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wie auch wir vergeben unsern Hatern.

Und führe uns nicht in Kommentarspalten,

sondern erlöse uns von Trump.

Denn dein ist das Like

Und der Fav und die Akkuladezeit.

In Ewigkeit, *Zwinkersmiley*

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7 Dekrete, die wir uns wirklich von Donald Trump wünschen.

 

  1. Verbot von Volksmusik-Sendungen im deutschen TV

Donald Trump schafft mit einem Federstrich die Folter ab: mit dem Verbot wird Reden Silber und Schweigen Silbereisen. Millionen atmen auf, weil Quälgeister wie Santiano, die Kastelruther Spatzen oder Patrick Linder plötzlich vom TV-Schirm verbannt werden. Zwar regt sich unter dem Hashtag #MusiBan Protest, der aber von Freunden des öffentlich-rechtlichen Rundfunkbeitrags niedergeschmettert wird. Die 17,50€ sollen laut Dekret in Zukunft sinnvoller eingesetzt werden: für die Erhöhung von Intendantengehältern und dem Einkauf von alle 14 Staffeln „The Apprentice“ mit Donald Trump.

  1. Umbenennung der CSU in AfD

Trump macht endlich Schluß mit dem Rumgeeiere: ab sofort lassen Seehofer, Scheuer, Söder, Aigner und Co (auch zärtlich SS und SA genannt) die Biedermannmaske fallen. Der US-Präsident: „Ich habe im Wahlkampf versprochen, die CSU in AfD umzubenennen oder sie mit der „Brüder im Geiste-Partei“ zu fusionieren, das mache ich jetzt wahr.“ Horst Seehofer ist begeistert: „Endlich kann ich mit Beatrix von Storch an der Grenze jagen gehen.“ Hoffentlich schießen sie da den Vogel ab. Nicht. Derweil bringt Scheuer mit Höcke eine ultrascharfe Currywurst-Soße raus: “Wer könnte das glaubhafter, als wir beiden Scharfmacher?” Guten Appetit!

  1. Neuer Slogan für den Focus

Der Focus war mal ein Nachrichten-Magazin. Heute besticht er als Ratgeber-Postille und verlängerter Arm von Rechtsaußen-Magazinen wie Tichys Einblick. Zudem kann niemand besser BILDplus Inhalte neu zusammenschrieben wie Focus Online. Darüber ist niemand begeisterter, als Springer selbst. Früher warb der Focus mit „Fakten, Fakten, Fakten.“ US-Beraterin Kellyanne Conway: „Heute muss es heißen Alternative Fakten, alternative Fakten, alternative Fakten.“ Die 1,5 Millionen Abonnenten des Focus sind jedenfalls begeistert.

  1. BER Eröffnungstermin festlegen (keine Fakenews)

Kürzlich schrieb der Berliner Bürgermeister an Donald Trump und endete mit dem verzweifelten Ausspruch: „Mr. Trump, don’t build this Airport.“ Der neue starke Mann der westlichen Welt, wollte zwar nicht unbedingt bei Merkel landen, aber er ist halt jemand, der die Nöte des kleinen Mannes ernst nimmt. Per Erlass legte er spontan den Eröffnungstermin auf den 31. April 2018. Dieser Termin wurde ihm von Berliner Planungsbüro als „ziemlich sicher“ gemeldet. Trump: „Meine Air Farce One ist der Stolz der heißen Lüfte.“ Damit passt sie perfekt zum Großflughafen Berlin-Schönefeld.

  1. Mauerbau 2.0

Während der Großflughafen eher ein mauer Bau ist, kennt Trump beim Mauerbau kein Pardon. Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen? Pustekuchen! Millionen Wessis atmen auf: die alte Bundesrepublik kehrt zurück. „Wir werden eine wunderschöne Mauer bauen und Mexiko wird sie bezahlen“, so der neue US-Präsident. Mexiko weiß noch nichts von seinem Glück, dass die erneute Trennung Deutschlands auf seine Kosten geht. Der geschasste Berliner Staatsskretär Andrej Holm liebäugelt sogar mit einer Rückkehr zur Grenztruppe. So hat der genialste, größte Arbeitsplatzschaffer Allah Zeiten einen Arbeitslosen von der Straße gebracht (wo er nie protestierte). Danke, Donald!

  1. Auftrittsverbot für Mario Barth

Mario Barth ist der Anti-Loriot, der immer zu spät kommt: Montags-Demos sucht er am Dienstag und auf das Sams wartet er Sonntags – natürlich – vergeblich. Und mit den Hoppenstedts würde er nie Weihnachten, sondern Ostern feiern. Nur er wundert sich darüber. Früher füllte er das Olympiastadion, heute nur noch die Timelines mit Spott, der über ihn ausgegossen wird. Seinen letzten guten Witz landete er auf dem BER (der muss wirklich für jeden Scherz herhalten). Aber endlich erlöst uns unser Meme-Messias Trump von Mario Barth: per Auftrittsverbot wird er zum Wolf Biermann des 21. Jahrhunderts. Die wahrscheinlich beste Pointe, die Mario Barth je gelungen ist.

