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Jamaika-Abbruch: Das Geheim-Protokoll.

Wir dokumentieren hier die letzten Minuten vor dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen. Das Ergebnis war zum Greifen nah und am Ende doch so fern. Es reichte am Ende nur für Tropical Islands, aber nicht für Jamaika.

Wir hatten exklusiv Einblick in das Gesprächsprotokoll:

Lindner (genervt): „Zuwanderung, Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, Europa…wann geht es endlich um die wichtigen Themen?“

Merkel (verblüfft): „Welche denn?“

Lindner (energisch): „MICH!“

Kubicki (staatsmännisch): „Wir kommen jetzt zu unserer Forderung der Abschaffung der Farbfotografie. Und Einführung von schwarz-weiß Motiven. Zudem darf nur noch Christian Lindner in Feinripp Unterwäsche fotografiert werden.“

Özdemir (knallhart): „Also da sehe ich schwarz.“

Lindner (superknallhart): „Apropos Schwarzseher: Über die GEZ Abschaffung des staatlichen Zwangsrundfunks reden wir später noch!“

Kubicki (herrenwitzisch): „Ich seh übrigens Roth. Höhö.“

Roth (überrascht): „Wo? Die SPD verhandelt doch gar nicht mit.“

Kubicki: „RÜLPS“

Alle: „SCHULZ!“

Merkel (fröhlich): „Schön Herr Kubicki, dass sie auch mal etwas gehaltvolles zur Diskussion beigetragen haben.“

Seehofer (hoffnungsvoll): „Können wir nicht ein wenig schneller machen, um 20:15 Uhr kommt der Tatort. Bis dahin haben wir doch die par 235.000 offenen Streitpunkte fix weggearbeitet. Wir sind doch ganz nah beieinander.“

Dobrindt (etwas kleinlaut): „Und ich möchte noch ins Kino: Die Maut die sich nicht traut.“

Alle: „SCHNAUZE!“

Göring-Eckardt (hungrig): „Ah, da kommt unsere japanische Nudelsuppe – ich liebe atmenden Ramen! Danke lieber unterbezahlter Foodora-Fahrer.“

Lindner (erfreut): „Aber per App bestellt. Leider gibt es Menschenwürde noch nicht als App, dann wäre es für uns Liberale sogar ein interessantes Konzept.“

Özdemir (noch erfreuter): „Wenn es hier im Jamaika-Zirkus nicht klappt, gehen wir Grünen zu Roncalli: die suchen so Verbiegungs-Künstler wie uns bestimmt.“

Merkel (traurig): „Sorry Leute, hier hat sich noch niemand mit Rum bekleckert. Was ist nun?“

Lindner schaut auf sein Smartphone. Seine Werbeagentur fragt, wann endlich der Slogan geschaltet werden soll.

Lindner (hektisch): „Ich hab die Nase voll – nein, kein Koks (sonst würde ich ja weiterverhandeln) – mir reicht es. Ich werde lieber nächster Bachelor und verteile Rosen als dornige Chancen an junge Damen mit hohem Selbst-Inszenierungs-Potential ­– die passen wenigsten zu mir.“

Alle: „ABER WIR SIND DOCH FAST DURCH – NUR NOCH 200.000 STREITPUNKTE.“

Seehofer (nachdrücklich): „Aber da ist dann eine Obergrenze.“

Dobrindt (verwegen): „Und ich will noch auf Arte Harold & Maut schauen.“

Alle: „SCHNAUZE!“

Lindner (total spontan): „So ich breche das jetzt hier nach dem Regieplan meiner Werbeagentur spontan ab. (Schaut in sein Smartphone) Ich soll jetzt sagen: „Lieber aufhören, als wenn es am schönsten ist.“ Ach nee: „Live is Beta without Grüne.“ Nee, wartet mal: „Lieber nicht spontan sein, als falsch.“ Oder so was ähnliches.“

Kubicki (vorfreudig): „Und ich geh jetzt 1,5 Jahre duschen.“

Grüne: „Und wir machen auch die Biege.“

Seehofer (bayrisch): „Wie seit 5 Wochen!“

Hier bricht das Protokoll abrupt ab. Auf Instagram werden Sharepics hochgeladen. Man sieht ein Schaf, welches mit einem Rasiergerät bearbeitet wird. Unter Internet-Experten nennt man das Scher-Pic.

Der Rest ist Legende.

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Politik als Pose.

Politik ist immer auch Inszenierung. Der Kniefall von Willy Brandt in Warschau oder das Händchenhalten von Kohl mit Mitterand in Verdun – auch diese ikonischen Bilder der politischen Geschichte unseres Landes waren eher geplant als spontan. Heute leben wir in einer Inszenierungs-Gesellschaft: Instagram, Facebook und Co. sind Egomarketing-Maschinen, die jeder nutzt, um sich im möglichst besten Licht zu präsentieren. So weit, so normal. Oder eben auch nicht. Oder leider. Oder eben auch nicht. Vielleicht ist es einfach so.

Ein heutiger Großmeister der Inszenierung ist der FDP-Chef Christian Lindner. Aktuell zeigt sich dies im operettenhaften Abgang aus den Jamaika Sondierungsgesprächen. Im Stile einer eher mittelmäßigen Daily Soap wurde da unter dem Slogan „Lieber nicht regieren als schlecht“, der Wählerwillen schlichtweg ignoriert. Und wenn man ehrlich ist: außer diesem einem – durchaus prägnanten – Satz, kann eigentlich selbst bei den Verhandlern der FDP niemand so genau sagen, weshalb und warum die Gespräche abgebrochen wurden. Es bleibt alles seltsam nebulös und macht andererseits klar, woran es den Liberalen mangelt: einer klar erkennbaren Programmatik oder Inhalten neben der lauten Inszenierung von Modernität am Beispiel des Mode-Themas Digitalisierung.

Wenn man sich die Bundestagswahl-Kampagne der FDP anschaut, dann bleibt eigentlich in der Rückschau kaum was hängen, außer der Selbstbespiegelung des Christian Lindner, schwarz-weiß Fotos und einer schwarz-weiß Malerei der Zustände unseres Landes. Und natürlich: Smartphone, Start-Ups und Super-Digital alles. Always in Beta. Betarepublik Deutschland. Der Preis für den „Deutschen Bullshitbingo-Award 2017“ geht an die Freien Demokraten Die gesamte Kampagne ist flott getextet aber total inhaltsleer. Sie ist nur Behauptung. So sagte Lindner, dass Nichtstun Machtmissbrauch ist, um genau das jetzt zu machen: lieber nichts. Und dass gerade ein Aktenkoffer-Träger aus der Oberstufe auf sein Plakat schreiben lässt, dass nicht Aktenkoffer, sondern Schulranzen die Welt verändern, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Es geht eben nicht um den Inhalt, sondern nur um die richtige Pose. Es ist im Grunde scheißegal, was auf den Plakaten oder Sharepics steht, Hauptsache es hört sich gut an.

