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Die Digitalisierung verändert (fast) alles.

Die re:publica steht dieses Jahr unter dem Motto Pop. Das schöne Wort Pop sollte auch für das Platzen der Filterblase stehen, in dem sich die eher links-liberale Blogger-Szene gemeinhin tummelt. Das dieses Vorhaben natürlich nie realisiert werden kann, ist jedem beim Blick auf die Vorträge und Panels der rp18 klar. Da sind die üblichen Verdächtigen versammelt. Von kontroverser Diskussions-Kultur keine Spur, dafür aber alle lautstarken Echokammer-Spezialisten aus dem Spektrum mit der eigenen Meinung versammelt. Dagegen ist vom Prinzip nichts einzuwenden, außer, dass der Anspruch ja ein andere war.

Noch deutlicher wurde dieses Dilemma, als der Bundeswehr gestern der Zugang auf das Gelände verweigert wurde. Soldaten in Uniform bekommen – wie Nazis – somit keinen Zutritt zur Veranstaltung. Auch dies ist das gute Recht eines Veranstalters. Nur zeigt es eben noch klarer: die Filterblase bleibt auch Offline unter sich. Die Konfrontation mit anderen Meinungen findet nicht statt. Wenn das jetzt mit Pazifismus begründet wird, müsste man die Frage stellen, warum ein Rüstungskonzern wie Airbus gesponserte Vorträge auf der re:publica halten darf. Die Gefahr hier als Programmierer neue Software für Kampfflugzeuge zu entwickeln ist am Ende eventuell sogar höher, als dies bei der Bundeswehr direkt der Fall ist. Der einzige Unterschied: die Angestellten von Airbus tragen Camouflage, wie sie auf der rp18 geduldet wird: fancy Blogger-Klamotten oder Anzug ohne Krawatte. Da ist das Tragen einer Uniform letztlich sogar ehrlicher.

Noch bigotter wurde das Ganze, als abends die Internet-Ikone Sascha Lobo in seiner Uniform auftreten durfte: Anzug, Iro, Ironie. In einer sehr politischen Rede forderte er die Verwirklichung eines ultra-liberalen Gesellschaftsentwurf. In seiner idealen Welt sollten eine Shemale und eine schwarze, jüdische Lesbe offen und ohne Angst ihre Liebe ausleben können. Zurecht. Und zurecht wurde dieser Beitrag von den vielen Anwesenden Gästen beklatscht. Nur fragt man sich, wie nachhaltig diese Liberalität ist, wenn sie schon dann endet, wenn Soldaten in Uniform keinen Zutritt zur re:publica bekommen. Also die gleichen Leute, die einerseits ein Höchstmaß an Freiheit von Meinungen und Lebensentwürfen propagieren, werfen alle diese guten Vorsätzen weg, wenn es um Vertreter einer demokratischen Parlamentsarmee geht. Und nur am Rande: eine Ursula von der Leyen wäre als Verteidigungsministerin und höchste Repräsentantin der Soldaten natürlich sofort wieder willkommen auf jeder Podiums-Diskussion, weil dies einen Mehrwert für die Blogger-Konferenz schafft.

Man kann zum Soldaten-Beruf stehen, wie man will. Er mag ethisch fragwürdig sein, weil es schlussendlich darum geht Menschen zu töten. Das unterscheidet den Soldaten von normalen Angestellten. Auch kann man die Frage stellen, ob die Bundeswehr auf der rp18 wirklich geeignete Leute findet. Eher nicht, denn hier treffen sich keine Programmierer, sondern Blogger. Und die reden und schreiben sehr viel, haben zu allem eine Meinung, scheitern aber meistens schon beim einfachsten Java-Script. Trotzdem zeigt der gestrige Tag, woran des der Blogger-Szene fehlt: einen konsistenten liberalen Gesellschaftsentwurf jenseits der eigenen Filterblase, Zudem tritt auch zutage, dass die Digitalisierung wirklich vieles verändert, nur nicht die Vorurteile einer Szene, die gedanklich im letzten Jahrtausend stehen geblieben ist – wenn es um den Soldaten-Beruf geht.

In dem Sinne, kann die diesjährige re:publica schon als gescheitert betrachtet werden: Denn die Filterblase macht nicht Pop, sondern Stop.

 

 

 

Bär jeder Vernunft.

Dorothee „Doro“ Bär wird neue Digital-Staatsministerin der CSU. Ihr Vorgänger Alexander Dobrindt verstand unter Breit-Band eine Oktoberfestkapelle Samstag um 21 Uhr im Löwenbräu-Zelt. Als besondere Freude hinterlässt Dobrindt Bär sein „treues Fax-Gerät“. „Bei dem langsamen Internet in der Provinz, kann man so Nachrichten viel schneller an den Seehofer nach München senden“, so der Internet-Experte zur Internet-Expertin. „Aber der ist doch jetzt auch in Berlin“, unterbricht ihn die agile Staatsministerin. „Na dann: Rohrpost.“

Während Dobrindt seine Karo-Anzüge und Paisley-Krawatten verstaut beginnt Dorothee Bär sofort Visionen für ihr Amt zu entwickeln. „Ich will mich nicht mit Kleinigkeiten wie flächendeckenden Glasfaser-Ausbau mit 5G Geschwindigkeit aufhalten lassen, dass ist Old School.“ Sie denkt gleich an den ganz großen Wurf: Beamen, Flugtaxis (Stoiber: „Mit dem Flugtaxi starten Sie im Grunde genommen am Flughafen … am … am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug.“) oder sich mit „The Edge“ von U2 in der Berliner U2 fotografieren lassen. Letzteres gab’s zwar schon, aber ein Bild mit der Ministerin würde zumindest auf Twitter immer noch ganz gut funktionieren. Jedenfalls besser, als der Internet-Empfang auf dem Land.

Weitere spontane Idee: „Ich lasse mir einen roten Iro stehen und klebe mir einen Schnurrbart an, dann denkt jeder, ich würde was vom Internet verstehen.“ Bei der kommenden re:publica will sie einen Vortrag zum Thema halten: „Tyranno Saurus Fax – wie ein blutrünstiger Dino den Fortschritt aufgefressen hat.“ Auf jeden Fall ist noch viel zu tun. Selbst der neue CSU Verkehrsminister Andi Scheuer ist überrascht, dass es für die 2. Reihe eine Frau in der CSU gibt. Er erkennt Dorothee Bär nicht: „Ich dachte, sie sind die Sekretärin und sitzen am Internet-Empfang.“ Schlagfertig, wie de Digital-Staatsministerin ist, antwortet sie:

„Der neue Verkehrsminister der CSU ist

a) Scheuer oder

b) scheuert?“

Aber egal. Wir wollen hier die wichtigsten Vorhaben der Digital-Ministerin neben Holo-Decks für CSU Politiker (Seehofer: „Schalte Programm heile Heimat ein.“), Warp-Antrieb für Großflughäfen oder Zeitreisen für AfD-Gauland („Sieg HAL: Bitte ins Jahr 1943.“) vorstellen:

Flugtaxis mit Dieselantrieb.

Beamen ist ein Klacks, Teldafax. Nur beim Thema Antrieb von Flugtaxis schießen die Saupreußen nicht so schnell: Für eine Übergangsphase von 200 Jahren ist der Einbau von Dieseln weiter erlaubt. „Wir müssen Zukunftsindustrien4.0 Liter weiter unterstützen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Und kurz danach wird Dorothee Bär (BMW) sogar sentimental: „Ich habe letztens mit einem Top-Manager aus dem Flugtaxibau gesprochen, der musste zum Psychologen, der hatte Euronorm Fear.“ Schnüff.

Obergrenze für Datengeschwindigkeit

Auf der Alm do gibt’s koa Sünd und koa Internet-Empfang. Statt den Breitbandausbau voranzutreiben, kommt Dorothee Bär zusammen mit dem Obergrenze-Experten Seehofer zu einer genialen Idee: „Wir führen einfach flächendeckend Egde-Geschwindigkeit als Obergrenze ein.“ Denn wie sagt man in der CSU: Die Datei hat immer Recht. So muss man sich nicht mehr mit Nebensächlichkeiten wie Glasfaser beschäftigen, sondern kann gleich mit dem Bau eines Weltraumaufzuges von Franken auf den Mond beginnen. Fertigstellung: Q3/2020 (eventuell).