7. Fake-News verbieten

Trump setzt Ex-Breitbart Chef Steve Bannon ein, um bei bei ARD und ZDF mit den Fake-News aufzuräumen. “Die Mainstream-Medien berichten immer das gleiche, gestern zum Beispiel meldeten beide -3 Grad und Sonne für Berlin.”  Damit ist jetzt Schluss: denn bei ARD und ZDF stehen sie zukünftig in der ersten Reihe – angetreten im Gefängnishof.” Freie Presse ja, aber bitte nur, wenn wir interpretieren, was frei bedeutet. Es sollen zukünftig alle Seiten zu Wort kommen, dumm nur, das die Demokraten dabei einen Knebel im Mund haben und man sie nicht versteht. Für Trump kein Problem: “Wir lassen das einfach untertiteln – in unserem Sinne.” Kellyanne Conway: “Ich möchte morgens immer noch in den SPIEGEL schauen können und will nicht erschrecken.”  Man kann bezweifeln ob selbst ein Trump Dekret das schafft.

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Lieber Kai Diekmann,

Frauen hatten für Sie stets nur eine Seite: Seite 1 bei der BILD. Sie waren der Herrscher über die Nackheit, der potente Mars neben der wunderschönen Venus von Milo. Ein Mann, der mit seiner Medienmacht Frauen an- und auszog. Der Augapfel aller Augsteins.

Das fanden nur Tugend-Tanten wie Simone Peter blöd. Oder verhärmte Feministinnen, die dringend mal wieder durchgef****t gehören*. Oder durch die Blome gesagt: Wer braucht einen Veggie Day, wenn ihn die Fleischeslust umtreibt!?

Spider!

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Sie. Sie sollen beim Baden (nicht in der Menge) eine Frau belästigt haben. Sie bestreiten das, wie früher ihren Lebensunterhalt mit erfundenen Geschichten.

Apropos erfundene Geschichte: dafür müssten Sie doch Sympathie haben.

Herzlichst

Ihr FJ Wagner

*Hatte selbst das letzte Mal Sex, als Hans Esser bei BILD der Mann war.

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5 Bevölkerungsgruppen, die wirklich überprüft werden müssten.

#GeHools (Gewaltbereite Hooligans)

Ein Kessel braunes: Sie tragen die Farben ihres Vereins und viel Böses im Schilde – die #GeHools. Aber damit ist jetzt Schluass: die Bundespolizei will alle #GeHools zukünftig schon vor dem Ausbruch von Gewalttätigkeiten kesseln, überprüfen und zum Heimspiel nach Hause schicken. „Hooligans sind eine Gruppe von Menschen, die seit Jahren bereit sind Gewalt anzuwenden“, so die Bundespolizei. Daher sei es nur richtig, schon als Prävention, jede Form von Gewalt im Keim zu ersticken. Verbrannte Züge, schwere Körperverletzungen und Beleidigungen gehören bei der Tätergruppe zum guten Ton. „Wir von der Bundespolizei sind nicht mehr bereit dies zu tolerieren.“ Wie die BILD berichtete ist auch Cathy Hummels davon begeistert.

#VaKar (Vollalkoholisierte Karnevalisten)

Maskierte Gewalttäter überziehen die Domstadt jedes Jahr mit einer Welle von Gewalt und Straftaten. „Die Tätergruppe nutzt Verkleidungen wie Pirat, Clown oder Cowboy, um sich insbesondere alkoholisiert Frauen zu nähern“, so die Kölner Sicherheitskräfte. Gerade an Karneval ist ein Ansteigen von Sexual-Delikten zu erkennen. „Dieses Jahr werden wir insbesondere Horror-Clowns präventiv überprüfen“, meint der Polizeisprecher. Mit Rassismus hat das ganze nichts zu tun, denn Clowns kennen ja keine Farbe, außer der roten Pappnase. Die Clowns werden allesamt überprüft und des Platzes verwiesen. „Wir wollen uns ja nicht lachhaft machen und die Clowns wie in den letzten Jahren gewähren lassen“, unterstreicht der Polizeisprecher der Rheinmetropole.

#SchlaMos (Schlager Move Besucher)

Hossa! Sie pinkeln in Hauseingänge, quälen Anwohner mit schrecklicher Musik und tanzen Frauen zu „Griechischer Wein“ an. #SchlaMos kennen kein Erbarmen! Der Schlager Move ist sowieso ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den guten Geschmack. Gut zu erkennen ist der #SchlaMos an Schlaghose, bunter Perücke und Sonnenbrille. Hemmungslos macht er sich an Frauen heran und scheut auch nicht den Einsatz von Prilblumen. „Jedes Jahr gehen die Zahlen von sexuellen Belästigungen im Zuge des Schlager Moves in die Höhe“, so die Hamburger Polizei in einer Pressemitteilung. In diesem Jahr ist die hanseatische Polizei mit einem Großaufgebot zur Stelle, um potentielle Sextäter (Motto: „Komm unter meine Decke“) verstärkt zu überprüfen und des Platzes zu verweisen. Denn: Es fährt ein Zug nach Nirgendwo – auch für Intensivtäter.

#OkBes (Oktoberfestbesucher)

Sie rotten sich in großen Gruppen zusammen, betrinken sich fast besinnungslos und belästigen Frauen: der typische männliche Oktoberfestbesucher zeichnet sich durch eine Uniform aus, dank derer die Polizei ihn direkt erkennt. Er trägt Lederhose, karierte Hemden und tanzt sehr gerne auf Tischen. Bei seinen Gewaltorgien setzt er ohne Hemmungen Maßkrüge ein und traktiert damit friedliche Besucher und Sicherheitspersonal. „Der #OkBes spricht ein fast nicht zu verstehendes Deutsch, vor allem wenn er lallt“, so die Münchener Polizei. „Zudem liegt die Bildung einer Gang artigen Organisation nahe, denn die Mitglieder tragen Erkennungszeichen“, führt die Wiesn-Wache weiter aus. Verstärkte Kontrollen der Personengruppe habe aber nichts mit Rassismus zu tun. „Wir wissen, dass aus dieser Gruppe Taschendiebstähle, Körperverletzungen und sexuelle Nötigungen begangen werden, daher ist eine Kontrolle unumgänglich.“ BILD meint aus dem Käferzelt: Weiter so!