Das jetzt die Jamaika-Verhandlungen an der Zuwanderung gescheitert sein sollen (wegen der FDP, nicht der CSU) sorgt für Verwunderung: hatte man auf den Plakaten der Liberalen viele schlaue Sprüche zu vielen Dingen gelesen, Flüchtlinge gehörten nicht dazu. Ich kann mich jedenfalls an keinen Spruch erinnern. Dafür hätte es Breitband-Ausbau, mehr Polizisten und mehr Investitionen in Bildung geben können. Alles irgendwie zentrale Kern-Botschaften der Kampagne. Und Wirtschaftspolitik hätte auch wieder verfügbar sein können in unserem Land mit einem FDP Wirtschaftsminister. Das bestimmt nicht alle Forderungen der Liberalen komplett umgesetzt werden würden, ist doch völlig normal. Politik ist Kompromiss. Nur Populisten stellen ständig Maximal-Forderungen auf.

Politik ist aber kein Produkt wie ein Joghurt oder ein Turnschuh. Politik hat mehr verdient, als nur einen Slogan. Oder wenn, dann muss dieser Slogan Substanz haben und nicht nur Behauptung sein. Die SPD sagte 1998 „Wir sind bereit.“ und das war sie auch im Gegensatz zu den heutigen Sozialdemokraten (und Freidemokraten). „Lieber nicht regieren“ sagt genau das Gegenteil. Und ist im Grunde auch eine Umkehrung eines weiteren Slogans aus der Bundestagswahl-Kampagne: da hieß es noch „Bedenken second“ und man kommunizierte dadurch, wie mutig man ist. Umgemünzt auf die jetzige Situation müsste es heißen „Regieren first, Bedenken second“. Vielleicht mit kann man das der FDP mit Online-Abstimmungen oder Skype-Konferenzen schmackhaft machen? Denn wenn irgendwas digital ist, müsste die FDP dich dabei sein. Also müsste.

Letztlich kann man konstatieren: der jetzigen FDP ist die Pose wichtiger, als Politik. Funktioniert für den Moment. Aber – auch eine alte Weisheit – Politik ist kein 100 Meter Lauf, sondern ein Marathon. Aber wer in unserer schnelllebigen digitalen Welt hat noch Zeit für einen Marathon? Niemand. Und die FDP schon gar nicht. Huch, ich muss noch ein großartiges Foto auf Instagram hochladen, das geht einfacher als blöde Ausschuss-Sitzungen.

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20 Jahre sind ein Hashtag.

8. September 1997. Heute vor 20 Jahren habe ich ein Praktikum als Texter bei Zum Goldenen Hirschen in Hamburg angefangen. Begrüßt hat mich im Foyer eines Hauses an der Außenalster ein güldener Elefant des thailändischen Generalkonsulats – und die freundliche Dame vom Hirschen-Empfang. Meine erste Amtshandlung war die unfallfreie Teilnahme am sogenannten Montagsmeeting, diese wurde damals von einem der Geschäftsführer mit einem Zitat aus der Mao-Bibel eingeleitet. Man pflegte damals bei den Hirschen auch intern noch ein Punkrock-Image. Viele Dinge haben sich in den 2 Dekaden verändert, dass Montagsmeeting nicht. Im Grunde wird da über das gleiche gesprochen, wie eh und je: Was läuft auf Kunden, wer ist im Urlaub, welche Pitches stehen an. Man schaut in leere Montagsgesichter, die sich tierisch auf den Wochenstart freuen. Besonders an grauen Tagen. Nur aus der lieblichen Mao-Bibel liest niemand mehr vor. Schade eigentlich.

Wer macht schon 20 Jahre das gleiche? Heute niemand mehr. Und auch, wenn Texter heute immer noch Texter heißen, der Job hat sich rasant verändert. Als ich anfing, bestand die Arbeit aus der heiligen Dreifaltigkeit: Anzeige/Plakat, TV-Spot, Radio-Werbung. Heute sind die Möglichkeiten und (digitalen) Formate ungleich größer. Und es kommen laufend neue dazu, während andere urplötzlich in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Wer braucht noch Apps, die man erst sündhaft teuer programmiert, damit sie dann niemand benutzt? QR-Codes haben sich zum Running Gag entwickelt. Und manche sozialen Netzwerke werden als unglaubliches must-have im Media-Mix gehypet – wie Snapchat – um dann klammheimlich jede Relevanz zu verlieren (vielleicht auch nur, weil die digitalen Monopol-Giganten alles kopieren, was Snapchat ausmachte).

Zudem steht oft am Anfang gar nicht mehr so genau fest, was hinten rauskommt. Braucht der Kunde wirklich eine Anzeigen-Kampagne? Oder kann er seine Ziele über soziale Medien und dazu passende Formate viel besser erreichen. Überhaupt ist mein Job komplizierter geworden. Und er hat das träumerische vollkommen verloren. Heute wird alles getracked, gemessen, bewertet. In Echtzeit. Big Data sagt genau voraus, was mein Kunde als nächstes macht. Kampagnen werden datentechnisch bis ins Kleinste seziert. Klar: es ist schon interessant zu sehen, was funktioniert – und was nicht. Aber wie das Internet, so hat auch die Kommunikation seine Anarchie verloren. Wenn alles analysiert wird, bleibt kein Raum mehr für Interpretationen. Eine Zahl ist eine Zahl ist ein Ergebnis. Früher war mehr Fantasie. Man machte was und keiner konnte so ganz genau sagen, was eigentlich das Ergebnis war. Auch blöd. Aber es ließ Freiräume, die heutige Agenturen nicht mehr haben. Man steht immer unter dem Druck zu liefern. Nicht nur in kreativer Hinsicht, sondern auch was Effektivität angeht. Doppelt anstrengend. Ach ja: mobile first. Immer und ewig (also bis etwa 2022).