Maut für Ausländer auf der Datenautobahn.

Die Datenautobahn wird nicht nur von Deutschen befahren. Nein, auch Ausländer schicken hier Textnachrichten, Filme oder andere Datenpakete hin und her. „Es kann doch nicht sein, dass der Ausländer das deutsche Internet benutzt, ohne zu bezahlen.“ Ein roamen geht durch die versammelte Schar an CSU-Politikern. Das wird sich ändern: EGDE äh ÄTSCH! Die Einführung des Maut soll etwa dann stattfinden, wenn die ersten Flugtaxis auf der Straße sind (Herbst 2019). Übrigens gilt auf deutschen Datenautobahnen natürlich kein Tempolimit: jeder kann hier mit rasender GPRS Geschwindigkeit durchs Netz rauschen.

Herdprämie für Food-Bloggerinnen

Bayern sind Experten für gesunde Ernährung: Klöße, Schweinshaxen, Würste. Alles, was das Veganer-Herz begehrt, kommt aus dem wunderbaren Land zwischen Maas und äh Donau und Inn. Apropos: ein besonderes Herzens-Projekt ist für Dorothee Bär ist die Herd-Prämie für Food-Bloggerinnen. „Wir wollen, dass sie wieder mehr selbst kochen und weniger nur das Essen fotografieren.“ Schließlich beginnt Heimat im Kochtopf: Ob 5 Minuten Terrine, Pizza, oder Döner, sie alle sind deutsche Nationalgerichte. Dank der Herdprämie brauchen die Bloggerinnen nicht mehr so viele Werbe-Deals. „Es ist gegen die Menschenrechte, sich mit Bifis in einer Badewanne ablichten zu müssen“, so Bär. „Ich war einmal mit der Wurst Söder in der Wanne, ich weiß, wovon ich spreche.“

Mütterrente für Netzfeministinnen

Als CSU Politikerin hat sich Dorothee Bär hochgeschlafen. „Es gibt nichts langweiligeres, als eine CSU Gremien-Sitzung.“ Daher ist sie auch eine der WortführerInnen der #metoo Bewegung. „Wer einmal Seehofer im Bademantel gesehen hat, bekommt diese Bilder nie wieder aus dem Kopf.“ Einmal lud der CSU Chef Bär auf sein Hotelzimmer ein. Er deutete auf eine Flasche teuren Riesling und sagte: „Schau mal, der hat Weinstein.“ Darum macht sie sich insbesondere für eine Mütterrente für Netzfeministinnen stark: „Die haben ja keine Kinder, darum müssen die im Alter mit unserer Mütterrente unterstützt werden.“ Die Mütterente soll im Laufe des Jahres 2021 kommen. Gleich nach der Eröffnung einer Hyperloop Verbindung zwischen dem Großflughafen BER und Stuttgart 21. „Wenn erst mal alle Konzerte von Stuttgart21 ausverkauft sind, werden alle Hater schweigen – wie bei der Elbphilharmonie“, so die Digitalministerin, während sie per App ein Flugtaxi bestellt und entschwebt.

Julian Reichelt ist: der Promi-Undercover Boss.

Beim Undercover Boss werden Chefs meist mittelständischer Unternehmen durch Maskenbildner so verändert, dass ihre eigenen Mitarbeiter sie nicht wiedererkennen. So gelingt es ihnen sich als Praktikant auszugeben, um ungeschminkte Eindrücken aus einzelnen Abteilungen zu bekommen. In der Sonderausgabe „Promi-Undercover Boss“ wird BILD-Chef Julian Reichelt so umgestylt, dass er wie ein Frau aussieht. „Ich nehme den Namen Tanit Koch an und gebe mich als Praktikantin aus – das glauben die in der Redaktion sofort“, so der mächtige Springer-Journalist. Wir begleiten Julian Reichelt eine Woche lang als Tanit Koch in verschiedenen Abteilungen der BILD Zeitung.

Tag 1: Post von Wagner

„Heute soll ich hier in Charlottenburg in einer Privat-Wohnung bei dem bekannten Kolumnisten FJ Wagner hospitieren“, freut sich Julian Reichelt alias Tanit Koch auf die Aufgabe. Als er um 12 Uhr klingelt macht jedoch niemand auf. Auch um 13 Uhr hat er kein Glück. Als er schließlich gegen 14:15 Uhr an der Wohnungstür klopft, macht ein zerzauster älterer Herr mit Mega-Kater auf. Julian Reichelt bringt seinen gut einstudierten Eingangs-Gag: „Post für Wagner, höhöhöhö.“  Wer sind sie denn?“, fragt Wagner genervt. „Julian Koch äh Tanit.“

Bange Frage: Ist der Promi-Undercover Boss jetzt schon aufgeflogen???

„Ach, wense schon da sind, können sie mir schnell ne Flasche Dujardin aus dem Reichelt bringen, ist nix mehr da und ich muss heute noch 20 Zeilen schreiben.“ Später darf er FJ Wagner noch Kaffee kochen (mit Schuss) und bei der Formulierung einer Post von Wagner helfen (mit Schuss). Am Ende des Tages muss er noch mal genau nachfragen: „Herr Wagner, hier in Charlottengrad, ist ihnen das schon mal ein Juri oder so über den Weg gelaufen?“ „Juri nicht, aber Juristen – aber da kennen die sich bei Springer besser aus.“

Tag 2: Hauptstadtredaktion.

Um es mal durch die Blome zu sagen: Nikolaus Blome ist ein Politik-Redakteur durch und durch. „Ich schreibe unheimlich gerne Kommentare zur Lage der Nation“, so die Ekelfeder des Verlags. „Und ich bin Tanit Koch und soll heute hier als Praktikantin arbeiten.“ „Tanit Koch, woher kenne ich den Namen? Stimmt, war das nicht die Tippse, die so miesen Kaffe gekocht hat?“ Ich ruf gleich mal Kai an und frage nach.“ Julian Reichelt ist gespannt, was sein Top-Mann und Stellvertreter so macht. „Heute schreibe ich mal – hm – ich glaube einen Kommentar zur Lage der Nation.“ „Wie ist denn die Lage der Nation?“, fragt Julian Reichelt interessiert. „Steißlage – egal wo du hinschaust: alles am Arsch.“ Während er das sagt, wirft er lässig einen Dartpfeil auf das Gesicht von Angela Merkel. Aus dem Off schreit eine Stimme: „ONEHUNDREDAAAAAAAAAAAAAANNNDEIGHTY.“

Politik ist für Blome ganz einfach: Merkel hat fertig, Jens Spahn ist der nächste Kanzler. „Wir haben damals Guttenberg ja auch fast zum Kanzler geschrieben, das bringt nur die BILD.“ „Danke für die tiefgreifende Analyse, Herr Blome.“ „Tanit für.“

„So Frau Koch und jetzt holen sie mir mal eine richtig schöne Tasse Kaffee und rasieren sie sich mal die Beine.“ Die #metoo Bewegung ist im Springer eigenen Fitness-Studio hängen gebieben.

Tag 3: BILD Girl

Seitdem es kein Seite 1 Girl mehr gibt, werden halbnackte Frauen einfach auf allen anderen Seiten und auf bild.de gezeigt. „Das nennen wir modernen Feminismus.“ Kritiker sehen da nicht schwarz, sondern Schwarzer. Die Redakteure sind überrascht mal eine Frau in Klamotten anzutreffen. Julian Reichelt alias Tanit Koch fällt im BILD Frauenkosmos komplett aus dem Rahmen. Um nicht aufzufallen, hatte er sich nach dem Hinweis von Nikolaus Blome die Haare an den Beinen rasiert. „Die sind jetzt aalglatt, wie ein BILD Redakteur“, witzelt der Sonnengott des BILD Imperiums. Aber keiner lacht.