#HerTags (Herrentagler)

Is this his Bollah-Wagen? Stockbesoffen, notgeil und auch sonst zu allem bereit. #HerTags gehen sehr geschickt vor, um polizeilichen Kontrollen zu entkommen. Sie arbeiten in kleinen Gruppen und dezentral. Etwa 5-10 Mann plus Bollerwagen voller alkoholischer Getränke reichen ihnen, um ihre Opfer (meist Frauen) zu erreichen. Sie pöbeln, pfeifen Frauen nach und werden bei gesteigertem Konsum von Alkohol auch gerne handgreiflich. „Für uns als Polizei ist es schwieig, die Tätergruppen zu stellen, da sie in vielen vielen Klein- bis Kleinstgruppen vorgehen.“ Dieses Jahr werden wir uns auf diese Taktik einstellen und schon an den Anfängen bekannter Routen kontrollieren. Das wird den Tätern eine Lehre sein und Lehrtage sind bekanntlich keine Herrentage.

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Der politische Werber lebt.

Vor einigen Wochen hielt Gerald Hensel, Strategiedirektor bei Scholz & Friends, ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, dass auch Werber politischer werden sollten. Ich finde das gerade in diesen Zeiten richtig und wichtig. Schließlich haben wir als Kommunikationsprofis das Wissen und teilweise eben auch die Kontakte, um gesellschaftlich relevante Aktionen viral werden zu lassen. Der politische Werber ist der Gegenentwurf zum klassischen: der hat – zumindest offiziell – keine eigene Meinung und übernimmt normalerweise die Positionen seines Kunden. Das ist Teil der DNA unseres Berufes. Wir könnten unseren Job sonst auch nie so gut machen.

Hensel bricht nun vollkommen damit. Seine Aktion #KeinGeldFürRechts sprach gezielt Werbekunden von sehr rechten, neurechten oder sogar rechtsextremen Online-Angeboten an. Unternehmen wurden darauf hingewiesen, dass sie – oft ohne dass sie es wussten – auf den Webseiten der Freunde von Pegida und Co. warben. Überraschend ist die Tatsache, dass viele Firmen scheinbar nicht wissen, wohin ihre Werbegelder fließen und welche – teilweise rechtsradikalen – Ansichten sie damit unterstützen. Machen wir uns nichts vor: diese neurechten Biedermänner geben Brandstiftern das geistige Rüstzeug, mit dem sie körperliche Angriffe legitimieren. Insofern ist die Aktion #KeinGeldFürRechts meiner Meinung nach ein geeignetes Mittel, um brennende Asylbewerber-Heime zu verhindern. Das mögen die ach so intelligenten Autoren dieser Blogs anders sehen, aber am Ende landet man vom alarmistischen Text, beim Alarm der Feuerwehr, die nach einem Brandanschlag gerufen wird. Nichts anderes ist der Fall.

Jeder wehrhafte Demokrat hat dadurch meines Erachtens das Recht und die Pflicht etwas dagegen zu tun. Auch gegen die “Achse des Guten” (selbst wenn da nicht jeder Text neurechts ist). Jetzt wird Hensel als Blockwart beschimpft, der Nazi-Methoden benutzt, wie einst bei „Kauft nicht bei Juden“. Dieser Vergleich (wie viele Nazi-Vergleiche) hinkt an allen Ecken und Enden. Im April 1933 war Hitler an der Regierung, er stellte paramilitärische SA-Männer vor jüdische Geschäfte und drangsalierte deren Besitzer und deren Kunden. Nicht nur verbal, sondern körperlich. Und mit dem Gewalt-Monopol des Nazi-Regimes. Gerald Hensel dagegen, ist ein Aktivist ohne all deren Macht. Er kann Unternehmen nur auf deren Werbe-Partner hinweisen und sagen: „Meint ihr, dass ihr in diesem Umfeld werben wollt?“ Scheinbar wollen das viele der Firmen wirklich nicht. Denn auch die wissen, dass Hassprediger, AfD-Sympathisanten und Weltuntergangs-Herbeischreiber kein Umfeld sind, in dem weltoffene Unternehmen werben wollen und sollen. Diese Firmen ziehen also freiwillig ihre Budgets zurück und setzen diese an besserer Stelle ein. Ohne Zwang, ohne gröhlende Uniformträger, ohne Gewaltmonopol. Einfach aus Einsicht.

Jetzt bricht ein gewaltiger Shitstorm über Hensel hinein. Denn die Neurechten sind hervorragend im Netz organisiert und verstehen es ihre Peer-Group zu mobilisieren. Sie rufen ihrerseits zum Boykott auf: vor allem gegen die Werbeagentur, in der Gerald Hensel arbeitet. Dessen Arbeitgeber hat sich heute hinter seinen Mitarbeiter gestellt. Trotz tausender schlechter Bewertungen innerhalb weniger Tage auf ihrem Facebook-Kanal. Dafür gebührt Scholz & Friends Respekt. Vor allem deswegen, weil es eigentlich mehr politische Werber braucht. Intelligente, tolerante, kreative und vor allem weltoffene Menschen, die nicht einfach schweigen, wenn um sie herum gerade versucht wird gesellschaftliche Errungenschaften wie Gleichberechtigung, Inklusion oder Toleranz gegenüber sexueller Orientierung wieder zurückzudrehen.