Der Beruf als Kreativer ist aber auch einfacher geworden, weil es heute viele technische Hilfsmittel gibt, die es früher nicht gab. Was habe ich früher ohne Google, Wikipedia und Co. gemacht? Ich weiß noch, wie wir bei den Hirschen ganze Jahrgänge von Zeitschriften durchblättern mussten auf der Suche nach einem ganz bestimmten Motiv (z. B. Frau mit Papagei auf der Schulter zeigt ihrem Mann einen Vogel). Das habe ich als Praktikant so oft gemacht, ich konnte manche Jahrgänge von Zeitschriften wie Tempo oder Max fast auswendig (und wir hatten unzählige Zeitschriften in kompletten Jahrgängen als Bilder-Pool). Hört sich heute crazy an, im Zeitalter von Online-Bilderdiensten. Aber jeder der diese digitalen Dienste nutzt weiß: 95% der Bilder sind Schrott und die restlichen 5% landen regelmäßig in irgendwelchen Kampagnen. Manchmal erkennt man die Oma auf dem Treppenlift-Plakat – weil man sie selbst schon mal genutzt hat. Für die Kampagne gegen Inkontinenz (Vogel des Jahres: der Granufink). Tja, nicht nur ich, auch die Gesellschaft wird immer älter. Ich war bei den Hirschen übrigens der Zeitschriften-Pate für Bravo und Bravo Girl (alle wollten die Hipster-Magazine, da dachte ich, ich nehme die blödesten). Einmal haben wir per Megaphon (das Mega-Phon konnte man am Empfang ausleihen) verzweifelte Jungmädchen-Liebesgedichte aus dem Fenster rezitiert:

Ich möchte dich spüren, Hamburg.

Ich möchte dich berühren, Hamburg.

Aber jetzt bist du weg, Hamburg.

Und mein Leben hat keinen Zweck, Hamburg.

Das Hamburg hatte ich hinten angefügt. Keinen der Chefs hatte es damals aufgeregt. Die fanden das lustig.

Was sie nicht so lustig fanden: wir Kreativen kamen dauernd zu spät. Einmal warteten die drei Gründer der Hirschen mit einem Frühstücks-Buffet am Treppenaufgang auf die Mitarbeiter (gleich neben dem Elefant). Wer pünktlich war bekam ein Brötchen, wer zu spät kam einen Anschiss. Was ziemlich ungerecht war, denn damals ging man nicht um 19 Uhr aus dem Büro. Wer um 21 Uhr ging musste sich den Scherz anhören: „Arbeitest du jetzt halbtags?“ Damals galt die 5 bis 7 Tage Woche. Zwischen 50 und 80 Stunden lang. Natürlich ohne Ausgleich in Form von Freizeit oder Geld. Allnighter galten als Auszeichnung. Jeden – analogen – Lieferdienst kannte ich auswendig. Heute ist das – zum Glück – in vielen Agenturen undenkbar. Heute haben wir einen Foodora-Flatrate, aber kaum Überstunden. Shit. In meiner jetzigen Agentur gibt es alle möglichen Arbeitszeitmodelle. In Bewerbungsgesprächen geht es oft nicht mehr um Vollzeit. Und der Job wird leidenschaftlich gemacht – aber eben in der Kernarbeitszeit und nicht mehr ab 1 Uhr nachts. Warum Agenturen heute so unattraktiv als Arbeitgeber geworden sind, liegt vielleicht auch immer noch an den schlechten Ruf von anno dazumal: Viele Überstunden und dann in Relation dazu entsprechend wenig Gehalt. Ich kann nur jedem sagen: viele Agenturen haben sich gewandelt, weil sich der Zeitgeist gewandelt hat. Jetzt gibt es normale Arbeitszeiten und auch Überstunden-Ausgleich. Alles andere würde nicht mehr funktionieren mit der Generation Z. Noch mal: früher war eben nicht alles besser.

Schließlich machen wir am Ende nur Werbung. Wir retten nicht die Welt. Überhaupt: was ist noch Werbung? Wenn man sich die großen Award-Shows anschaut, dann wird da alles ausgezeichnet, aber eben nicht mehr die schon erwähnte Dreifaltigkeit aus Anzeige, Spot, Funkie. Zwar auch, aber die Cases mit großer Bedeutung kommen heute woanders her. Wie bei der Fearless Girl Installation. Vor 20 Jahren war der sogenannte Klassiker der große Macker. Es ging eigentlich nur um den geilen TV-Spot. Am Anfang wurde sogar alles Digitale belächelt: die sollten eigentlich nur die Kampagne störungsfrei 1 zu 1 ins Web übersetzen. Webseiten waren aber auch ein spannender Experimentierraum. Ich arbeitete in jeder Zeit am Online-Auftritt für den legendären Film „Kai Rabe gegen die Vatikankiller“ mit (heute ein Tele 5 SchleFaz Kandidat). Wir haben die blödesten Dinge gemacht und einfach Spaß gehabt. Heute undenkbar. Denn: wird ja alles analysiert. Nach den Hirschen arbeitete ich sogar bei Razorfish – bis zum Platzen der New Economy Blase. Ich erlebte in London, wie etwa 30% der Belegschaft auf einmal gekündigt wurde. Das war hart. Härter ist, dass Werbung trotz aller digitalen Intelligenz und der immer weiter fortschreitenden Professionalisierung aller Werber teilweise auch dümmer wird: Influencer Marketing, bei der eine Flasche Waschmittel ohne Sinn und Verstand ins Bild platziert wird? Das ist einfach nervige Reklame. Die Liste ließe sich im Bereich Content Marketing oder Native Advertising problemlos fortsetzen. Sprengt aber hier das Browserfenster. Und soll nicht heißen, dass es in allen Bereichen auch sehr gute Beispiele gibt.

Heute sind die Klassiker-Experten von 1997 natürlich alles Digital Natives gewesen. Im Bullshit Bingo Mix einfach die gängigsten Digital-Phrasen einbauen und schon ist man mit dabei (oder schon immer dabei gewesen). Da wir uns gefühlt oder real ständig in einer Beta-Phase befinden, gibt es in unserer Branche die Gattung von Leuten, die erst mal alles gut finden, Hauptsache, es ist neu. Alles, was irgendwie älter als 5 Jahre ist, ist heute Old School. Siehe Facebook. Alles, was gerade auf den Markt kommt: supergeiles neues Ding. Siehe Snapchat. Vollkommen unkritisch. Man hat eben heute Angst den einen Zug zu verpassen, auf dem man unbedingt aufspringen sollte. Lustig fand ich auf der re:publica 2016 die Snapchat-Tutorials. War Snapchat da 2017 überhaupt noch Thema? Lustig auch, wie die ganzen Aufspringer-Typen ihre Twitter-Profile schnell mit dem Snapchat-Logo ausstatteten. Die meisten sind wieder weg. Da ich digitales und analoges Leben nicht mehr trenne sage ich: Stil schlägt immer Mode, Langfristigkeit ist besser als digitale Strohfeuer. Das wird immer wichtiger: sich klar zu machen, was ist wichtig und was nicht. Muss ich alles mitmachen oder schaue ich mir das einfach erst mal an. „Neu“ darf nicht alleine eine Bewertungskategorie sein. Bei manchen Startups, die unglaublich viel Geld einsammeln, frage ich mich, wo das Geschäftsmodell eigentlich ist. Das soll nichts mit Kulturpessimismus zu tun haben, aber Betriebswirtschaftslehre gilt eben auch im Internet. Amen. (Etwa 2013 Pleite gegangen).