Gemeinsam suchen sie heute die besten Bilder der kommenden BILD Girls raus. Angi (25) verrät: Intimfrisuren sind mir zu Intim.“ Und BILD Girl Anna (21) stellt klar: „Mein Busen war teurer, als ein Jahresgehalt einer BILD Praktikantin.“ Ist hier etwa Julian Reichelt einem Missstand auf der Spur? Der Promi-Undercover Boss kommt ins Grübeln. “Vielleicht sollten wir dem BILD Girl wirklich mehr zahlen, die geben ja schließlich ihr letztes Hemd.“

Tag 4: Im Newsroom

An diesem Tag ist Julian Reichelt sehr aufgeregt. Im Newsroom kennen ihn schließlich viele, fast täglich faltet er hier irgendjemand zusammen. Origami ist eben sein Hobby. Aber als Praktikantin Tanit Koch beachtet ihn keiner. Puh, Glück gehabt. An dem Tag sind alle mega-aufgeregt. Es geht um dubiose E-Mails, die von einem Mail-Server der SPD an Kevin Kühnert geschickt worden sind. Wieder taucht hier der Name „Juri“ auf, der schon bei FJ Wagner in Charlottengrad eine Rolle spielte. „Das ist eine titanische Sache, meint der Stellvertreter von Julian Reichelt. Als dieser als Tanit Koch darauf hinweist, dass die Mails komplett gefälscht sind und es deshalb niemals eine Titelgeschichte sein darf, beachtet ihn keiner. Er ist heute eben nur die vollkommen unwichtige Praktikantin Tanit Koch. Irgendwann meint einer der Männer nur zu ihm, dass er sich dringend (!) mal wieder die Beine rasieren sollte. Er lässt seine weichen Journalistenhände über seine Lende streicheln: Stoppeln. Er muss unwillkürlich wieder an die zusammengestoppelte SPD-Schmutzkampagnen-Geschichte denken.

Tag 5: Mit Paul Ronzheimer auf den Hund gekommen.

Paul „da Ronz“ Ronzheimer ist einer für die ganz harten Fälle. Er geht dahin, wo es wehtut – nein, nicht in die BILD Redaktion – sondern in die Schützengräben des IS, Flüchtlingsboote und die Weihnachtsfeier des Axel Springer Verlags. Heute hat er wieder einen Sonder-Auftrag. Er soll Hund Lima (SPD) interviewen. Also der Vierbeiner, der in die 16% Partei eingeschleust wurde und jetzt dafür sorgt, dass neben Hans-Jochen Vogel ein weiteres Tier über die zukünftige Regierung unseres Landes abstimmen darf. Julian Reichelt ist sehr gespannt wie, Paule Ronzheimer bohrende Fragen stellen wird:

Ronzheimer: „Lieber Lima, wie haben sie abgestimmt.“

Lima: „Wuff.“

Ronzheimer: „MORGEN KOMMT AUF DEN TITEL: „SPD-HUND WÄHLT ALT-BUNDESPRÄSIDENT WULFF ZUM KANZLER.“

Julian Reichelt alias Tanit Koch ist beeindruckt. Er hätte nicht gedacht, dass man seine journalistischen Standards noch unterbieten kann. „Dafür bekommt Paul Ronzheimer als Geschenk eine Reise in ein nordkoreanisches Arbeitslager.“ Der Promi-Undercover Boss hatte sich für ihn spätestens jetzt wirklich gelohnt.

5 Ministerien, die wir jetzt wirklich brauchen.

Shitstorm-Ministerium.

Aufgaben: Das Bundesshitstormministerium sorgt durch stete Empörung im Netz darüber, dass wirklich wichtige Themen in den Hintergrund geraten: Klimawandel? Digitalisierung? Einwanderungsgesetz? Komplett egal, wenn man sich darüber aufregen kann, dass es in Supermärkten keine Plastiktüten mehr gibt oder der Weihnachtsmarkt seit Jahren nur noch als Wintermarkt bezeichnet wird. Als erstes kippt das Shitstorm-Ministerium das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. „Als Shitstorm-Ministerium ist es wichtig für uns, dass Trolle, Nazis und andere Menschenhasser frei ihre Meinung äußern dürfen.“ Das wird man doch noch mal posten dürfen!

Minister: Julian Reichelt. Obertroll Julian Reichelt (gibt natürlich den Chefposten bei der BILD nicht ab) wird Bundesshitstormminister. Kein anderer bringt dafür die passende Kompetenz mit. „Ich kann mich besser empören, als das ganze Siff-Twitter zusammen“, so der Springer-Journalist. Zur Staatssekretärin ernennt er das BILD-Girl Februar 2018. „Sie hat alles, was man für einen guten Shitstorm braucht: 2 Glocken mit denen man richtig Laut geben kann im Netz!“, so Julian Reichelt, der gerade mit dem „Dieter-Wedel-Preis für Frauengleichberechtigung“ ausgezeichnet wurde. Die Laudatio hielt Tanit Koch.

Fax-Ministerium.

Aufgaben: Das Bundesfaxministerium kümmert sich um den Breitbandausbau auf dem Land. Im Koalitionsvertrag steht: „Wir wollen, dass das Land bis zum Jahr 2075 mit schnellen Faxgeräten ausgestattet wird.“ Nur so kann die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Gasturbinenhersteller in Görlitz sichergestellt werden. Mit der Initiative Fax4.0 soll die Umwälzung der Arbeit durch die fortschreitende Faxisierung begleitet und geprägt werden. Zwar ist nix fix, aber eine Kommission soll prüfen, ob das Faxgerät eine Zukunft hat.

Minister: Alexander Dobrindt. Nachdem er schon als Verkehrsminister einen Erfolg nach dem anderen verbuchen konnte, war Alexander Dobrindt die logische Wahl als Bundesfaxminister. „Auf mich wartet ein Maut Everest an zu versendenden Faxen“, feixt der Minister und macht Faxen. „Gleichzeitig räume ich mit „Alternativen Faxen“ auf – die eMail muss verboten werden!“ Schon am ersten Arbeitstag ist Dobrindt Fix und Faxy.

Dschungelcamp-Ministerium

Aufgaben: Das Bundesdschungelcampministerium ist verantwortlich für die Kandidaten-Auswahl der Trash-Show. Gerade die SPD setzte sich dafür ein. Martin Schulz: „So können wir auf soziale Art und Weise Arbeitslose und Absteiger wie mich in Lohn und Brot (oder Maden) bringen.“ Nach 16 knallharten Tagen Verhandlungen ohne Pause gelang es der SPD folgenden Kompromiss auszuarbeiten: Es dürfen nur Kandidaten ausgewählt werden die an Vollmondtagen weniger als 9,19€ die Stunde verdienen, vorausgesetzt sie sind an einem ungeraden Tag geboren und das auch nicht in einem Nichtschaltjahr. Alles klar?

Minister: Martin Schulz. „Ich weiß, was es bedeutet, wenn man von ganz oben nach ganz unten durchgereicht wird“, so die ehemalige Lichtgestalt etwas ermattet. „Da greift man nach jedem Strohhalm, selbst wenn er von RTL ist.“ Erste Vorschläge fürs Camp 2019 sind: Sigmar Gabriel (als verwirrter alter Mann), Kevin Kühnert (als quengeliger Dschungel-Beau) und Manuela Schwesig (5. Platz BILD Girl des Jahres Wahl 2003).

AfD-Kopie Ministerium

Aufgaben: Das Bundesafdkopieministerium sorgt dafür, dass man die Ängste der besorgten Bürger endlich ernst nimmt. Schießbefehl bei Schützenfesten, Gartenzwerge an den Außengrenzen oder einen deutschen Döner – im Afdkopieministerium ist alles möglich. Ursula von der Leyen wird zu Beatrix von Storch ungestylt (einfach nur die Halskette wechseln) und Karl Lauterbach lässt seine Fliege eine Fliege machen und bindet sich eine Hunde-Krawatte im Stile Alexander Gaulands um. Über Blackfacing darf man wieder lachen, bei dummen Zoten sollen sich die Weiber mal nicht so anstellen und „My Home is my Poggencastle“ Aufkleber runden die AfD-Kopie insgesamt ab.