Werber haben gelernt, wie man nicht abgehoben mit normalen Menschen sprechen kann. Der abgehobene links-intellektuelle Diskurs erreicht diese oft nicht. Für uns dagegen ist es Alltag, Botschaften zu entwickeln, die Herz und Kopf treffen – von Leuten wie Du und Ich. Wir sollten diese Kompetenz nutzen. Manche machen das: als Wahlkämpfer für demokratische Parteien. Andere können neue Wege finden, wie Gerald Hensel. Wichtig ist, dass wir uns nicht einschüchtern lassen, weil die Neurechten sehr laut werden können. Und sehr hassvoll. Sie meinen zwar, dass es nur eine Einheitsmeinung gibt und sie keine Stimme hätten, dafür ist ihre Stimme im Netz zum Teil penetrant laut. Sie kapern die Kommetar-Spalten und machen sie zu einer Mono-Kultur ihrer Weltsicht. Aber auch hier gilt: Nur weil sie sich eben – qua ihres eingebildeten Minderwertigkeitsgefühls – besser mobilisieren lassen, sind sie nicht in der Mehrheit.

Der politische Werber ist nicht tot. Im Gegenteil er fängt gerade erst an.

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8 SPD Kanzlerkandidaten, die gewinnen könnten.

Hannelore Kraft kennt ihn schon. Wir nicht. Den kommenden SPD-Kanzlerkandidaten. Dieser wird in einem offenen Prozess von allen Mitgliedern der Sozialdemokratie gewählt. Denn so geht moderne Parteiendemokratie. Wir wagen einen Blick ins Hinterzimmer der SPD und orakeln, wer 2017 gegen die Bundeskanzlerin verliert.

Til Schweiger

Vorteil: Er würde selbst dann Klartext reden, wenn er wie gewohnt nuschelt. Er wäre ein Vorzeige-Kanzler, der ein Vorzeige-Ergebnis fast garantieren würde. Außenminister wäre wieder Fischer (Helene) und das Kanzleramt würde zu einem Tatort werden: hier wird nicht gequasselt, sondern gemacht! Bäm, bäm, bäm: schneller als Trump würden Gesetze verabschiedet. Und die AfD müsste flüchten: über eine Vorzeige-Route nach 1937. Mit ihm wäre die SPD wieder auf der Gewinnerstraße: in einem Mercedes SL Cabrio (Hybrid).

Wahlkampfslogan: Mehr Kerl statt Merkel.

Vorzeige-Ergebnis: 38% (wie Jack Daniels)

Angela Merkel

Vorteil: Sie bringt jede Menge Erfahrung als Kanzlerin mit und hätte den Amts-Bonus. Davon träumen SPD-Politiker seit Jahren. Außerdem verkörpert sie wie keine andere sozialdemokratische Werte. Und nicht zu vergessen: anders, als führende Sozis, hat sie nie entschieden Hartz-4 einzuführen – mehr sozial geht nicht. Chaos-Gabriel kann sie gut managen und Leute wie Schulz verspeist sie zum kontinentalen Frühstück. Ergo: Gegen Merkel hätte die CDU keine Chance.

Wahlkampfslogan: Keine Experimente. Außer an AfD-Mitgliedern.

Koalitions-Partner: Alle

Ergebnis: 36,2%

Jan Böhmermann

Vorteil: Jan Böhmermann hätte sogar eine Chance, wenn er als Sigmar Gabriel antreten würde – und das will was heißen. Er macht aus jedem Korruptionssumpf Gold, ob in Berlin oder in Wowereit im Winkl. Er ist ein mediales Schwergewicht und ganz dick vernetzt – zwar nicht in SPD Ortsvereinen, aber dafür im Internet und darauf kommt es heute an. Er kann Kampagne und wäre unter Merkel der beste Witze-Kanzler aller Zeiten. Und: er hätte mehr Follower, als die SPD Mitglieder.

Wahlkampfslogan: Egal, Hauptsache mit Hashtag.

Koalitionspartner: Deutsche Dendemann Partei, Die Beisenherzer, Benny Hillary Clinton, Die 5 Fallon Bewegung

Ergebnis: 1.567.321%

Sarah und Pietro

Vorteil: Über keinen Kandidaten würde die BILD mehr berichten. Auch RTL2 wäre mit „Sarah und Pietro auf Wahlkampftour“, „Sarah und Pietro im Hinterzimmer (kein Sex)“ oder „Sarah und Pietro gründen die ‚Sarah und Pietro Partei Deutschlands’ (SPD)“. Zwar haben beide noch nie so einen langen Text gelesen, wie das Parteiprogramm, aber irgendwo muss man ja anfangen. Wahlkampfmanager Dieter Bohlen würde für Bodenständigkeit sorgen und den passenden Wahlkampf-Hit schreiben. Und wer weiß? Am Ende sind die beiden vielleicht wieder vereint – wie jetzt Helmut und Loki. Himmlisch!