20 Jahre ist eine wahnsinnig lange Phase. Meine für mich wichtigsten Stationen waren Zum Goldenen Hirschen, McCann Erickson und jetzt ressourcenmangel. Einige Erlebnisse sind für mich wichtig und unvergessen: Als ich mal im Kino saß, mein erster Spot lief und die Leute lachten. Vor 3 Jahren durfte ich Deutschland mit der lieferando Kampagne vollkalauern. Die Menschen fotografierten die Motive ab und posteten sie auf allen sozialen Netzwerken. Ich erlebte dabei auch einen konzertierten Shitstorm von Frei-Christen wegen des Wortspiels: „Jetzt Christus geliefert.“ Ein Mailing für die Telekom sorgte dafür, dass wegen eines Bomben-Alarms die Chefetage des angeschriebenen Unternehmens geräumt wurde. Das war kurz nach dem 11. September. Und mein Chef kam ganz schön ins Schwitzen. Ich durfte auf der 5th Avenue in New York shooten und mich ein wenig wie Don Draper fühlen (nur nicht so gutaussehend). Der Marketing-Chefin von Super RTL sagte ich total betrunken auf einem Event, sie sollte ihren Laden in „Super-NSDAP“ umbenennen, dann würde den Sender schlagartig jeder kennen. Ich wurde nicht gefeuert, weil sie mich trotzdem „so erfrischend“ fand. Wenn das der Führer wüsste. Ach, es gäbe noch so viel mehr zu erzählen…

Übrigens kann ich heute auf den Menschen herabblicken, der mich vor 20 Jahren als Praktikant eingestellt hat: Bernd Heusinger. Aber nur, weil ich im 4. Stock sitze und er im 2. Stock direkt gegenüber. Noch einmal vielen Dank von hier oben für die Chance. Und 20 Jahren voller Spaß, harter Arbeit und ein bisschen auch Selbstverwirklichung. Ich liebe meinen Beruf, auch wenn viele Menschen – auch zurecht – Werbung hassen. In den vielen Jahren habe ich viele interessante Menschen kennengelernt. Einige wenige wurden sogar zu Freunden. Ich bin jedenfalls immer dankbar gewesen. Denn eines hat sich seit 1997 nicht geändert: mobile first (im Sinne von immer beweglich bleiben).

 

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Hat Twitter einen Schatten?

Update: Twitter hat sich zu Wort gemeldet. Laut dem Unternehmen gibt es keinen sogenannten shadowban. Das einzelne User nicht mehr angezeigt werden liegt an einem technischen Problem der Spam-Filter. Hier berichtet t3n.de darüber

http://t3n.de/news/shadowban-twitter-833350/

Gute Tage sind Tage, an denen man etwas Neues gelernt hat. So kannte ich bis gestern noch nicht den Begriff „Shadowban“. Heute bin ich schlauer. Am gestrigen Tag wies mich ein Twitter-User darauf hin, dass er meine Tweets in der Hashtag-Suche nicht mehr finden konnte. Er gab mir den Hinweis, dass mich Twitter eventuell heimlich zensierte, der Fachbegriff hierfür ist ein Shadowban. Dann können nur noch die Follower Tweets eines Users sehen, alle anderen nicht mehr.

Es gibt sogar eine Seite, auf der man testen kann, ob Twitter einen Shadowban gegen einen User erwirkt hat. Mein Test fiel positiv (und damit negativ) aus. Twitter hatte mich – ohne mein Wissen und ohne eine Begründung – zensiert. Ich bin ein Twitter-Nutzer, der gerne zu tagespolitischen Dingen Tweets schreibt und oft auch politische Hashtags nutzt. Ich vertrete meine Meinung (die wahrscheinlich einige als linken Mainstream ansehen) offen und selbstbewusst. Dafür werde ich oft angefeindet oder ab und an sogar bedroht.

Genau wegen solcher Hass-Kommentare ist der Plan entstanden, mit einem Gesetz diesen Umgangston einzuschränken. Denn: Man darf Menschen – auch im Internet – nicht an Leib und Leben bedrohen und denken, dies wäre eine Meinung. Hass ist keine Meinung und wird es auch nie sein. Jemanden zu sagen, er gehöre aufgeknüpft oder alle Flüchtlinge an die Wand gestellt – das war nie eine sachliche Meinung und wird es auch nie sein. Und mir persönlich ist es egal, ob Bedrohungen von links oder rechts kommen – jede Äußerung dieser Art gehört unterbunden und ggf. bestraft. Der Ton im Netz muss wieder zivilisierter werden. Grenzen in Diskussionen müssen gesetzt werden (dabei lieben doch gerade rechte Hetzer Grenzen so gern!). Jeder kann sagen: Ich lehne Merkels Politik ab. Keiner sollte sagen dürfen: IM Erika an den Galgen. Ist das so schwer? Jeder darf seine Meinung frei äußern – auch in Zukunft. Es geht also nicht um die Meinungsfreiheit. Es geht um Bedrohungen, Beleidigungen und ähnliches.

Nun hatte es also mich erwischt (wenn das Tool, mit dem man den Shadowban testen konnte vertrauenswürdig ist). Warum? Das weiß ich bis jetzt nicht. Vielleicht liegt es an den Hashtags, die ich nutze. Oder ich habe ein Wort genutzt, das auf einer Blacklist steht und ein Algorithmus hat mich automatisch gesperrt. Ich bin weiterhin dafür, dass Twitter oder Facebook verpflichtet werden, Hass auf ihren Seiten zu unterbinden. Aber: die Mittel dafür müssen geeignet sein. Wie kann man zum Beispiel das Verhalten eines Users ändern, wenn man ihm nicht klar sein Fehlverhalten aufzeigt. Einfach jemanden heimlich zu sperren, ändert gar nichts. Das ist eigentlich einfachste Klippschule der Erziehung. Wer sich nur selbst Regeln gibt, die aber nicht transparent macht, sorgt am Ende nur, dass die üblichen Verdächtigen mal wieder eine Weltverschwörung wittern.

