Er ist sonst eine Art Frühstücksdirektorium der Piraten. Irgendwie wichtige Titel, aber mit keiner Entscheidungsgewalt. Die Partei hat überhaupt keine Strukturen auf Debatten ordnend zu reagieren. Der jüngste Beitrag des BuVo zum Thema Bombergate war im Grunde wieder ein Ausdruck davon: Man versuchte Stellung zu beziehen und tat dies auch auf eine gewisse Weise, aber eben ohne jede Autorität. Dies war so auffällig, dass einige Landesverbände mit viel klareren Stellungnahmen ihre Position zum Bombergate klarstellten. Wie ich finde auf richtige Weise.

Die Piratenpartei funktionierte bisher gut als Sammelbecken von Menschen, die sich eine Zeit lang nicht links oder rechts sondern vorne einordnen wollten im politischen Spektrum. Viele denken immer noch, dass wir die mit den Visionen sind für eine moderne Gesellschaft. Viele aber haben eben auch Zweifel. Mit 2,2% verändert man im Zweifelsfall überhaupt nichts. Und die anderen Parteien übernehmen einfach Dinge (oder tun so) aus dem Programm der Piraten. Transparenz ist ein Modewort ohne Inhalt geworden. Liquid Friesland interessiert die Bürger nicht. Und eine SMV kriegen wir ja selbst nicht hin, weil in unseren Reihen die größten Gegner einer solchen neuen Form der Online-Demokratie sitzen. Ganz zu schweigen, dass es noch niemand geschafft hat ein Konzept zum fahrscheinlosen Nahverkehr vorzulegen (ich weiss: die Berliner Piraten arbeiten da endlich ernsthaft dran) oder mal durchzurechnen, wie das mit dem Grundeinkommen funktionieren soll.

Was bleibt? Im Moment eher nichts modernes oder gar visionäres. Das Konzept der Pirantifa ist ja im Grunde eine alter Hut und eher einer, der in seiner ganz radikalen Form gedacht 0,2% Wähler anspricht. Im Moment ist also die Entscheidung da zwischen ÖDP-Piraten bei 2% oder MLPD-Piraten bei 0,2%. Eine Art Grünen-Piraten bei 6% liegen in weiter Ferne und scheinen bei den Selbstzerfleischungs-Tendenzen eher in noch weiterer Ferne zu liegen. Es geht also im Grunde um eine Grundsatzentscheidung: Wo will die Partei hin? Und mit welchen Mitteln will sie das erreichen?

Für mich besteht Politik darin, Menschen und damit Wähler zu überzeugen. Wir überzeugen sie nicht als selbsterklärte Netz-Elite, die mit Fremdwörtern wie Meta-Moderne oder Poststruktualismus um sich schmeißt die niemand (vielleicht auch sie selbst) nicht versteht. Wir erreichen sie nicht durch zynische und geschmacklose Aktionen wie „Thanks Bomber Harris“. Warum? Weil ein guter Slogan die Herzen der Menschen erreichen sollte und nicht ihre Ablehnung. „Klarmachen zum Ändern“ ist ein guter Slogan. Jemandem für die Tötung von Kindern zu danken dagegen ist jenseits aller Gürtellinien und führt die Piraten nur noch weiter in die Ecke der Unwählbarkeit.

Im Moment sind einige Piraten mehr damit beschäftigt sich in ihrem kleinen Teil der Partei zu positionieren und dort die Deutungshoheit zu haben. Das aber kann Politik nicht sein. Man macht Politik nicht für seine Parteifreunde, sondern für die Menschen, di in dieser Gesellschaft leben. Man erreicht nichts durch Radikalität, als bei vielen Menschen radikal abgelehnt zu werden. Wer das möchte, kann sich seine eigene kleine Antifa-Welt basteln und dort glücklich sein. Sie taugt aber nicht als Blaupause für das Zusammenleben der Gesellschaft. Radikalität ist das Gegenteil von Respekt. Und Respekt ist eine der Grundvoraussetzungen für das Zusammenleben. Von 2 Menschen oder 200 Millionen.

Man ist an einem Punkt, wo man manchen sagen möchte: es geht nicht darum, dass ihr eure Eitelkeiten weiter auslebt. Es geht doch in Politik immer darum Konzepte durchzusetzen. In einer Demokratie ist dabei immer der Kompromiss die Mutter aller Konzepte. Niemand bringt seine Ansichten zu 100% durch. Wer das glaubt, macht keine Politik sondern irgendwas anderes. Vielleicht Weltrevolution. Oder so. Aber genau diese Menschen glauben immer, sie machen die Welt besser. Warum eigentlich?

Ich bin kein großer Theoretiker (für mich ist Politik auch eher was praktisches (bei aller Theorie) und daher möchte ich mit einer kleinen Geschichte enden: Letzte Woche trank ich abends ein Bier in einer Antifa-Kneipe im tiefsten Friedrichshain. Als ich den Laden betrat wurde ich wie ein Außerirdischer misstrauisch beäugt. In einem Western hätted er Klavierspieler mit dem spielen aufgehört. Ich passte in etwa so gut in den Laden, wie ein Schwarzer auf die Weihnachtsfeier des Ku-Klux-Klans. Tief in mir drinnen war ich verwundert, denn es waren genau die Leute, die am liebsten die Grenzen für alle Flüchtlinge öffnen wollen. Sie geben sich also sonst immer total weltoffen, wenn es in ihr Weltbild passt. Da ich aber nicht in ihr Weltbild passte, blieben die Grenzen für mich zu.

Es gibt eben keine besseren Menschen. Es gibt nur Menschen.

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Ich bin gerade ausgetreten…

…aber nur an einem Baum, an dem sich unweit davon der Blindgänger einer Weltkriegs-Bombe befinden soll.

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