Koalitions-Partner: RTL2, BILD

Ergebnis: 122% (die haben das mit der Demokratie noch nicht verstanden)

Horror-Clown

Vorteil: Wenn schon einen Horror-Clown wie Gabriel, dann doch lieber das Original. Er macht Gerechtigkeit und Hartz Fear ganz groß zu seinem Wahlkampfthema. Sein Vorteil: er kann in ganz Deutschland urplötzlich an sehr vielen Stellen auftauchen und Wahlkampfreden halten. Mit seinen Spots terrorisiert er die TV-Sender mehr als alle Berliner Runden bisher zusammen. In Duell gegen Merkel hat er sofort die Pappnase auf – passend zu allen anderen SPD-Kandidaten. Und wenn er verliert, kann er gleich einen Lobby-Posten bei Monsanto einnehmen. Mehr Horror geht nicht.

Wahlkampfslogan: Ängste Beziehungen zu Europa.

Koalitions-Partner: AfD, Trump, Front National (HORROR!!!)

Ergebnis: Freitag der 13% (HORROR!)

Mindestklon Willy Brandt

Vorteil: Die SPD-Mitglieder (Durchschnitts-Alter 65,3 Jahre) wissen, was sie bekommen. Mindestklon Brandt wird die Wiedervereinigung mit der DDR weiter vorantreiben. Mit seiner Sozialpolitik überzeugt er die Millionen in Gewerkschaften organisierten Arbeiter und deren Hausfrauen, die abends das Essen auf den Tisch stellen. Er führt als erste Amtshandlung den Mindestklon ein. So können die Arbeiter zuhause bleiben, während ihr Mindestklon malochen geht. Und wenn sie arbeitslos werden, kassieren beide doppelt ab. Mehr Sozialpolitik war noch nie bei der SPD.

Wahlkampfslogan: Mindestklon für alle!

Koalitionspartner: Genscher

Ergebnis: genau wie 1972

Kim Jong Un

 Vorteil: Er kann nicht verlieren. Genau wie Gabriel. Oder fast wie Gabriel. Er nennt sich das Flakgeschütz der Demokratie und wie aus der Pistole geschossen kommen auch seine Argumente. Er holt mehr Prozente als die CSU in 2 Landtagswahlen. Er ist jung und raucht fast genau soviel wie Helmut Schmidt – und ist auch fast genauso demokratisch wie er. Er wäre die Führerfigur, die die SPD so dringend braucht, seitdem Rudolf Scharping lieber radelt und Lafontaine einen auf Salon-Konterrevolutionär macht. Er würde Deutschland wieder zur Atommacht machen und Kai Diekmann mit einer Rakete ins All schießen.

 Wahlkampfslogan: 100% für Deutschland.

 Koalitions-Partner: Keine (warum auch?)

 Ergebnis: 100%

 Christoper Lauer

Vorteil: Er wäre schon in der SPD – und vom Prinzip wählbar – denn: auf die Dauer hilft nur Lauer. Als Kanzlerkandidatskapitän würde er die Segel setzen und Kurs nehmen auf ein Land, das sich klar macht zu ändern. Sein allergrößter Vorteil: er ist nicht Sigmar Gabriel. Er ist dynamisch, jung, internetaffin – also genau das Gegenteil von der SPD. Mit Peter Altmaier könnte er in den Kabinettssitzungen twittern und über Andrea Nahles ablästern. Er würde sich über eine Kanzlerkandidatur sozialdemokratierisch freuen – was man sonst über kaum einen SPD-Politker sagen könnt. Und: was hätte die SPD schon zu verlieren? Außer mal wieder eine Wahl.

Wahlkampfslogan: Make sozialdemokratische Inhalte bei den Bürgerinnen und Bürgern des Landes great again.

Koalitionspartner: alle außer Piraten

Ergebnis: 13.37%

 

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140 Zeichen Hass.

Der Autor Maxim Biller hatte mal in grauer Vorzeit eine Kolumne mit dem Titel „100 Zeilen Hass“. Hier breitete der Journalist in der legendären Jetzt-Weltschau ‚Tempo’ seine Sicht der Dinge über gesellschaftliche Themen aus, die ziemlich konträr zur allgemeinen Anschauung der Dinge lag. Oft pointiert, gnadenlos egomanisch und eben triefend vor Ablehnung. Die Zeiten haben sich geändert. Aus Tempo wurde Übersch(w)all und aus 100 Zeilen 140 Zeichen. Nur der Hass, der ist geblieben – leider weniger intelligent und vielleicht noch eine Spur hassvoller.

Denn wir leben in aufgewühlten Zeiten. Gräben werden tiefer. Wir reden nicht mehr miteinander, sondern schreien viel öfter aneinander vorbei. Es geht nicht mehr um Dialog, sondern nur noch ums reden. Am dran sein. Am gehört werden. Von wem auch immer. 7 Followern oder 7 Millionen. Nachrichten sollen nicht mehr Nachrichten sein. Eher haben sie bei vielen Bevölkerungsschichten nur noch die Funktion das eigene Weltbild abzubilden. Wird das nicht getan, ist es eben Lügen- oder Halblügenpresse. Zeit hat niemand mehr: für Fakten, Recherche für Besonnenheit in unserem aufgehetzten und –geheizten Zeitalter.

Ich bin wie viele gerade erschüttert über die Anhäufung von Gewalttaten in Deutschland, Europa und der Welt. Jede dieser Taten hatte meines Erachtens andere Hintergründe: Terror (Ansbach, Würzburg), Amok (München) oder eine Beziehungstat (Reutlingen). Für die Angehörigen ist es wahrscheinlich egal, welcher Hintergrund die Tat jeweils hatte, sie wird das Leben aller dieser Menschen ihr Leben lang negativ beeinflussen. Allen diesen Menschen gilt mein Mitgefühl.