Ich mache das nicht. Wie gesagt, die Richtung stimmt, falls es Twitter bei den Sperrungen wirklich um die Eindämmung von Hass geht. Aber: solche Aktionen müssen transparent gemacht werden. Jeder muss wissen, wofür er und wie lange er mit einem Shadowban belegt wurde. Nur so kann man langfristig das Verhalten ändern.

Jetzt machen sich viele dieser Kolja Bonke Profilbild User über mich lustig: Schau mal, eben noch getwittert, dass man Hass zensieren muss und nun wird er selbst gesperrt. Klar, irgendwie lustig. Letztlich aber denke ich, ist eine Nachricht gut: Twitter macht endlich mal was. Letztes Jahr zum Beispiel meldete ich einen Account, der mir den Hals aufschlitzen wollte. Kurze Zeit später meinte Twitter: alles in Ordnung, der Tweet verstößt nicht gegen die Community-Standards.

Ich frage mich daher: was muss ich nur geschrieben haben, dass mich der Shadowban traf?

 

 

 

 

 

 

 

 

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General Franco A. Kaserne (Madrid).

Mit einem Offizier Namens Franco haben schon ganz andere Länder hervorragende Erfahrungen in Sachen Demokratie gemacht. Das mag dem einen oder anderem spanisch vorkommen, aber ist so. Oberleutnant Franco A. schließlich, hat die Bundeswehr um einen Nazi-Skandal bereichert. Da erzittert sogar die unerzitterbare Betonfrisur der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (7 Kinder, Mutterkreuz in Gold).

Schlappe 61 Jahre nach der Gründung der Bundeswehr, wird deswegen aufgeräumt: das Wehrmachtserbe soll aus den Kasernen verschwinden (aus den Vitrinen, nicht den Köpfen) und Kasernen endlich umbenannt werden. Bis heute werden militärische Einrichtungen nach Nazi-Offizieren benannt. Darüber wurde bis jetzt nicht so viel Rommel gemacht, aber nun ist das Schlamassel da.

Wir haben hier einige Vorschläge für neue Kasernen-Namen gesammelt. Streng rechtsstaatlich und ohne Nazi-Vergangenheit.

Käpt’n Iglo Marine-Stützpunkt

Dieser Name setzt Fisch- und Maßstäbchen: Bei Käpt’n Iglo ist wirklich nur die Industrie-Panade braun – und die sogar nur hellbraun (aber bitte nicht zulange anbraten). Er ist als weltoffener Kosmopolit auf allen Weltmeeren zuhause und jedwede Fremdenfeindlichkeit liegt ihm mehr als fern. Er ist weder Barsch zu Untergebenen noch Lachs, was die innere Führung der Truppe angeht. Also ein idealer Kandidat. Gleichzeitig würde Iglo jeden Freitag das Essen der Kantine sponsern. Eine eindeutige Win-Win-Situation. Und falls die Rekruten die Sanitären Anlagen mal wieder nicht richtig saubergemacht hätten, würde der Spieß rufen: „IIIHH KLO!“ Kommt Aale zum Käpt’n Iglo Marinehafen!

General Bergfrühling Kaserne

Raus mit dem Muff aus 1000 Jahren (Reich) unter den (Krim-)Tartaren: die Gebirgsjäger Truppe freut sich über den frischen neuen Namen „General Bergfrühling Kaserne“. Die größte Säuberung in der Bundeswehr, seit der Ent-Nazifizierung. Da wird geschrubbt und der Namenszug gewienert. Und es riecht nicht mehr nach einem Nazi-Skandal, sondern nur noch nach General Bergfühling. Ursula von der Leyen unterstützt die Kaserne durch die Anschaffung neuer Wisch-Mobs, die leider durch Planungsfehler etwa 1,933 Milliarden Euro teurer werden. „Mit der General Bergfrühling wischen wir den Nazis in der Truppe – die es ja nicht gibt – richtig einen aus“, so die Verteidigungsministerin zum Verkaufssender Homeshopping Television.

Hauptfeldwebel Dirk Niebel Kaserne

DIe Bundeswehr war stets eine Armee, die auf dem Teppich bleibt: daher passt Ex-Soldat Dirk Niebel hervorragend als Namensgeber für die Logistik-Kaserne eines Transport-Bataillons. „So viele Ex-Nazis waren nach dem Krieg ja nicht in der FDP, mal abgesehen vom Naumann Kreis“, meint der ehemalige Fallschirmjäger Niebel zackig. Statt Panzerlied, sollte seiner Meinung nach mehr Wagners Niebelungen-Saga in der Truppe geschmettert werden. „Ohne voreingenommen zu sein: Dirk Niebel ist ein hervorragender Name für eine Kaserne.“ (Zitat: Dirk Niebel). Als nächstes will von der Leyen mit einem Niebel-Werfer ausrüsten. „Das Gerät kostet etwa 34 Milliarden Euro (pro Stück), es ist ein fliegender Teppich, von dem Niebelkerzen abgeworfen werden können.“ Tarnen und täuschen ist hier die Devise.

Captain Jack Barracks

Hey, yo Captain Jack! Vergesst Henning von Tresckow, hier kommt der Schleifer vom Eurodance. Die absolute Nummer 1 unter den nicht Nazi verdächtigen Offizieren. Im Gegenteil. Er ist schwarz und nicht braun, wie so mancher Namenspatron heutiger Bundeswehr-Einrichtungen. Selbst gute Musik Totalverweigerer DJ Bobo ist begeistert: „Captain Jack steht in der Tradition der Helenefischerisierung deutscher Unteroffiziersmessen, sein moderner Sound bricht mit Liedgut, dass nationalsozialistisch geprägt ist.“ Denn nicht nur bei Kasernen-Namen, auch Bundeswehr-Lieder bedürfen einer Generalüberholung – und wenn’s von einem Captain ist. Bring me back tot he railroad track.

Major Tom Fliegerhorst

Völlig losgelöst von der Demokratie gab es Kasernen, die jahrzehntelang nach dem überzeugten Nazi und Flieger-Oberst Rudel benannt wurden. Doch damit ist jetzt Schluss: dank einer neuen deutschen Welle der Umbenennungen von Bundeswehr-Kasernen. Der Major Tom Fliegerhorst greift Namenstechnisch nach den Sternen (nicht denen auf der Schulter), er setzt sich extrem hohe Ziele, um den hohen Demokratie-Ansprüchen der Verteidigungsministerin gerecht zu werden. „Demokratie ist ein sehr hohes Gut, so hoch, dass man sie nicht mal mit ausgetrecktem rechten Arm erreichen kann“, so die Ministerin. Da wird selbst der Militärische Abschirmdienst Mad!