Minister: Horst Seehofer. Niemand eignet sich besser, als die AfD-Kopie himself: Crazy Horst Seehofer. Während er die AfD kopiert geht er immer leicht in die Höcke: „Dann bin ich in etwa so groß, wie Alice Weidel.“ Sieht er selbst eine Obergrenze bei seiner Imitation? „Nein, denn die Wut-Bürger und ich sind Ängste Freunde.“

Klimawandel-Ministerium

Aufgaben: Das Bundesklimawandelministerium kümmert sich darum, dass der Klimawandel auch in Zukunft mit Nachdruck verfolgt wird. Schließlich schafft die Kohle-Industrie Arbeitsplätze in strukturschwachen Räumen. Als Brückentechnologie brauchen wir sie noch bis circa 2150, denn dann sind erst Wind- oder Sonnenkraftwerke in der Lage genügend Strom zu liefern. Wenn bis dahin nicht halb Deutschland unter Wasser steht. Man sollte nicht zu früh mit dem CO2 Ausstoß aufhören, darum fördert das Klimawandelministerium auch den Diesel mit 20 Milliarden Euro jährlich. Niedersachsens Ministerpräsident Weil (VW) und sein bayrischer Bald-Antskollege Söder (BMW) begrüßen dies.

Minister: der Trigema Affe. Affen kennen sich dank VW sehr gut mit klimaschädlichen Abgasen aus. Der Trigema Affe ist daher ein Experte, der sich dem weiteren Ausbau von Kohlekraftwerken und Diesel-PKW vollständig verschrieben hat. Zudem ist er sogar intelligenter als Alexander Dobrindt, der aber im Bundesfaxministerium eine neue Herausforderung gefunden hat.

 

Stillstand mit Quote.

Warum ich Dschungelcamp nicht mehr schauen werde.

Um die Jahrtausendwende habe ich einige Zeit als Freelancer im Bereich Text und Konzeption gearbeitet. Unter anderem auch für TV-Produktionen. Ich fuhr dazu in den schönen Medienpark in Potsdam-Babelsberg, wo einen TV-Produktion eines ehemaligen RTL2 Programm-Chefs seinen Sitz hatte. Sagen wir es mal so: ausgedacht haben wir uns im Grunde nichts, sondern stundenlang VHS-Cassetten (andere Zeit) angesehen. Da konnten wir dann australische, amerikanische oder sogar argentinische Formate bewundern. Da wurden Bands gecastet, Witze gemacht oder schlicht einfach abgenommen.

Wir versuchten die dann für den deutschen Markt zu adaptieren (kopieren ist so ein beschissenes Wort). „The biggest Loser“ hatte bei uns den Arbeitstitel „Dick Brother.“ Überhaupt war „Big Brother“ das Format der Stunde. Wir überlegten also, wo sich sonst noch überall Menschen einpferchen lassen konnten. Wir kamen u.a. auf eine Idee, sie auf ein Segelschiff zu verfrachten. Gab es aber schon so ähnlich in den Niederlanden. Im Grunde hatten wir keine neuen Ideen, sondern versuchten nur erfolgreiche Sendungen aus anderen Ländern so umzuschreiben, dass keine Lizenz-Gebühren fällig wurden. Ich habe das nicht lange gemacht.

Big Brother ist tot. Aber viele Sendungen, die vor etwa 20 Jahren erfunden wurden, sind heute immer noch erfolgreich oder haben wenigstens so eine Quote, dass die Sender sie einfach weiter zeigen, weil sich die Werbeblöcke immer noch teuer verkaufen lassen. Stillstand mit Quote. Ob nun DSDS, Dschungelcamp, Casting-Shows in allen Formen oder notorische Koch-Sendungen – all dies hatte seinen Ursprung schon vor langer Zeit. Schaut man sich das sogenannte neue Format „Get the fuck out of my house“ an, dann ist das auch nur eine Abwandlung von Big Brother mit einer Prise Utopia (Pro/ Flop 2015) und den typischen Lästereien aus Bachelor respektive Bachelorette. Wahrscheinlich wurde das auch von irgendwem zusammengeschrieben, wie ich das früher gemacht habe. Nur ohne VHS-Cassetten, sondern praktisch auf einen USB-Stick geladen.

Manche TV-Sender stecken in Sachen Kreativität in einer Dauerwiederholung. Die letzte neue Format-Entwicklung von Belang war „Schlag den Raab“, der aber ansonsten sich auch ständig selbst kopierte: Turmspringen. Wok-WM und Co. funktionierten im Grunde alle nach dem gleichen Muster. Bizarre Sportarten von unbeholfenen C-Promis durchführen lassen. Gähn. Jetzt gibt es nicht einmal mehr Raab. Was bleibt ist Fernsehen wie eine Kirchenmesse: ein Ritual, das nach dem immer gleichen Muster mit den selben Kandidaten durchgezogen wird. Mal ist etwas mehr Silikon in den Brüsten, mal weniger Hirn im Kopf. Aber ansonsten könnte man auch einfach die Staffel vom letzten Jahr zeigen – keine Unterschiede.

Ein solches Ritual-TV ist das Dschungelcamp. Das darf man ja seit ungefähr 5 Jahren gut finden, vorher war es Ekel-Fernsehen. Aber man stumpft ja ab. Wenn man schon 100mal gesehen hat, wie jemand Maden oder Krokodilpenis isst – dann tut es irgendwann nicht mehr weh. Gestern habe ich den Auftakt gesehen und es hat mich nur noch gelangweilt. Fallschirmsprung ins Camp? Gab’s schon. Ansgar Brinkmann hieß früher Eike Immel oder Thorsten Legat. Und die Zicken aus den Zuliefer-Trash-Formaten geben sich die Klinke in die Hand. Es ist nur noch öde. In den nächsten Tagen werden die Rollen verteilt und alles ist wieder wie 2017 oder 2011. Es ist immer die gleiche Geschichte. Ich stelle mir vor es gäbe 12 Staffeln von Game of Thrones – aber es wird immer wieder die 1. Staffel neu verfilmt, nur mit anderen Hauptdarstellern. Kann man mal machen – aber 20 Jahre? Selbst die ganzen Schreiber in den Redaktionen, die jetzt den Dschungel lustig kommentieren – die wiederholen sich nur noch. Lästern macht keinen Spaß mehr, wenn man gefühlt alle Sprüche schon mal gehört hat. Ja, ich kenne die Kandidaten auch nicht. Außer…aber lassen wir das.

Keiner ist mehr überrascht, wenn da Ratten ins Nachtlager kriechen oder Maden von der Decke fallen. Die Moderation ist launig aber eben auch sehr routiniert launig geworden. Die Kandidaten werden lästern, werden den Dschungel ggf. versuchen für sich selbst zu nutzen und wir sitzen vor dem Fernseher und machen auch immer die gleichen Witze. Als Twitter-User folge ich vielen Menschen, die fast alle Trash-Formate (Frauentausch, Schwiegermutter gesucht, Bauer sucht Frau etc.) schauen und kommentieren. Ich verurteile das nicht, bewundere aber trotzdem, wie man es schafft so viel Fernsehen zu schauen, das sich immer wiederholt. Nur die Vornamen ändern sich. „Ach, jetzt macht der Martin wieder das und das“ und aus dem munteren Milchbauern wird der zaudernde Ziegenhirte. Gähn.

Ich kann den Dschungel nicht mehr schauen. Nicht wegen Unterschichten-Fernsehen oder Ekel-Gründen. Es ist schlicht megalangweilig. Es passiert nichts, es entwickelt sich nichts und es unterhält mich auch nicht mehr. Vielleicht ist das Dschungelcamp das wirklich letzte Lagerfeuer der Nation – wenn nicht das dumme Blondinchen aus Trash-Format XY auch dieses bei der Nachtwache ausgehen lässt. Weil sie ihr Naildesign überarbeiten musste.

PS: Aber weil ich meinen inneren Martin Schulz vielleicht nicht besiegen kann, werde ich ggf. meine Meinung ändern und stehe dem Dschungelcamp doch wieder zur Verfügung.

PPS: Ich habe heute keine Rose für euch.

Jamaika-Abbruch: Das Geheim-Protokoll.

Wir dokumentieren hier die letzten Minuten vor dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen. Das Ergebnis war zum Greifen nah und am Ende doch so fern. Es reichte am Ende nur für Tropical Islands, aber nicht für Jamaika.