Trotzdem. Oder gerade deswegen. Habe ich nach dem Anschlag von Ansbach diesen Tweet geschrieben:

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Als Mensch. Nicht als Berliner. Nicht als Werber (wie ich danach auch verunglimpft wurde/werde – als ob ‚Werber’ kein Recht hätten auf eine Meinung zu einem Thema). Übrigens: ich habe politische Wissenschaft studiert, war knapp 9 Jahre als Offizier bei der Bundeswehr (habe also für unser Land wahrscheinlich weitaus mehr geleistet, als diese anonymen Internet-Krakeeler auf ihrem Sofa vorm Fliesentisch) und verkaufe keine Schokoriegel. Ich mache Wahlkämpfe und Kommunikation für öffentliche Institutionen oder Verbände. Mich mit gesellschaftlichen Themen zu beschäftigen gehört zu meinem Beruf. Und meine Aufgabe ist es, Menschen diese Themen zu erklären und nahe zu bringen. Sie ggf. sogar von einer guten Sache zu überzeugen. Ich liebe meinen Job.

Nichtsdestotrotz wurde ich nach posten dieses Tweets von anderen Usern mit dem Tode bedroht und etliche Male beleidigt. „Hurensohn“, „Arschloch“ oder „linksversiffter Gutmensch“ war eigentlich Standard. „Idiot“ habe ich schon fast als Kompliment aufgefasst.

Die Tweets gegen mich waren teilweise so hasserfüllt, dass ich mir fast mehr Sorgen um die Schreiber gemacht habe, als um mich. Wo biegt man eigentlich mental falsch ab, um in dieser Kommunikation voller Wirrnis und Verschwörungen zu landen. Wo jemand wie ich – ein kleiner Berliner mit einem dämlichen Beruf – zur Projektionsfläche für Hass wird von Menschen, die denken in unserem Land läuft alles falsch und Merkel gehört an den Galgen.

Überhaupt: wir, die immer noch sagen, dass es vor knapp einem Jahr richtig war, Menschen Schutz zu bieten, die vor Krieg und Zerstörung flüchteten. Wir müssen uns Naivität und das zur Beleidigung gewordene Gutmenschentum vorhalten lassen. Ich bin übrigens gerne und mit Überzeugung Gutmensch. Dabei ist es fast zum Lachen, dass genau die rechten Trolle, die fordern, die männlichen Flüchtlinge aus Syrien sollten ihr Land verteidigen, dass gerade diese „Helden“ nicht mal den Mut haben mit Klarnamen ihre Meinung zu vertreten. Schöne Helden sind das. Und wahrscheinlich die ersten die aus Deutschland flüchten, wenn es statt Pringels vorm Computer plötzlich Bomben zum Nachtisch gibt.

Wenn aber jemand wie ich zu seiner Meinung steht, trotzdem Mitgefühl für die Opfer und Angehörigen hat, dann wird er bedroht und gestalkt – weil man den Mut hat mit seinem Namen für seine Überzeugungen einzustehen. Und noch einmal: ich kann auch verstehen, wenn es Menschen gibt, die Merkels Flüchtlingspolitik ablehnen – aber wenn dabei Flüchtende entmenscht, Heime angezündet oder Thesen verbreitet werden, die nicht mehr auf dem Boden unseres Grundgesetzes stehen, dann ist bei mir Schluss. Schließlich ist es mehr als fragwürdig, wenn ein bekannter Blogger der FAZ genau diese Menschen noch mit Argumenten füttert und sich anhand eines Tweets eine Einschätzung darüber erlaubt, wie ich die Welt sehe und verstehe. Aber bloggende Berufsbesserwisser mit Internet-Anschluss haben nie die Welt verbessert, sondern geben nur Moment-Meinungen ab (die genauso lange nachhallen).

Zum Schluss: ich habe gestern gegen zwei Twitter-User Anzeige bei der Polizei erstattet, weil sie mir Tod und Gewalt androhten. Bei einem dritten habe ich überlegt, aber es war ggf. zu schwammig formuliert (hier profitieren die Trolle von unserem Rechtsstaat, den sie so doch so sehr hassen). Wir dürfen uns nicht von solchen anonymen Salonlöwen vorschreiben lassen, was wir wagen zu sagen und was nicht. Dafür musste ich mir von völlig empathielosen Trollen vorwerfen lassen, ich suhle mich in diesen Todesdrohungen (wie krank kann man sein?).  Ich mache mir keine Illusionen: es wird dabei nichts rauskommen. Alleine die Anzeige zu formulieren war irgendwie absurd. Wer hat mich geschädigt? Ein @irgendeinfantasiename aus ich weiß nicht wo. Das wird aller Wahrscheinlichkeit im Sande verlaufen. Was bleibt? Meine Frau hat Angst um mich, ich selbst sehe das eher gelassen. Doch was solche Hass-Trolle anrichten und an Furcht verbreiten, wenn sie jemand den Tod androhen, geht fast in Richtung Terror (den sie ja eigentlich so vehement ablehnen).

Und vielleicht kann das ein FAZ-Blogger aus dem beschaulichen Franken gar nicht beurteilen, wie sich das im fernen Berlin anfühlt – mit dem Tode bedroht zu werden. Aber: lassen wir den Hass nicht siegen, am Schluss setzen sich christlich-abendländische Werte durch: Nächstenliebe (die haben die selbsterklärten Bewahrer dieser Werte leider längst vergessen).