 

 

 

 

 

 

 

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Die Pforten des Internets

Morgen beginnt die re:publica, Europas bedeutendste Blogger-Konferenz. Hier treffen sich die Meinungsführer des Netzes zum dreitägigen Meinungsaustausch. Aber wer trifft sich da eigentlich? Eine typologische Einordnung.

Der digitalsozialkritische Blogger

„Ich bin total gut auf die re:publica 17 vorbereitet: Ich habe alle wichtigen Blog-Artikel von 2010 an so umgeschrieben, dass ich nun als völlig visionär dastehe. Schon 2010 warnte ich vor einem Zweiklassen-Netz, die drohende Drosselung der Telekom erkannte ich schon damals am Modem-Horizont und Acta hatte ich auch noch nicht ad acta gelegt. Kurzum: bei allen anderen digitalsozialkritischen Bloggern auf der re:publica, die das auch gemacht haben, bin ich auf Augenhöhe. Natürlich habe ich wie jedes Jahr alte gepimpte Blog-Artikel noch mal auf Facebook (böse) und Twitter (janusköpfig) gepostet: ‚Was ich schon 2010 zur Netzneutralität VOR der #rp17 schrieb…’ – schließlich muss ich ja als digitalsozialkritischer Blogger mein netzpolitisches Profil VOR der Blogger-Messe schärfen. Bloggen ist ein knallharter Wettbewerb um die Deutungshoheit unter Deutungshoheiten, die niemand als Deutungshoheiten anerkennt. Und der geht auf so einer Veranstaltung natürlich munter weiter. Ach so: Ich hatte selbstverständlich schon 2008 einen Vorschlag für ein Internet-Logo, lieber Sascha Lobo: ( @ ) – hatte ich natürlich nicht, aber man muss sich ja positionieren: digitalsozialkritisch (den Begriff hab ich gecloudt).”

Der Elite-Blogger

„Ein Pflichttermin. Irgendwie eine 1.0 Veranstaltung. Aber Begriffe wie 1.0 oder 2.0 nutze ich natürlich nicht, das wäre ja 1.0 (habe ich jetzt nicht gesagt). Wichtigste Aufgabe: Wie positioniere ich mich gegenüber dem Elite-Eliteblogger Lobo. Positiv kritisch, negativ kritisch oder ‘HALT MAL DIE SCHNAUZE, SCHNÄUZER’. Mal sehen. Ich vergleiche die re:publica mit einem alten Witz: ‚Was ist schwerer: 1 Tonne Gold oder 1 Tonne Federn?’ NA? Wissen Sie’s? Beides natürlich gleich schwer. Nur die Telekom z.B. ist die 1 Tonne Gold, die hat alleine immenses Gewicht als Unternehmen. Und wir, die Netzgemeinde, wir sind 1 Tonne Federn. Zusammen hätten wir das gleiche Gewicht, aber weil wir Federn ja bei jedem kleinen Windzug in alle Himmelsrichtungen verstreut werden, sind wir viele, viele kleine Federchen. Isoliert und klein und ohne Bedeutung respektive Gewicht. Einmal im Jahr kommen wir hier in Berlin zusammen, dann wiegen wir wenigsten 243 Kilogramm. Apropos: Ich müsste auch mal wieder abnehmen. Als Elite-Blogger stehe ich natürlich hier im Rampenlicht: ich bin ein Meinungs-König im Netz. Leider stellt sich jedes Jahr heraus, dass das Internet eine globale Sache ist. Doch wir sind nicht wie James Cameron König dieser Welt, sondern höchstens Freiherrn in einem immer weniger freien Netz. Einmal im Jahr hält unser Kaiser Sascha Lobo seine Krönungsmesse. Dann stellt sich heraus, dass er auch nur Großherzog von Luxemburg ist. Weiß einer die Endung von luxemburgischen Internet-Seiten? Gleich mal googlen – ach nee, die sind die Bösen. Was ich mir für die nächste re:publica wünsche: Mehr Gewicht für die Bloggosphäre. Vielleicht könnten wir die gesamte Internetgemeinde in ein Kissen stopfen. Darauf könnte Kaiser Lobo sein Haupt ruhen, und wir schlafen zusammen, und wenn wir schweißgebadet aus einem Albtraum aufwachen, ist alles Wirklicheit: Drosselkom, VDS, ACTA und all die anderen Sachen, gegen die selbst Elite-Blogger machtlos sind. Jemand ein Autogramm?“

Der Journalist und Blogger

“Wir Journalisten sind die ärmsten Säue. Oder soll ich sagen die ärmsten Wollmilchsäue? Wir müssen heute alles können: schreiben, kommentieren, einordnen (nur nicht die Unterlagen auf unserem Schreibtisch), entertainen, twittern, bloggen, privat und öffentlich sein. Wir sind Hans-Joachim Friedrichs, Rudi Carrell und die Kessler-Zwillinge zusammen. Ganz schön anstrengend. Die Blogger hier muss man auch alle irgendwie wichtig finden, dabei nehmen die mir am Ende noch den Job weg. Und nerven in einer Tour. “Zukunft des Journalismus” – ich kann ihnen sagen, wie die aussieht: Geltungssüchtige Blogger schreiben für 0€ genauso gut oder besser wie ich. Dabei wurde ich doch an einer Elite-Akademie ausgebildet. Was lernt man da eigentlich? Zumindest journalistisches Ethos. Native Advertising käme für mich nie in Frage, oder höchstens wenn der Preis stimmt. Schließlich verdiene ich mit Journalismus nichts mehr. Scheiß-Internet und WLAN funktioniert hier auf der #rp14 auch wieder nicht.”

Die Mitläufer Bloggerin

„BOAH, bin ich aufgeregt. Ich lerne die jetzt alle mal PERSÖNLICH kennen. Alle die Elite-Blogger und so. Die sind ja extrem schlau. Also ich auch. Aber die auch. Sowieso alle da auf der re:publica. WIR sind die Netzelite. Auch wenn mein Blog jetzt nur durchschnittlich 56 Besucher hat (von denen 54 Besuche von mir kommen). Doch ansonsten gehöre ich dazu. Zumindest auf der Blogger-Messe. Hach, wird das schön einfach mal mit den Leuten von Twitter und Facebook tratschen. Über das Wetter und so. Soll ja schön werden. Also das Wetter, nicht nur die re:publica. Aber die wird ja immer schön, auch wenn das Wetter nicht schön ist. Ein bisschen ist die re:publica ja wie 1, 2 oder 3: „Stage 1, 2 oder 3 – du musst dich entscheiden, 3 Veranstaltungen sind frei. Plopp, plopp, das heißt Stopp.“ Ok, dann gehe ich jetzt in „Zukunft eines feministischen Netzes unter Berücksichtigung von Maybritt Illner“. Oh, da redet ein Mann. Wie passend. ALLES IST SOOOO AUFREGEND. Eben habe ich ich den Johnny Häussler gesehen. Finde, der rote Iro steht ihm nicht. So. Vom Prinzip finde ich erst mal alles gut, hatte eben eine interessante Unterhaltung:

“Ich bin Blogger.”
“Ich auch.”
“Ich bin digitalsozialkritisch.”
“Ich auch.”
“Ich bin für Netzneutralität.”
“Ich auch.”
“Ich.”
“Ich auch.”