Wir hatten exklusiv Einblick in das Gesprächsprotokoll:

Lindner (genervt): „Zuwanderung, Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, Europa…wann geht es endlich um die wichtigen Themen?“

Merkel (verblüfft): „Welche denn?“

Lindner (energisch): „MICH!“

Kubicki (staatsmännisch): „Wir kommen jetzt zu unserer Forderung der Abschaffung der Farbfotografie. Und Einführung von schwarz-weiß Motiven. Zudem darf nur noch Christian Lindner in Feinripp Unterwäsche fotografiert werden.“

Özdemir (knallhart): „Also da sehe ich schwarz.“

Lindner (superknallhart): „Apropos Schwarzseher: Über die GEZ Abschaffung des staatlichen Zwangsrundfunks reden wir später noch!“

Kubicki (herrenwitzisch): „Ich seh übrigens Roth. Höhö.“

Roth (überrascht): „Wo? Die SPD verhandelt doch gar nicht mit.“

Kubicki: „RÜLPS“

Alle: „SCHULZ!“

Merkel (fröhlich): „Schön Herr Kubicki, dass sie auch mal etwas gehaltvolles zur Diskussion beigetragen haben.“

Seehofer (hoffnungsvoll): „Können wir nicht ein wenig schneller machen, um 20:15 Uhr kommt der Tatort. Bis dahin haben wir doch die par 235.000 offenen Streitpunkte fix weggearbeitet. Wir sind doch ganz nah beieinander.“

Dobrindt (etwas kleinlaut): „Und ich möchte noch ins Kino: Die Maut die sich nicht traut.“

Alle: „SCHNAUZE!“

Göring-Eckardt (hungrig): „Ah, da kommt unsere japanische Nudelsuppe – ich liebe atmenden Ramen! Danke lieber unterbezahlter Foodora-Fahrer.“

Lindner (erfreut): „Aber per App bestellt. Leider gibt es Menschenwürde noch nicht als App, dann wäre es für uns Liberale sogar ein interessantes Konzept.“

Özdemir (noch erfreuter): „Wenn es hier im Jamaika-Zirkus nicht klappt, gehen wir Grünen zu Roncalli: die suchen so Verbiegungs-Künstler wie uns bestimmt.“

Merkel (traurig): „Sorry Leute, hier hat sich noch niemand mit Rum bekleckert. Was ist nun?“

Lindner schaut auf sein Smartphone. Seine Werbeagentur fragt, wann endlich der Slogan geschaltet werden soll.

Lindner (hektisch): „Ich hab die Nase voll – nein, kein Koks (sonst würde ich ja weiterverhandeln) – mir reicht es. Ich werde lieber nächster Bachelor und verteile Rosen als dornige Chancen an junge Damen mit hohem Selbst-Inszenierungs-Potential ­– die passen wenigsten zu mir.“

Alle: „ABER WIR SIND DOCH FAST DURCH – NUR NOCH 200.000 STREITPUNKTE.“

Seehofer (nachdrücklich): „Aber da ist dann eine Obergrenze.“

Dobrindt (verwegen): „Und ich will noch auf Arte Harold & Maut schauen.“

Alle: „SCHNAUZE!“

Lindner (total spontan): „So ich breche das jetzt hier nach dem Regieplan meiner Werbeagentur spontan ab. (Schaut in sein Smartphone) Ich soll jetzt sagen: „Lieber aufhören, als wenn es am schönsten ist.“ Ach nee: „Live is Beta without Grüne.“ Nee, wartet mal: „Lieber nicht spontan sein, als falsch.“ Oder so was ähnliches.“

Kubicki (vorfreudig): „Und ich geh jetzt 1,5 Jahre duschen.“

Grüne: „Und wir machen auch die Biege.“

Seehofer (bayrisch): „Wie seit 5 Wochen!“

Hier bricht das Protokoll abrupt ab. Auf Instagram werden Sharepics hochgeladen. Man sieht ein Schaf, welches mit einem Rasiergerät bearbeitet wird. Unter Internet-Experten nennt man das Scher-Pic.

Der Rest ist Legende.

Politik als Pose.

Politik ist immer auch Inszenierung. Der Kniefall von Willy Brandt in Warschau oder das Händchenhalten von Kohl mit Mitterand in Verdun – auch diese ikonischen Bilder der politischen Geschichte unseres Landes waren eher geplant als spontan. Heute leben wir in einer Inszenierungs-Gesellschaft: Instagram, Facebook und Co. sind Egomarketing-Maschinen, die jeder nutzt, um sich im möglichst besten Licht zu präsentieren. So weit, so normal. Oder eben auch nicht. Oder leider. Oder eben auch nicht. Vielleicht ist es einfach so.

Ein heutiger Großmeister der Inszenierung ist der FDP-Chef Christian Lindner. Aktuell zeigt sich dies im operettenhaften Abgang aus den Jamaika Sondierungsgesprächen. Im Stile einer eher mittelmäßigen Daily Soap wurde da unter dem Slogan „Lieber nicht regieren als schlecht“, der Wählerwillen schlichtweg ignoriert. Und wenn man ehrlich ist: außer diesem einem – durchaus prägnanten – Satz, kann eigentlich selbst bei den Verhandlern der FDP niemand so genau sagen, weshalb und warum die Gespräche abgebrochen wurden. Es bleibt alles seltsam nebulös und macht andererseits klar, woran es den Liberalen mangelt: einer klar erkennbaren Programmatik oder Inhalten neben der lauten Inszenierung von Modernität am Beispiel des Mode-Themas Digitalisierung.

Wenn man sich die Bundestagswahl-Kampagne der FDP anschaut, dann bleibt eigentlich in der Rückschau kaum was hängen, außer der Selbstbespiegelung des Christian Lindner, schwarz-weiß Fotos und einer schwarz-weiß Malerei der Zustände unseres Landes. Und natürlich: Smartphone, Start-Ups und Super-Digital alles. Always in Beta. Betarepublik Deutschland. Der Preis für den „Deutschen Bullshitbingo-Award 2017“ geht an die Freien Demokraten Die gesamte Kampagne ist flott getextet aber total inhaltsleer. Sie ist nur Behauptung. So sagte Lindner, dass Nichtstun Machtmissbrauch ist, um genau das jetzt zu machen: lieber nichts. Und dass gerade ein Aktenkoffer-Träger aus der Oberstufe auf sein Plakat schreiben lässt, dass nicht Aktenkoffer, sondern Schulranzen die Welt verändern, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Es geht eben nicht um den Inhalt, sondern nur um die richtige Pose. Es ist im Grunde scheißegal, was auf den Plakaten oder Sharepics steht, Hauptsache es hört sich gut an.

Das jetzt die Jamaika-Verhandlungen an der Zuwanderung gescheitert sein sollen (wegen der FDP, nicht der CSU) sorgt für Verwunderung: hatte man auf den Plakaten der Liberalen viele schlaue Sprüche zu vielen Dingen gelesen, Flüchtlinge gehörten nicht dazu. Ich kann mich jedenfalls an keinen Spruch erinnern. Dafür hätte es Breitband-Ausbau, mehr Polizisten und mehr Investitionen in Bildung geben können. Alles irgendwie zentrale Kern-Botschaften der Kampagne. Und Wirtschaftspolitik hätte auch wieder verfügbar sein können in unserem Land mit einem FDP Wirtschaftsminister. Das bestimmt nicht alle Forderungen der Liberalen komplett umgesetzt werden würden, ist doch völlig normal. Politik ist Kompromiss. Nur Populisten stellen ständig Maximal-Forderungen auf.

Politik ist aber kein Produkt wie ein Joghurt oder ein Turnschuh. Politik hat mehr verdient, als nur einen Slogan. Oder wenn, dann muss dieser Slogan Substanz haben und nicht nur Behauptung sein. Die SPD sagte 1998 „Wir sind bereit.“ und das war sie auch im Gegensatz zu den heutigen Sozialdemokraten (und Freidemokraten). „Lieber nicht regieren“ sagt genau das Gegenteil. Und ist im Grunde auch eine Umkehrung eines weiteren Slogans aus der Bundestagswahl-Kampagne: da hieß es noch „Bedenken second“ und man kommunizierte dadurch, wie mutig man ist. Umgemünzt auf die jetzige Situation müsste es heißen „Regieren first, Bedenken second“. Vielleicht mit kann man das der FDP mit Online-Abstimmungen oder Skype-Konferenzen schmackhaft machen? Denn wenn irgendwas digital ist, müsste die FDP dich dabei sein. Also müsste.