In dem Sinne bleibe ich dabei: Merkels Politik war, ist und bleibt richtig.

PS: Ich habe auch sehr viel Solidarität erfahren – danke dafür.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Im 7. Fußballhimmel.

Als Deutschland das letzte Mal Europameister wurde, erlebte ich das Finale im Cockpit eines Passagier-Jets, der mich mit einer Kompanie englischer Soldaten nach Kanada brachte. Ich war damals ein junger Offizier, der zum Austausch mit den Briten entsendet wurde. Eigentlich war ich im brandenburgischen Nichts stationiert. Einem Kaff Namens Brück, unweit von Potsdam. Hier gab es nur diese ehemalige NVA-Kaserne mitten in einem Wäldchen, in die damals viel Steuergelder flossen, um die Gebäude zu sanieren. Unser Stab war übergangsweise in einer Baracke beherbergt.

Der Bataillons-Kommandeur war ein schrecklicher Vorgesetzter, der die Kompanie-Chefs in den Stabs-Besprechungen regelmäßig rund machte. Jeder hatte vor ihm Angst, sogar sein Stellvertreter im Range eines Majors. Als damals das Fernschreiben (E-Mails gab es noch nicht) reinkam, mit der Aufforderung einen deutsch-britischen Austausch-Offizier abzustellen, fiel die Wahl auf mich. Das war nicht schwer, die meisten anderen, waren ehemalige NVA-Offiziere und konnten besser russisch, als englisch sprechen. Sie hatten DDR typisch früh geheiratet und alle schon Kinder. Keiner wollte seine Familie wochenlang nicht sehen. Also schaute der Kommandeur mich an und sagte: „Frommer, sie machen das.“ Widerstand zwecklos.

Wenig später packte ich meine Ausrüstung zusammen und fuhr nach Osnabrück zum britischen Regiment, mit dem ich nach Kanada zu einem Übungsplatz fliegen sollte. Zwischenzeitlich begann die EURO96 im Mutterland des Fußballs. „Football is coming home“ wurde als Hymne geboren – bis heute. Matthias Sammer war der letzte Libero vor dem Zeitalter der Viererabwehrketten (das Deutschland verschlief), Heribert Faßbender (die Wanderdüne der TV-Kommentatoren) begrüßte alle mit „Guten Abend, allerseits“ und Gascoigne war wirklich mal ein sehr guter Fußballspieler. Deutschland rauschte durch die Vorrunde.

In Osnabrück lernte ich britischen Offizierskasino-Style kennen – Schlachten-Gemälde vom Hindukusch an der Wand, Teatime mit Queen-Gedenken und „Hooray for the Husars!“ Gebrüll beim Toast. Ich wurde in die Waffensysteme der Panzer eingeführt, die wir in Kanada für die Übung nutzen würden. Eines Tages plötzlich mehrere laute Explosionen, in Panik suchte ich Deckung. Die IRA hatte mit einem Mörser die Kaserne beschossen. Der letzte große Anschlag der Terror-Organisation in Deutschland. Zum Glück hatten sie nicht die Tankstelle getroffen und nicht jede Granate explodiert. Wir bekamen danach den freundlichen Hinweis, vor dem Starten des Autos mal einen Blick drunter zu werfen. Meine Freude über die Versetzung wurde immer größer.

Und sie steigerte sich ins unermessliche, als ich erfuhr, dass wir gerade am Finaltag nach Kanada fliegen würden. Man muss sich da so vorstellen: Deutschland hatte im Halbfinale den Gastgeber England im Elfmeterschießen rausgekickt. Jetzt saß ich mit circa 200 englischen Soldaten im Finaltag im Flieger nach Kanada. Die Stimmung gegenüber Deutschen war sowieso schon blendend und wurde durch den Sieg der National-Elf noch besser. Wir hoben in Hannover ab Richtung Calgary. Irgendwann sagte der Kapitän per Bord-Mikrofon: „Wie alle wissen, haben wir einen Deutschen als Gast. Wenn er möchte, kann sich hier bei uns im Cockpit das Finale der EURO96 anhören.“ Natürlich kam ich dem Angebot sofort nach. Damals durfte man noch während des Flugs in die Cockpit-Kanzel.

So saß ich zwischen den beiden Piloten mit einem Kopfhörer auf – mitten über dem Nord-Atlantik. Auf BBC lief die Radio-Reportage. Deutschland lag hinten, bis Bierhoff eingewechselt wurde und per Kopf zum Ausgleich traf. Die Piloten – beide Engländer – freuten sich mit mir. Schließlich ging es in die Verlängerung und damals galt die sogenannte Golden Goal Regel – wer in der Verlängerung das erste Tor schoss gewann automatisch. Das sollte das Spiel attraktiver machen – so attraktiv, dass man es einige Jahre später wieder abschaffte. Zum Glück. Oder auch nicht. Als Bierhoff dann zum Golden Goal einnetzte, war es mir scheißegal. Deutschland war Europameister – und ich glücklich! Ich war im wahrsten Sinne des Wortes im Fußball-Himmel.

Nach dem Sieg ging ich zurück in die Kabine. Glückselig. Als ich auf meinem Platz eintraf, verkündete der Kapitän den deutschen Sieg. Selbstverständlich wurde der von meinen britischen Kameraden mit großer Begeisterung aufgenommen. Hinter mir sagte einer: „Wenigstens hat Damon Hill dieses Wochenende gegen fucking Schumacher gewonnen.“ Es geht doch nichts über Freude teilen.