ICH LIEBE DIE #RP17.”

Der Food-Blogger

Das Essen ist eine Katastrophe. Mal ganz ehrlich: Veganes Buffet – wer soll den Kram runterkriegen. Hätte Bock auf ein @happyschnitzel, aber Kannibalen soll es hier ja nicht geben. Außer man lässt die Tatsache außer Betracht, dass sich die Netzgemeinde gegenseitig kannibalisiert. Ein Fressen und Gefressen werden von Aktionen, Aktiönchen und Facebook-Gruppen. Gehe hier mit meiner innovativen Idee eines nordkoreanischen Food-Blogs hausieren. Da meinte ein anderer Besucher, dass es in Nordkorea weder Essen noch Internet gibt. Aber genau das ist doch die Innovation: über etwas schreiben, was es nicht gibt. Denn in einem Netz, in dem es sowieso schon alles gibt, muss es doch wenigstens etwas geben, was es nicht gibt. Wird zwar schwer, aber ich schnibbel mir das zurecht. So und jetzt reicht’s, ich hab Hunger. Gibt es hier zumindest irgendwo Hirnnahrung? Ah auf Stage 3: „Reflexionen über die Netzneutralität am Beispiel der Schweiz“. Dann doch lieber ein paar Nüsse.”

Der US Blogger

Ich verdiene mit meinem Blog 100.000 Dollar im Jahr. Tendenz steigend. Wenn ich mir dann diese Hobby-Blogger auf der re:publica ansehe, wie sie sich über Micro-Donations auf flattr freuen. Leute, Leute. I put the Business into Internet-Business. Während die Start-Ups für Milliarden verkauft werden, diskutiert dieses Netz-Prekariat, das sich die 100 Euro Eintritt von den Eltern geborgt hat, darüber, wie man über etwas diskutieren kann. Die drehen sich hier alle um sich selbst und halten das für eine lustige Karussellfahrt, dabei laufen sie sich nur selbst hinterher wie die Katze ihrem Schwanz. Von Innen sieht ein Hamsterrad auch aus wie eine Karriereleiter. Vielleicht sollten die einfach mal Geld verdienen wollen und nicht nur drüber reden. Denn reden ist Silber, Bloggen ist Gold.”

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5 Dinge, die Frauke Petry jetzt machen kann.

 

  1. Tatort Kommissarin in Braunau am Inn

Beim Tatort darf mittlerweile ja jeder ermitteln – sogar Til Schweiger aka Wehrmacht-Feldwebel Hugo Stiglitz. Kein Wunder, dass die ArD der größten Krimi-Reihe aller Zeiten (GröKaz) mit Frauke Petry einen weiteren Push geben will. „Wir rechnen bei ihrem ersten Fall aus Branau am Inn mit 19,33 Millionen Zuschauern“, so der ArD Programm-Direktor. In dem Fall geht es um einen vollkommen überraschenden Anschlag auf ein Flüchtlingsheim. Für Kommissarin Petry ist die Sache klar: „Dummer Jungen-Streich!“ Das sieht ihr Kollege Höcke von der Polizei Sachsen/Thüringen genauso. „Nazis sollen das gemacht haben? Aber warum denn?“ Gute Frage, nächste Frage. Die restlichen 89 Minuten versucht Petry wenigstens noch den Euro zu retten. Scheitert aber auch daran. Schluss ist für Petry erst ab 19,45. Also Millionen Zuschauer. Aber bis dahin hat sie ja noch 12 Jahre Zeit.

  1. Geschäftsführerin des BER

Frauke Petry kennt sich mit Pleiten aus. Daher wäre sie die geborene Geschäftsführerin des Berliner Erfolgsprojekts Groß-Flughafen. „Wer Bücher verbrennen kann, kann auch Geld verbrennen“, meint sehr selbstbewusst Frau Petry. „Und nichts gebacken bekommen, habe ich auch bei der Alternative für Deutschland.“ Beim BER könnte sie jeden Tag 1 Millionen Euro in den Wind schießen. Für die erklärte Euro-Gegnerin ein Traum. „Noch nicht mal die Storch könnte hier fliegen, höhöhöhö.“ Ihren Humor hat sie nicht verloren, nur ihr Spitzen-Amt. Auch ein Eröffnungs-Datum schwebt ihr schon vor: „Am 30. Januar 2033 wird der Großflughafen mit einem großartigen Fackelzug feierlich eröffnet.“ Sie fackelt halt nicht gern lange. Nur am Namen will sie noch mal feilen: „Willy-Brandt-Flughafen geht gar nicht, genau wie die Entrauchungsanlage nicht geht.“ Sie würde den Airport gerne „Bernd Lucke Flughafen“ nennen. Begründung: „Der ist wenigstens schon mal geflogen – bei der AfD.“

  1. CSU Generalsekretärin

Kennen Sie den Unterschied zwischen der CSU und der AfD? Wir auch nicht. Daher wäre Frauke Petry die geborene Nachfolgerin für Andreas Scheuer. Ihr einziger Nachteil: sie ist eine Frau, die haben in Führungspositionen bei den Christ-Sozialen sonst eher keine bis gar keine Chance. Aber mit einer ordentlichen Testosteron-Behandlung könnte sie programmatisch auch Horst Seehofer und den Rest der Männer-Gang überzeugen. „Die CSU ist auch für eine Obergrenze bei Flüchtlingen und da es noch keine 200.000 AfD Flüchtlinge gibt, habe ich gute Chancen in München aufgenommen zu werden“, kündigt Petry an. „Ich habe auch schon angefangen bayrisch zu lernen, schließlich will ich den Unsinn endlich verstehen, den Söder so von sich gibt.“ Sie bringt auch gleich einen bunten (Franz-Josef) Strauß voller Ideen mit: unter anderem eine Mauer zwischen Bayern und Deutschland, die Mexiko bezahlen muss. Da legst di nieder. (Sie lernt noch bayrisch).