Letztlich kann man konstatieren: der jetzigen FDP ist die Pose wichtiger, als Politik. Funktioniert für den Moment. Aber – auch eine alte Weisheit – Politik ist kein 100 Meter Lauf, sondern ein Marathon. Aber wer in unserer schnelllebigen digitalen Welt hat noch Zeit für einen Marathon? Niemand. Und die FDP schon gar nicht. Huch, ich muss noch ein großartiges Foto auf Instagram hochladen, das geht einfacher als blöde Ausschuss-Sitzungen.

20 Jahre sind ein Hashtag.

8. September 1997. Heute vor 20 Jahren habe ich ein Praktikum als Texter bei Zum Goldenen Hirschen in Hamburg angefangen. Begrüßt hat mich im Foyer eines Hauses an der Außenalster ein güldener Elefant des thailändischen Generalkonsulats – und die freundliche Dame vom Hirschen-Empfang. Meine erste Amtshandlung war die unfallfreie Teilnahme am sogenannten Montagsmeeting, diese wurde damals von einem der Geschäftsführer mit einem Zitat aus der Mao-Bibel eingeleitet. Man pflegte damals bei den Hirschen auch intern noch ein Punkrock-Image. Viele Dinge haben sich in den 2 Dekaden verändert, dass Montagsmeeting nicht. Im Grunde wird da über das gleiche gesprochen, wie eh und je: Was läuft auf Kunden, wer ist im Urlaub, welche Pitches stehen an. Man schaut in leere Montagsgesichter, die sich tierisch auf den Wochenstart freuen. Besonders an grauen Tagen. Nur aus der lieblichen Mao-Bibel liest niemand mehr vor. Schade eigentlich.

Wer macht schon 20 Jahre das gleiche? Heute niemand mehr. Und auch, wenn Texter heute immer noch Texter heißen, der Job hat sich rasant verändert. Als ich anfing, bestand die Arbeit aus der heiligen Dreifaltigkeit: Anzeige/Plakat, TV-Spot, Radio-Werbung. Heute sind die Möglichkeiten und (digitalen) Formate ungleich größer. Und es kommen laufend neue dazu, während andere urplötzlich in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Wer braucht noch Apps, die man erst sündhaft teuer programmiert, damit sie dann niemand benutzt? QR-Codes haben sich zum Running Gag entwickelt. Und manche sozialen Netzwerke werden als unglaubliches must-have im Media-Mix gehypet – wie Snapchat – um dann klammheimlich jede Relevanz zu verlieren (vielleicht auch nur, weil die digitalen Monopol-Giganten alles kopieren, was Snapchat ausmachte).

Zudem steht oft am Anfang gar nicht mehr so genau fest, was hinten rauskommt. Braucht der Kunde wirklich eine Anzeigen-Kampagne? Oder kann er seine Ziele über soziale Medien und dazu passende Formate viel besser erreichen. Überhaupt ist mein Job komplizierter geworden. Und er hat das träumerische vollkommen verloren. Heute wird alles getracked, gemessen, bewertet. In Echtzeit. Big Data sagt genau voraus, was mein Kunde als nächstes macht. Kampagnen werden datentechnisch bis ins Kleinste seziert. Klar: es ist schon interessant zu sehen, was funktioniert – und was nicht. Aber wie das Internet, so hat auch die Kommunikation seine Anarchie verloren. Wenn alles analysiert wird, bleibt kein Raum mehr für Interpretationen. Eine Zahl ist eine Zahl ist ein Ergebnis. Früher war mehr Fantasie. Man machte was und keiner konnte so ganz genau sagen, was eigentlich das Ergebnis war. Auch blöd. Aber es ließ Freiräume, die heutige Agenturen nicht mehr haben. Man steht immer unter dem Druck zu liefern. Nicht nur in kreativer Hinsicht, sondern auch was Effektivität angeht. Doppelt anstrengend. Ach ja: mobile first. Immer und ewig (also bis etwa 2022).

Der Beruf als Kreativer ist aber auch einfacher geworden, weil es heute viele technische Hilfsmittel gibt, die es früher nicht gab. Was habe ich früher ohne Google, Wikipedia und Co. gemacht? Ich weiß noch, wie wir bei den Hirschen ganze Jahrgänge von Zeitschriften durchblättern mussten auf der Suche nach einem ganz bestimmten Motiv (z. B. Frau mit Papagei auf der Schulter zeigt ihrem Mann einen Vogel). Das habe ich als Praktikant so oft gemacht, ich konnte manche Jahrgänge von Zeitschriften wie Tempo oder Max fast auswendig (und wir hatten unzählige Zeitschriften in kompletten Jahrgängen als Bilder-Pool). Hört sich heute crazy an, im Zeitalter von Online-Bilderdiensten. Aber jeder der diese digitalen Dienste nutzt weiß: 95% der Bilder sind Schrott und die restlichen 5% landen regelmäßig in irgendwelchen Kampagnen. Manchmal erkennt man die Oma auf dem Treppenlift-Plakat – weil man sie selbst schon mal genutzt hat. Für die Kampagne gegen Inkontinenz (Vogel des Jahres: der Granufink). Tja, nicht nur ich, auch die Gesellschaft wird immer älter. Ich war bei den Hirschen übrigens der Zeitschriften-Pate für Bravo und Bravo Girl (alle wollten die Hipster-Magazine, da dachte ich, ich nehme die blödesten). Einmal haben wir per Megaphon (das Mega-Phon konnte man am Empfang ausleihen) verzweifelte Jungmädchen-Liebesgedichte aus dem Fenster rezitiert:

Ich möchte dich spüren, Hamburg.

Ich möchte dich berühren, Hamburg.

Aber jetzt bist du weg, Hamburg.

Und mein Leben hat keinen Zweck, Hamburg.

Das Hamburg hatte ich hinten angefügt. Keinen der Chefs hatte es damals aufgeregt. Die fanden das lustig.

Was sie nicht so lustig fanden: wir Kreativen kamen dauernd zu spät. Einmal warteten die drei Gründer der Hirschen mit einem Frühstücks-Buffet am Treppenaufgang auf die Mitarbeiter (gleich neben dem Elefant). Wer pünktlich war bekam ein Brötchen, wer zu spät kam einen Anschiss. Was ziemlich ungerecht war, denn damals ging man nicht um 19 Uhr aus dem Büro. Wer um 21 Uhr ging musste sich den Scherz anhören: „Arbeitest du jetzt halbtags?“ Damals galt die 5 bis 7 Tage Woche. Zwischen 50 und 80 Stunden lang. Natürlich ohne Ausgleich in Form von Freizeit oder Geld. Allnighter galten als Auszeichnung. Jeden – analogen – Lieferdienst kannte ich auswendig. Heute ist das – zum Glück – in vielen Agenturen undenkbar. Heute haben wir einen Foodora-Flatrate, aber kaum Überstunden. Shit. In meiner jetzigen Agentur gibt es alle möglichen Arbeitszeitmodelle. In Bewerbungsgesprächen geht es oft nicht mehr um Vollzeit. Und der Job wird leidenschaftlich gemacht – aber eben in der Kernarbeitszeit und nicht mehr ab 1 Uhr nachts. Warum Agenturen heute so unattraktiv als Arbeitgeber geworden sind, liegt vielleicht auch immer noch an den schlechten Ruf von anno dazumal: Viele Überstunden und dann in Relation dazu entsprechend wenig Gehalt. Ich kann nur jedem sagen: viele Agenturen haben sich gewandelt, weil sich der Zeitgeist gewandelt hat. Jetzt gibt es normale Arbeitszeiten und auch Überstunden-Ausgleich. Alles andere würde nicht mehr funktionieren mit der Generation Z. Noch mal: früher war eben nicht alles besser.