Schließlich landeten wir in Calgary und fuhren mitten in die Prairie. Es war ein wahres Grasmeer. Kein Baum, kein Strauch. Ein Horizont wie auf dem Ozean. Manche wurden mit der Weite nicht fertig und dadurch krank. Ich schaute mich um und dachte: Deutschland ist Europameister und was habe ich davon: ein riesengroßes Nichts.

In dem Sinne: eine schöne Europameisterschaft. Wo auch immer.

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In weiter Ferne so China

Der Unterschied zwischen meiner Chefin und mir ist, dass ich immer gut aussehen werde. Selbst ohne Zähne, mit einem Bierbauch bis zum Baikalsee und der Tatsache, dass ich Haare eher mit Krishna als mit meinem Kopf in Verbindung bringe. Weil Sie ist eine Sie und Ich bin ein Er. Aber dafür ist Sie Chinesin.

Die Gnade der richtigen Geburt. Oder so. Im Radio spielen sie eine Musik die ich nicht einordnen kann. Wo steht Pop? Bei Mediamarkt zwischen Rock und Alternative. Wo stehe ich? Bei Mediamarkt an der Kasse. Tolle Karriere. Irgendwann brauchen die uns nicht mehr. Dann kassieren die für uns in China up.

Es kommt der Tag, da reichen 2,5 Milliarden Chinesen vollkommen aus. Wir brauchen keine anderen Menschen mehr, um das Bruttosozialprodukt in ungeahnte Höhen zu liften. Muss man sich da nicht zumindest ein bisschen wehren? Zu den Asia-Wochen von McDonalds bin ich demonstrativ (sick!) nicht gegangen. Und wenn in der Gala was über das Dekollete von Bai Ling geschrieben wird, blättere ich schnell weiter. Dahin wo die Leute noch was zu feiern haben. Ich muss mir das nicht bieten lassen. Die schleichende Sinosierung meines Seins.

Meine Xbox habe ich aus dem Fenster geschmissen, weil Made in China. Den Fernseher ebenso. Und alle anderen elektronischen Geräte meines Haushaltes. Zum Anziehen habe ich auch nichts mehr, das Zeug wurde alles in kantonesischen Sweatshops zusammengenäht. Meine Freundin erklärt sich solidarisch und lässt die H&M Unterwäsche weg. Zu irgendwas muss der Boykott ja gut sein.

Zugegeben: mein Leben ist ärmer geworden. Vor allem seitdem ich nicht mehr bei 9live anrufen kann, um megafett Kohle abziehen zu können. Zum einen habe ich kein TV-Gerät mehr zum anderen war das Telefon auch aus China. Und wer weiß: Vielleicht senden die gar nicht aus dem schönen München, sondern aus einem Studio bei Shanghai. Ein paar Moderatoren haben große Schwierigkeiten mit dem Deutsch. Könnte ja sein, dass das Chinesen sind, die für den europäischen Markt zurechtgeschminkt wurden.

Ich lese jetzt mehr Zeitung. In der BZ habe ich folgenden Satz gelesen: „Rene Kollo haust am Holocaust-Mahnmal.“ Welch Absturz für den einstigen King of leichte Muse. Aber leider, so wird im dem Artikel weiter ausgeführt, singt jetzt ein Chinese seinen Part. Der ist billiger und trällert das hohe C (!) fast genauso hoch wie der Deutsche an sich.

Die zukünftige Regierung soll auch nur noch aus Chinesen bestehen. Besser gesagt wird die outgesourct. Die haben irgendwo im Südwesten des Reiches der Mitte einen 1:1 Nachbau des Reichstags aufgebaut. Total günstig und alles in 1,5 Jahren, da wäre hier das Baugenehmigungsverfahren in den Kinderschuhen. Da sitzt jetzt die Regierung und arbeitet. Nebst 600 chinesischen Billig-Bundestagsabgeordneten. Alles viel günstiger. Für umgerechnet 200 Euro im Monat. Und die schwänzen keine Debatte oder Ausschusssitzung. Passt doch auch: Von Berlin-Mitte nach Reich-Mitte.

Hier wird nicht mehr viel passieren. Im Moment überlegen die sogar, ob die nicht Deutschland komplett nach China verlegen. Passen würde es ja. Und sogar einige Male. Das Leben ist doch hier viel zu teuer. Hat nicht mal der altchinesische Drachengott Helmut Kohl über den Freizeitpark Deutschland sinniert? Das wäre doch die Chance für unser schönes Land:

Vollständiges Outsourcing der Bundesrepublik nach China. Dort detailgetreuer Nachbau als eine Art Deutschnyland. Arbeitslosengeld II statt Micky Mäuse, Alt-Platte statt Neuschwanstein und Hartz 4-Kings statt Ludwig II. Und das supertolle: Alle hätte wieder einen Job als Statisten für chinesische Touristen. Sogar die Arbeitslosen. Die spielen dann einfach Arbeitslose. Bei der langjährigen Erfahrung ist das ein Klacks für die.

Ich stehe dann immer noch an der Kasse eines Mediamarkt-Nachbaus in einem Nachbau eines gesichtslosen deutschen Industriegebiets. Das ist das Paradies: Hier verlieren nur Industriegebiete ihr Gesicht und nicht die Menschen. Gestern zeigte mir ein chinesischer Tourist das chinesische Zeichen für Glück: € – ich habe verstanden.

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