  1. BILD Chefredakteurin

Sie kann sehr gut hetzen, super Stimmung machen gegen Minderheiten aller Art (Asylanten, Hartz4er, linksgrünversiffte) und mag Sex!!! Frauke Petry ist wie geschaffen als neue Chefredakteurin der BILD (Alternativ: BILD Girl September 1939). Mega-Plus: Mit der Wahrheit nimmt sie es auch nicht immer so genau und nutzt gefälschte Informationen, um damit Menschen zu verführen. Es kann also eigentlich niemand besseren geben, der im Springer-Hochhaus ans BILD-Ruder kommt. Frauke Petry würde die Volksprodukt-Linie erfolgreich erweitern: Volks-Stacheldrahtzaun, Volks-Molotowcocktail oder Volks-Merkelgalgen würden zu echten Verkaufsschlagern bei einer zahlungskräftigen Gruppe der Silver Surfer. Ihr Motto: Das wird man doch noch mal schreiben dürfen. In einer 18-teiligen Serie zeigt sie auf, wie Flüchtlinge und Asylbewerber den deutschen Sozialstaat betrügen. Gleichzeitig macht sich die Petry-BILD dafür stark, dass keine Vermögenssteuer eingeführt wird. Das sind ja schließlich die Leistungswilligen der Gesellschaft. Mit Kai Diekmann zusammen entwickelt sie den Slogan: „Deutschland UBER alles.“ Und zeigt in einer 88-teiligen Serie, wie wichtig der Abbau des Taxi-Gewerbes ist. Natürlich total unabhängig und UBERparteilich.

  1. Teilnehmerin beim Dschungelcamp 2018

Sie bringt alles mit, was man für eine Teilnahme beim Dschungelcamp braucht: beruflich gescheitert, Pleite gegangen und der Promi-Status reicht höchstens noch für Autohauseröffnungen unter Kameraden in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern oder Germania – pardon: Berlin. Sie würde klaglos auf Krokodil-Penis rumkauen und immer wieder am Lagerfeuer nach dem Rechten schauen (Höcke ist aber leider nicht da). Als Lager Eva (Braun) übernimmt sie die Rolle der Giftschlange, die hinter dem Rücken über andere ablästert. An Gauland und Poggenburg lässt sie kein gutes Haar. Sie wird mit Kakerlaken und Schleim überschüttet und fühlt sich gleich wie zuhause – beim AfD Parteitag. Im Camp rühmt sie die australische Einwanderungspolitik und deren Internierungslager. „Die lassen niemanden rein, nur Leute die was können.“ Am nächsten Tag müssen die Camp-Insassen auf Geheiß der australischen Behörden geschlossen das Land verlassen. Es wird das erste Dschungel-Camp ohne Sieger. Das erinnert Frauke Petry wiederum an ihre AfD: nur Verlierer.

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Referendumm und dümmer.

Zum Glück haben wir Deutschen beim Thema Integration alles richtig gemacht, nur die Deutsch-Türken sind mal wieder zu dumm und wählen eine Diktatur. Das hätten wir Deutschen nie gemacht, fragt mal unsere Groß- und Ur-Großeltern. Schließlich waren/sind wir eine Kulturnation, während bei den Türken höchstens der Döner-Spieß Pirouetten dreht. Erst letztens wollten wir extra für unsere muslimischen Mitbürger eine Schweinefleischpflicht an deutschen Schulen einführen. Uns kann wirklich niemand einen Vorwurf machen, wir haben wirklich alles getan.

Sie bekamen die besten Jobs bei der Müllabfuhr, den Putzkolonnen oder an den Fließbänden der Nation. Dankbarkeit? Null. Unsere Hintertüren und -herzen standen Ihnen als Paketboten (Hèrmes) fast ständig offen. Und wenn wir mal Türkenwitze erzählten, dann nur wirklich lustige (Was ist blau und schwimmt im Fluss? Türke im Müllsack!) Die paar Brände ihrer Häuser in den 90ern würde die Polizei Sachsen heute als dumme Jungen-Streiche bezeichnen. Wer kann sagen, ob Nazis Brandstifter waren? Das sind alles nur Vermutungen. Ach ja: Ostern feiern die ja nicht mit Feuer.  Die Muselmanen.

An der Uni lernten wir sehr viele türkische Mitbürger kennen: sie kehrten das Laub am Campus zusammen oder reinigten die Klos. Es soll niemand behaupten, wir hätten ihnen keinen roten Teppich mit Halbmond dorthin ausgerollt. Den Bachelor kannten sie nur aus dem Trash-TV (wenn sie die komische Sprache verstanden, die dort gesprochen wurde).  Im Polizeiwagen durften sie immer hinten mitfahren, wie die Chabos in den Stretch-Limousinen. Es gab aber keine Drogen, sondern Verurteilungen. Naja, und dann Drogen: im Knast.

Unheimlich viele unsere Freunde sind Türken. Also nicht in echt, aber im Fernsehen. Zum Beispiel dieser Elyas M’Barek. Der ist zwar Tunesier, aber sehen die nicht sowieso alle gleich aus und können kein Deutsch? Mordkommission Istanbul schaue ich auch total gerne, da spielt ein Spanier einen Türken (aber hey: sehen die nicht alle…). Und die Aylin Tezel ist superheiß. Warum macht die im Dortmunder Tatort nicht mal nen sexy Bauchtanz? Machen die doch alle ständig und jonglieren dabei Döner.

Während bei uns fast nur Frauen in den Dax-Vorständen sitzen, haben türkische Mädels absolut nichts zu melden. Vollkommen hinterwäldnerisch! Deutsche Männer sind Feministen durch und durch und können es nicht ertragen, wenn muslimische Frauen Burkini tragen müssen beim Schwimmen. Da sieht man deren Titten auch nicht so gut. Unmöglich. Ehrlich gesagt: die wollen sich auch nicht integrieren.

Jetzt haben 63% der Deutsch-Türken für ein Präsidial-System gestimmt. Undankbares Pack. Sie durften hier seit mehr als 50 Jahren von einem demokratischen System profitieren, das ihnen Aufstieg und Teilhabe ermöglichte und jetzt das. Wenigstens ein gutes hatte das Referendum: die Almans haben endlich mal 2 Wörter türkisch gelernt:

Hayir -> braver Türke

Evet -> dummer Türke

Der Weg zu mehr Verständnis zwischen Deutschen und Deutsch-Türken ist also bereitet.

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