Schließlich machen wir am Ende nur Werbung. Wir retten nicht die Welt. Überhaupt: was ist noch Werbung? Wenn man sich die großen Award-Shows anschaut, dann wird da alles ausgezeichnet, aber eben nicht mehr die schon erwähnte Dreifaltigkeit aus Anzeige, Spot, Funkie. Zwar auch, aber die Cases mit großer Bedeutung kommen heute woanders her. Wie bei der Fearless Girl Installation. Vor 20 Jahren war der sogenannte Klassiker der große Macker. Es ging eigentlich nur um den geilen TV-Spot. Am Anfang wurde sogar alles Digitale belächelt: die sollten eigentlich nur die Kampagne störungsfrei 1 zu 1 ins Web übersetzen. Webseiten waren aber auch ein spannender Experimentierraum. Ich arbeitete in jeder Zeit am Online-Auftritt für den legendären Film „Kai Rabe gegen die Vatikankiller“ mit (heute ein Tele 5 SchleFaz Kandidat). Wir haben die blödesten Dinge gemacht und einfach Spaß gehabt. Heute undenkbar. Denn: wird ja alles analysiert. Nach den Hirschen arbeitete ich sogar bei Razorfish – bis zum Platzen der New Economy Blase. Ich erlebte in London, wie etwa 30% der Belegschaft auf einmal gekündigt wurde. Das war hart. Härter ist, dass Werbung trotz aller digitalen Intelligenz und der immer weiter fortschreitenden Professionalisierung aller Werber teilweise auch dümmer wird: Influencer Marketing, bei der eine Flasche Waschmittel ohne Sinn und Verstand ins Bild platziert wird? Das ist einfach nervige Reklame. Die Liste ließe sich im Bereich Content Marketing oder Native Advertising problemlos fortsetzen. Sprengt aber hier das Browserfenster. Und soll nicht heißen, dass es in allen Bereichen auch sehr gute Beispiele gibt.

Heute sind die Klassiker-Experten von 1997 natürlich alles Digital Natives gewesen. Im Bullshit Bingo Mix einfach die gängigsten Digital-Phrasen einbauen und schon ist man mit dabei (oder schon immer dabei gewesen). Da wir uns gefühlt oder real ständig in einer Beta-Phase befinden, gibt es in unserer Branche die Gattung von Leuten, die erst mal alles gut finden, Hauptsache, es ist neu. Alles, was irgendwie älter als 5 Jahre ist, ist heute Old School. Siehe Facebook. Alles, was gerade auf den Markt kommt: supergeiles neues Ding. Siehe Snapchat. Vollkommen unkritisch. Man hat eben heute Angst den einen Zug zu verpassen, auf dem man unbedingt aufspringen sollte. Lustig fand ich auf der re:publica 2016 die Snapchat-Tutorials. War Snapchat da 2017 überhaupt noch Thema? Lustig auch, wie die ganzen Aufspringer-Typen ihre Twitter-Profile schnell mit dem Snapchat-Logo ausstatteten. Die meisten sind wieder weg. Da ich digitales und analoges Leben nicht mehr trenne sage ich: Stil schlägt immer Mode, Langfristigkeit ist besser als digitale Strohfeuer. Das wird immer wichtiger: sich klar zu machen, was ist wichtig und was nicht. Muss ich alles mitmachen oder schaue ich mir das einfach erst mal an. „Neu“ darf nicht alleine eine Bewertungskategorie sein. Bei manchen Startups, die unglaublich viel Geld einsammeln, frage ich mich, wo das Geschäftsmodell eigentlich ist. Das soll nichts mit Kulturpessimismus zu tun haben, aber Betriebswirtschaftslehre gilt eben auch im Internet. Amen. (Etwa 2013 Pleite gegangen).

20 Jahre ist eine wahnsinnig lange Phase. Meine für mich wichtigsten Stationen waren Zum Goldenen Hirschen, McCann Erickson und jetzt ressourcenmangel. Einige Erlebnisse sind für mich wichtig und unvergessen: Als ich mal im Kino saß, mein erster Spot lief und die Leute lachten. Vor 3 Jahren durfte ich Deutschland mit der lieferando Kampagne vollkalauern. Die Menschen fotografierten die Motive ab und posteten sie auf allen sozialen Netzwerken. Ich erlebte dabei auch einen konzertierten Shitstorm von Frei-Christen wegen des Wortspiels: „Jetzt Christus geliefert.“ Ein Mailing für die Telekom sorgte dafür, dass wegen eines Bomben-Alarms die Chefetage des angeschriebenen Unternehmens geräumt wurde. Das war kurz nach dem 11. September. Und mein Chef kam ganz schön ins Schwitzen. Ich durfte auf der 5th Avenue in New York shooten und mich ein wenig wie Don Draper fühlen (nur nicht so gutaussehend). Der Marketing-Chefin von Super RTL sagte ich total betrunken auf einem Event, sie sollte ihren Laden in „Super-NSDAP“ umbenennen, dann würde den Sender schlagartig jeder kennen. Ich wurde nicht gefeuert, weil sie mich trotzdem „so erfrischend“ fand. Wenn das der Führer wüsste. Ach, es gäbe noch so viel mehr zu erzählen…

Übrigens kann ich heute auf den Menschen herabblicken, der mich vor 20 Jahren als Praktikant eingestellt hat: Bernd Heusinger. Aber nur, weil ich im 4. Stock sitze und er im 2. Stock direkt gegenüber. Noch einmal vielen Dank von hier oben für die Chance. Und 20 Jahren voller Spaß, harter Arbeit und ein bisschen auch Selbstverwirklichung. Ich liebe meinen Beruf, auch wenn viele Menschen – auch zurecht – Werbung hassen. In den vielen Jahren habe ich viele interessante Menschen kennengelernt. Einige wenige wurden sogar zu Freunden. Ich bin jedenfalls immer dankbar gewesen. Denn eines hat sich seit 1997 nicht geändert: mobile first (im Sinne von immer beweglich bleiben).

 

Hat Twitter einen Schatten?

Update: Twitter hat sich zu Wort gemeldet. Laut dem Unternehmen gibt es keinen sogenannten shadowban. Das einzelne User nicht mehr angezeigt werden liegt an einem technischen Problem der Spam-Filter. Hier berichtet t3n.de darüber

http://t3n.de/news/shadowban-twitter-833350/

Gute Tage sind Tage, an denen man etwas Neues gelernt hat. So kannte ich bis gestern noch nicht den Begriff „Shadowban“. Heute bin ich schlauer. Am gestrigen Tag wies mich ein Twitter-User darauf hin, dass er meine Tweets in der Hashtag-Suche nicht mehr finden konnte. Er gab mir den Hinweis, dass mich Twitter eventuell heimlich zensierte, der Fachbegriff hierfür ist ein Shadowban. Dann können nur noch die Follower Tweets eines Users sehen, alle anderen nicht mehr.

Es gibt sogar eine Seite, auf der man testen kann, ob Twitter einen Shadowban gegen einen User erwirkt hat. Mein Test fiel positiv (und damit negativ) aus. Twitter hatte mich – ohne mein Wissen und ohne eine Begründung – zensiert. Ich bin ein Twitter-Nutzer, der gerne zu tagespolitischen Dingen Tweets schreibt und oft auch politische Hashtags nutzt. Ich vertrete meine Meinung (die wahrscheinlich einige als linken Mainstream ansehen) offen und selbstbewusst. Dafür werde ich oft angefeindet oder ab und an sogar bedroht.

Genau wegen solcher Hass-Kommentare ist der Plan entstanden, mit einem Gesetz diesen Umgangston einzuschränken. Denn: Man darf Menschen – auch im Internet – nicht an Leib und Leben bedrohen und denken, dies wäre eine Meinung. Hass ist keine Meinung und wird es auch nie sein. Jemanden zu sagen, er gehöre aufgeknüpft oder alle Flüchtlinge an die Wand gestellt – das war nie eine sachliche Meinung und wird es auch nie sein. Und mir persönlich ist es egal, ob Bedrohungen von links oder rechts kommen – jede Äußerung dieser Art gehört unterbunden und ggf. bestraft. Der Ton im Netz muss wieder zivilisierter werden. Grenzen in Diskussionen müssen gesetzt werden (dabei lieben doch gerade rechte Hetzer Grenzen so gern!). Jeder kann sagen: Ich lehne Merkels Politik ab. Keiner sollte sagen dürfen: IM Erika an den Galgen. Ist das so schwer? Jeder darf seine Meinung frei äußern – auch in Zukunft. Es geht also nicht um die Meinungsfreiheit. Es geht um Bedrohungen, Beleidigungen und ähnliches.

Nun hatte es also mich erwischt (wenn das Tool, mit dem man den Shadowban testen konnte vertrauenswürdig ist). Warum? Das weiß ich bis jetzt nicht. Vielleicht liegt es an den Hashtags, die ich nutze. Oder ich habe ein Wort genutzt, das auf einer Blacklist steht und ein Algorithmus hat mich automatisch gesperrt. Ich bin weiterhin dafür, dass Twitter oder Facebook verpflichtet werden, Hass auf ihren Seiten zu unterbinden. Aber: die Mittel dafür müssen geeignet sein. Wie kann man zum Beispiel das Verhalten eines Users ändern, wenn man ihm nicht klar sein Fehlverhalten aufzeigt. Einfach jemanden heimlich zu sperren, ändert gar nichts. Das ist eigentlich einfachste Klippschule der Erziehung. Wer sich nur selbst Regeln gibt, die aber nicht transparent macht, sorgt am Ende nur, dass die üblichen Verdächtigen mal wieder eine Weltverschwörung wittern.

Ich mache das nicht. Wie gesagt, die Richtung stimmt, falls es Twitter bei den Sperrungen wirklich um die Eindämmung von Hass geht. Aber: solche Aktionen müssen transparent gemacht werden. Jeder muss wissen, wofür er und wie lange er mit einem Shadowban belegt wurde. Nur so kann man langfristig das Verhalten ändern.

Jetzt machen sich viele dieser Kolja Bonke Profilbild User über mich lustig: Schau mal, eben noch getwittert, dass man Hass zensieren muss und nun wird er selbst gesperrt. Klar, irgendwie lustig. Letztlich aber denke ich, ist eine Nachricht gut: Twitter macht endlich mal was. Letztes Jahr zum Beispiel meldete ich einen Account, der mir den Hals aufschlitzen wollte. Kurze Zeit später meinte Twitter: alles in Ordnung, der Tweet verstößt nicht gegen die Community-Standards.

Ich frage mich daher: was muss ich nur geschrieben haben, dass mich der Shadowban traf?

 

 

 

 

 

 

 

 

General Franco A. Kaserne (Madrid).

Mit einem Offizier Namens Franco haben schon ganz andere Länder hervorragende Erfahrungen in Sachen Demokratie gemacht. Das mag dem einen oder anderem spanisch vorkommen, aber ist so. Oberleutnant Franco A. schließlich, hat die Bundeswehr um einen Nazi-Skandal bereichert. Da erzittert sogar die unerzitterbare Betonfrisur der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (7 Kinder, Mutterkreuz in Gold).

Schlappe 61 Jahre nach der Gründung der Bundeswehr, wird deswegen aufgeräumt: das Wehrmachtserbe soll aus den Kasernen verschwinden (aus den Vitrinen, nicht den Köpfen) und Kasernen endlich umbenannt werden. Bis heute werden militärische Einrichtungen nach Nazi-Offizieren benannt. Darüber wurde bis jetzt nicht so viel Rommel gemacht, aber nun ist das Schlamassel da.

Wir haben hier einige Vorschläge für neue Kasernen-Namen gesammelt. Streng rechtsstaatlich und ohne Nazi-Vergangenheit.

Käpt’n Iglo Marine-Stützpunkt

Dieser Name setzt Fisch- und Maßstäbchen: Bei Käpt’n Iglo ist wirklich nur die Industrie-Panade braun – und die sogar nur hellbraun (aber bitte nicht zulange anbraten). Er ist als weltoffener Kosmopolit auf allen Weltmeeren zuhause und jedwede Fremdenfeindlichkeit liegt ihm mehr als fern. Er ist weder Barsch zu Untergebenen noch Lachs, was die innere Führung der Truppe angeht. Also ein idealer Kandidat. Gleichzeitig würde Iglo jeden Freitag das Essen der Kantine sponsern. Eine eindeutige Win-Win-Situation. Und falls die Rekruten die Sanitären Anlagen mal wieder nicht richtig saubergemacht hätten, würde der Spieß rufen: „IIIHH KLO!“ Kommt Aale zum Käpt’n Iglo Marinehafen!

General Bergfrühling Kaserne

Raus mit dem Muff aus 1000 Jahren (Reich) unter den (Krim-)Tartaren: die Gebirgsjäger Truppe freut sich über den frischen neuen Namen „General Bergfrühling Kaserne“. Die größte Säuberung in der Bundeswehr, seit der Ent-Nazifizierung. Da wird geschrubbt und der Namenszug gewienert. Und es riecht nicht mehr nach einem Nazi-Skandal, sondern nur noch nach General Bergfühling. Ursula von der Leyen unterstützt die Kaserne durch die Anschaffung neuer Wisch-Mobs, die leider durch Planungsfehler etwa 1,933 Milliarden Euro teurer werden. „Mit der General Bergfrühling wischen wir den Nazis in der Truppe – die es ja nicht gibt – richtig einen aus“, so die Verteidigungsministerin zum Verkaufssender Homeshopping Television.

Hauptfeldwebel Dirk Niebel Kaserne

DIe Bundeswehr war stets eine Armee, die auf dem Teppich bleibt: daher passt Ex-Soldat Dirk Niebel hervorragend als Namensgeber für die Logistik-Kaserne eines Transport-Bataillons. „So viele Ex-Nazis waren nach dem Krieg ja nicht in der FDP, mal abgesehen vom Naumann Kreis“, meint der ehemalige Fallschirmjäger Niebel zackig. Statt Panzerlied, sollte seiner Meinung nach mehr Wagners Niebelungen-Saga in der Truppe geschmettert werden. „Ohne voreingenommen zu sein: Dirk Niebel ist ein hervorragender Name für eine Kaserne.“ (Zitat: Dirk Niebel). Als nächstes will von der Leyen mit einem Niebel-Werfer ausrüsten. „Das Gerät kostet etwa 34 Milliarden Euro (pro Stück), es ist ein fliegender Teppich, von dem Niebelkerzen abgeworfen werden können.“ Tarnen und täuschen ist hier die Devise.

Captain Jack Barracks

Hey, yo Captain Jack! Vergesst Henning von Tresckow, hier kommt der Schleifer vom Eurodance. Die absolute Nummer 1 unter den nicht Nazi verdächtigen Offizieren. Im Gegenteil. Er ist schwarz und nicht braun, wie so mancher Namenspatron heutiger Bundeswehr-Einrichtungen. Selbst gute Musik Totalverweigerer DJ Bobo ist begeistert: „Captain Jack steht in der Tradition der Helenefischerisierung deutscher Unteroffiziersmessen, sein moderner Sound bricht mit Liedgut, dass nationalsozialistisch geprägt ist.“ Denn nicht nur bei Kasernen-Namen, auch Bundeswehr-Lieder bedürfen einer Generalüberholung – und wenn’s von einem Captain ist. Bring me back tot he railroad track.

Major Tom Fliegerhorst

Völlig losgelöst von der Demokratie gab es Kasernen, die jahrzehntelang nach dem überzeugten Nazi und Flieger-Oberst Rudel benannt wurden. Doch damit ist jetzt Schluss: dank einer neuen deutschen Welle der Umbenennungen von Bundeswehr-Kasernen. Der Major Tom Fliegerhorst greift Namenstechnisch nach den Sternen (nicht denen auf der Schulter), er setzt sich extrem hohe Ziele, um den hohen Demokratie-Ansprüchen der Verteidigungsministerin gerecht zu werden. „Demokratie ist ein sehr hohes Gut, so hoch, dass man sie nicht mal mit ausgetrecktem rechten Arm erreichen kann“, so die Ministerin. Da wird selbst der Militärische Abschirmdienst Mad!